Die Hoffnung der Empörten

Die Empörung der indonesischen Muslime über die dortige Ausgabe des Playboy verstehen wir – geschenkt. Dass sie sich aufregen und dass Gerichtsverfahren statt finden, um die Schamlosigkeit des Blattes festzustellen (das knapp bekleidete, aber keineswegs nackte Frauen zeigt) und es über diesen Weg verbieten zu lassen – geschenkt. Dass die Stoffsäcke mit Gesichtern vor dem Gerichtsgebäude demonstrieren und das Centerfold-Mädel beschimpfen – geschenkt. Lassen wir das alles als „kulturelle Eigenheit“ durchgehen und reden wir nicht weiter drüber. Meinungsfreiheit und auch Freiheit mit seinem Körper zu tun, was man möchte, ist nicht überall durchsetzbar und in muslimischen Ländern etwas, das zu deren Zivilisation nicht gehören muss.

Was aber nicht begreifbar ist: Was diese Typen denen an den Hals wünschen, über die sie sich empören. Die Demonstrant(inn)en riefen dem Playboy-Model vor dem Gericht zu, sie sei eine Prostituierte und sie hofften ihre Tochter würde vergewaltigt (Meldung von AP; gefunden bei Dhimmi Watch).

Was ist mit diesen Leuten los? Wieso soll die Tochter (die die Frau vermutlich noch gar nicht hat) das Opfer der Rache sein? Reicht es nicht, dass man der „Beleidigenden“ wünscht, dass ihr etwas Schlimmes passiert? Warum soll jemand darunter leiden, die nicht im Geringsten etwas dafür kann, was man ihrer Mutter vorwirft?

Das „Phänomen“ beschränkt sich nicht auf Indonesien. Es findet sich zumindest in den asiatisch-islamischen Ländern überall. Ein Beispiel habe ich in einer Abhandlung über Pakistan gelesen; es gibt haufenweise weitere aus anderen Ländern. Aus Pakistan wurde berichtet, dass es Gang und Gäbe ist, die angegriffene Ehre einer Familie dadurch wieder herzustellen, dass man nicht denjenigen, der die Ehre angegriffen hat (einen Jugendlichen), zur Rechenschaft zieht, sondern dass seine minderjährige Schwester zur Verfügung gestellt werden musste, damit mehrere Mitglieder der beleidigten Familie sie vergewaltigen konnte. (Die Folge ist „natürlich“, dass das Mädchen ziemlich bald nach der Vergewaltigung nicht mehr lebt, damit die durch die Vergewaltigung beschädigte „Ehre“ der „bestraften“ Familie wieder hergestellt ist.)

Ist das Kultur? Ist das Zivilisation? Ist das irgendwie hinnehmbar?

Ich fürchte, das ist nicht kein wirklich „kulturelles“ Problem, das nichts mit der Religion zu tun hat. Die Völker, bei denen solches Handeln und Denken und Wünschen zu beobachten ist, sind zu unterschiedlich, als dass man es mit ihren innerethnischen Vorstellungen erklären kann. Das einzige wirklich verbindende Glied ist die Religion.

Die wichtige Frage ist aber, wie wir im Westen mit so etwas umgehen. Ich sehe, wie sich unsere Intelligenzia, unsere Medien, unsere Menschenrechtler heftigst über von ihnen beschworene „alttestamentarischen Rachedurst“ aufregen, den sie bei den Israelis und den Amerikanern immer beschwören (wenn die sich mit Waffengewalt statt mit Kniefällen gegen Terroristen zur Wehr setzen). Abgesehen davon, wie unsinnig solche Vorwürfe sind: Wo bleiben entsprechend scharfe Worte gegenüber Muslimen, die wünschen, dass ein noch nicht einmal geborenes Mädchen vergewaltigt wird, weil seine zukünftige Mutter etwas getan hat, das gegen die religiösen Vorstellungen der Mehrheitsbevölkerung verstößt. Wo bleiben die Aufregungen und der laute Aufschrei mit den zugehörigen Beschimpfungen, wenn Muslime Vergewaltigungen anordnen, die an Mädchen begangen werden, die ursächlich nun überhaupt nichts mit dem zu tun haben, worüber diese Muslime sich ärgern?

Die westlichen Gutmenschen reagieren wie üblich nur da, wo sie es tun können ohne ein Risiko einzugehen. Vergeltung an Menschen, die zwar auch den „Übeltäter“ trifft, aber vor allem Unbeteiligte schädigt und zu deren Tod führt, wird zwar nicht als richtig oder gerechtfertigt hingenommen, aber man unternimmt auch nichts dagegen. Der bequeme Protest macht die moralische Überlegenheit aus. Wo es gefährlich wird, da sind lediglich Lippenbekenntnisse zu erleben, kein Handeln. Also lassen wir die Empörten ihre Rachegelüste leben. Wir haben ja die Juden und die Amis, über die wir uns empören und gegen die wir agieren können.

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