Fundamente der Israel-‚Kritik’

Es ist immer wieder erstaunlich, wie widersprüchlich die Herrschaften „Israelkritiker“, denen natürlich immer nur das Wohl Israels am Herzen liegt, „argumentieren“. Eines der besten Beispiele liefert Claudio Casula in seinem Gastbeitrag über Rudolf Augstein bei Lizas Welt, ohne näher darauf einzugehen. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu:

Augstein meinte von sich geben zu müssen:

„Die Juden in den USA sind wohlorganisiert. Sie halten untereinander enger zusammen als andere Minderheiten, besonders wenn es um Israel geht. Ohne Zuschüsse aus Washington und ohne Spenden der amerikanischen Juden könnte das Land finanziell nicht existieren.“ (Spiegel 40/1991)

„Namentlich demokratische Kongressabgeordnete sind auf Wahlkampfspenden jüdischer Geldgeber angewiesen.“ (ebenda)

Wer so etwas schreibt, der hat offensichtlich keinerlei Ahnung von den Verhältnissen in den USA und frönt ausschließlich seinem Antiamerikanismus (und in der Folge einer gewissen Form von Antisemitismus – schließlich ist die Aussage, die Juden würden Amerika im Griff haben und zwingen, nach ihrer Pfeife zu tanzen, letztlich nichts anderes).

Den „Ostküstenjuden“ in die Schuhe zu schieben, sie steckten hinter allem, was Israel tun und machen kann, ohne dass ihm jemand in den Arm fällt, ist schlichtweg realitätsfremd. Gerade „die Ostküste“ denkt liberal/links; dort und in Kalifornien sitzen die politisch „kritischsten“ Leute, was Israel angeht. Gerade dort – und das gilt auch für die jüdischen Amerikaner – regt sich die meiste Begeisterung für linke „Friedensinitiativen“ im Nahen Osten, die auf Kosten Israel gehen.

Augstein schrieb dies 1991 – das ist „lange her“, aber wer die Äußerungen des Spiegel-Gründers über die Jahre hinweg liest, wird merken, dass er vorher nicht anders dachte und hinterher auch nicht, beispielsweise trotz des Oslo-Friedensprozesses oder der Frage, welche amerikanischen Präsidenten und Parteien Israel wie unterstützten (oder auch nicht). In der oben zitierten Tirade ist lediglich eine einzige Andeutung richtig: Jüdische Amerikaner unterstützen mehrheitlich demokratische Politiker. Augstein und seine Kumpels haben allerdings offensichtlich nicht nachgehakt wieso, sie fahren auf ein Singular-Kausalität ab: Israel. Das war schon 1991 Blödsinn.

Anscheinend ist Augstein argumentativ bei 1948 stecken geblieben. Damals unterstützte der demokratische Präsident Truman gegen den ausdrücklichen Widerstand seines Außenministeriums und viele Demokraten (wie Republikaner) die Befürwortung der Gründung des jüdischen (und gleichzeitig eines arabischen) Staates im Mandatsgebiet Palästina. Seitdem sind demokratische Präsidenten und Mehrheiten nicht als große Unterstützer Israels in Erscheinung getreten. Kennedy und Johnson hatten zu viel mit Vietnam zu tun, Carter ist ausgewiesener Israel-Hasser, Clinton hat die pal-arabischen Terroristen hofiert und mit allen Mitteln hoffähig zu machen versucht. Mahnungen gingen in erster Linie an Israel, es solle nachgeben. Der PA wurde gelegentlich der mahnende Zeigefinger gezeigt, aber das war’s dann auch. Die demokratischen Politiker als extremistische Bande im Griff des „Ostküsten-Judentums“ darzustellen, war nie mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Trotzdem ist das heute weiterhin eines der beliebtesten „Argumente“ über Zusammenhänge der Weltpolitik und Israels.

Wie schwachsinnig das heute ist, zeigt die politische Stellung der meisten Demokraten zur Nahostpolitik der USA. Gerade sie sind es, die eine „Europäisierung“ der US-Politik anstreben: Raus aus dem Irak, raus aus Afghanistan, den Palästinensern volle Unterstützung in ihrem „Freiheitskampf“ und die Israelis sind die Nazis von heute. Das können wir Augstein nicht vorwerfen, er ist seit 4 Jahren tot. Aber sein Geisteszustand in Bezug auf Israel und den Nahen Osten lebt. Realitätsfremd und ideologisch gegründet. Und weh dem, der das anders sieht.

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