Begriffsstutzer

Sie feiern sich selbst, selbstgerecht und im Namen der Menschlichkeit. Sie brüllen Stichworte durch die Gegend, die hinten und vorne nicht stimmen, sich aber gut machen als Diskreditierungswerkzeug für Andersdenkende. Sie behaupten im Namen der Freiheit zu sprechen, schreiben, malen, singen, brüllen und durchaus auch mal schlagen und merken nicht und wollen nicht wahr haben, dass sie ihren angeblichen Zielen völlig konträr agieren.

Wir kennen sie, Polit-Möllemänner, die Superkünstler mit Rechtschreib- und Grammatikschwächen, die Freidenker gegen freies Denken und Ersatztheologie-Theologen und die neuhistorischen Historiker, die allesamt Bedrohungen nur in Verteidigung der Freiheit dessen sehen, was ihnen ihr Leben, Denken, ihre Politik ermöglicht.

Allen gemeinsam ist, dass historische Fakten keine Rolle spielen. Denn obwohl es objektive Fakten gibt, werden diese geleugnet und durch emotionalisierte Behauptungen ersetzt, die ins israelfeindliche Konzept passen. Am schwerwiegendsten ist das bei den „Neuen Historikern“ – ausgerechnet in Israel! Angeführt ursprünglich von Benny Morris, der sich inzwischen in Teilen von seinem Tun und dem seiner Gesinnungsgenossen distanziert, stellten sie ihr Fachgebiet auf den Kopf, warfen alle fachspezifischen Prinzipien über Bord und erklärten historisch objektive Fakten für irrelevant. Echte Geschichte sei das, was heute über z. B. den Unabhängigkeitskrieg Israels erzählt würde; natürlich nicht von Israelis (abgesehen von passenden Wichtigtuern des Schlages Uri Avnery), sondern rein aus der Perspektive der palästinensischen „Flüchtlinge“. Realität ist, wie diese heute die Geschehnisse von damals sehen – nach 50 Jahren Leben in „Flüchtlingslagern“, Diskriminierung durch ihre „arabischen Brüder“ und arabisch-antisemitischer Propaganda. Wenn man ihr heutiges Reden mit dem vergleicht, was sie in den Jahren nach der Flucht von sich gegeben haben, wird das ganze Ausmaß des neuhistorischen Wahns erkennbar; denn es gab eine Zeit, in der die „palästinensischen“ Flüchtlinge sehr wohl wussten, wer die Schuld an ihrem Schicksal trägt. Muss jetzt davon ausgegangen werden, dass Geschichte im Nachhinein veränderbar ist und dadurch Falsches zu Richtigem und umgekehrt wird? Nichts anderes legen die „Neuen Historiker“ nahe, die heute den Staat Israel zu einem historischen Unrechtsstaat erklären. Wie genau sie es mit der Wahrheit nehmen und wes Geistes Kind sie sind, zeigt Professor Pappnase Ilan von der Universität Haifa, der sich aufregt, dass einem seiner Schützlinge per Gerichtsbeschluss ein akademischer Titel wieder entzogen wurde, weil er in seiner Arbeit nicht nur historische Fakten für unhistorisch erklärte (was im Rahmen der akademischen wie der Meinungsfreiheit noch völlig legitim wäre), sondern die Transkription von Interviews mit arabischen Flüchtlingen zusätzlich fälschte, um das zu bekommen, was er haben wollte, diese ihm aber nicht hatten liefern können: wie grausam und massenmörderisch und verbrecherisch alles war, was die Israelis in ihrem Kampf gegen die Vernichtung durch die arabischen Armeen alles bis ausschließlich getan haben sollten.

Solche Unwissenschaft ist Wasser auf die Mühlen derer, die moderne Legendenbildung vom Westen her betreiben. Da wird von „Ureinwohnern“ (vom Konzept her als „edle Wilde“ anzusehen, die als Primitive nichts Böses kannten bzw. kennen) ausgegangen, die von den Juden enteignet und vertrieben wurden. Weltweite Legitimierung bekam diese Legende spätestens beim Besuch von Bill Clinton im Nahen Osten, bei dem er verkündete, die Israelis hätten vergessen und müssten sich wieder erinnern und anerkennen, dass in dem Land, das sie in Besitz nahmen, schon Leute waren. Das haben die Israelis nie vergessen; sie haben ihnen ihr Land nicht weggenommen. Und was die „Ureinwohner“ angeht, so hat Joan Peters in ihrer Studie „From Time Immemorial“ wie niemand sonst sich die Arbeit gemacht, die Abläufe in „Palästina“ von zu Ende gehenden ottomanischen Herrschaft über die Zeit des britischen Völkerbund-Mandats und die Gründung Israels bis über das Ende des dritten Viertels des 20. Jahrhunderts hinaus anhand des Studiums von Originalquellen zu erschließen. (Also genau das, was die historischen Pappnasen zu tun ablehnen!) Sie stellte fest, dass die arabisch-muslimische Bevölkerung einer ständigen, massiven Fluktuation unterlag – die heutigen „Palästinenser“ zu einem unerheblichen Teil erst in den 20-er und 30-er Jahren illegal und von den Briten ungehindert ins Mandatsgebiet einwanderten. Ihrer Studie hatte sie eigentlich begonnen um nachzuweisen, welches Unrecht den Palästinensern getan wurde, von den Engländern, von den Israelis und vielleicht ein bisschen von den Arabern – und kam zu dem Ergebnis, dass die Juden/Israelis die Opfer sind. Das Buch wird verrissen, Peters verunglimpft und mit Kübeln von Dreck beworfen – nur Fakten bringen die Herrschaften gegen sie nicht ins Feld.

Womit wir beim nächsten Punkt der gängigen Behandlung des Nahost-Konflikts durch die Schlagwort-Rezitierer angelangt sind: Fakten. Eine ehrliche Diskussion würde sich auf die Fakten konzentrieren und die möglichen unterschiedlichen Interpretationen zur Diskussion stellen – hier die Vertreter der pro-israelischen Seite, dort die der antiisraelischen. Und man könnte sich entscheiden, welche Seite die besseren Argumente hat, die Fakten richtiger darstellt und ihre Sache überzeugender vertritt. Das wird aber nicht zugelassen. Die pro-palästinensische Seite geht auf Fakten und Argumente nicht ein. Und wenn man einen jüdischen Historiker hat, der gegen Israel zu Felde zieht, dann braucht man keine Fakten mehr. Benny Morris hat ja „nachgewiesen“, was man glauben will. Damit wird Fiktion zum Fakt und wer etwas anderes sagt, der ist ein Rassist.

Richtig putzig wird es dann, wenn diese Mischpoche ausgerechnet behauptet für die Rede- und Meinungsfreiheit einzutreten; natürlich kombiniert mit der Behauptung, die Verteidiger der israelischen Position wollten genau das Gegenteil. Letzteres gehört spätestens seit Fallschirm-Mölle zum Standard-Repertoire der Palli-Kumpels. Der hatte den Nerv zu behaupten, es sei nicht erlaubt Israel zu kritisieren. Diesen Unsinn machte er salonfähig und er ist das heutige Mantra aller ihre antisemitische Grundzüge leugnenden Palästina-Aktivisten, gerade erst wieder für den Chef der (bundes-)deutschen Freidenker dokumentiert. Dass die Tatsache, dass sie diese Meinung „ungestraft“ äußern können, schon der Beweis des Gegenteils ihrer Behauptung ist, fällt diesen Gurken nicht einmal auf! Dass sie andererseits jeden öffentlichen Auftritt eines ihnen nicht genehmen Menschen verhindern wollen spricht aus ihrer Sicht FÜR (!) die Meinungsfreiheit. Das erinnert mich an die Aussage eines meiner Oberstufenlehrer, der nach einem Schulstreich über unseren Schulleiter sagte: „Der Herr XXX kann Spaß vertragen, aber DAS geht zu weit!“ – und das nach jedem Spaß (oder manchmal auch „Spaß“) sagen konnte, der in der Schule getrieben wurde. Anderen den Mund zu verbieten und damit für die Meinungsfreiheit einzutreten, das kann nur jemand, der ein ganz besonderes Monopol auf die Wahrheit hat. Wobei es DIE Wahrheit ja nach seiner Auffassung auch nicht gibt – aber die Wahrheiten der Israel-Aktivisten dürfen keine solchen sein. Und mit Begriffen wie Rassisten, Völkermord-Befürworter und anderen Nettigkeiten betitelt, die alle darauf abzielen, sie zu Verbrechern zu machen.

Was ja vom Vokabular her ganz neue Dimensionen eröffnet. Da ein nicht geringer Anteil der für Israel eintretenden Personen auch den Islam in seiner terroristischen Ausprägung für gefährlich hält, wird das gerne als Beleg für die Diskriminierung von Muslimen und weil das von der Härte noch nicht ausreicht als gegen diese gerichteten Rassismus angeführt. Rassismus ist ein viel besseres Totschlag-Argument, denn dann gibt es unzählige Möglichkeiten für noch so weit hergeholte Vergleiche. Da werden die Israelis – und mit ihnen die, die für sie eintreten – zu den neuen Buren und Nazis und übertreffen gleich noch alles, was diese je getrieben haben. Das Perfide daran ist, dass sie weder Gaskammern noch Homelands dafür brauchen, die schaffen das ohne!

Wie man allerdings Rassismus gegen eine Religion verüben kann, ist eine begriffliche Überdrehung, die kein Wörterbuch mitmacht. Richtet sich doch der Begriff „Rasse“ an unterschiedliches Aussehen und unterschiedliche ethnische Herkunft, die nichts mit der Religion zu tun hat. Außer vielleicht – und da kommt das wahre Gesicht der fröhlichen Begriffsstutzer zum Tragen – bei den Juden. Die sind ja per Definition (von außen, nicht ihrer eigenen!) immer schon eine Ethnie gewesen, die sich von allen anderen absetzte, sich für etwas Besseres hielt und hält und sich andere Ethnien zunutze machen und nach ihrer Pfeife springen lassen will. Dass heute Israelis aller Hautfarben-Schattierungen zu finden sind, dass sie Juden, Muslime, Christen, Bahai, Agnostiker und was sonst alles sind, dass innerhalb des Judentums Menschen aus Europa und dem arabischen Raum genauso vertreten sind wie solche von Ostasien bis Schwarzafrika, das ficht die „Rassismus“-Brüller nicht an. Auch nicht, dass mit dieser Art von Argumentation eigentlich nichts anderes geschieht, als einen eigenen Rassismus zu offenbaren, der sich gegen die Juden richtet; zumindest die in Israel, aber ganz schnell auch gegen die darüber hinaus, wenn die nicht noch schlimmer gegen Israel hetzen als unsere „Verteidiger“ der demokratischen Freiheit und Rechte. Rassismus gegen Muslime geht nicht – es ginge gegen Türken, Araber, Inder, Iraner, Amerikaner, Deutsche, Russen, was weiß ich.

Eine Religion ist keine Rasse. Das begreifen die Begriffsstutzer nicht. Sie definieren sich ihre Schlagworte so um, wie sie sie propagandistisch brauchen können. Und werfen sie mit einer Vehemenz und einem Hass den anders Denkenden entgegen, die Ihresgleichen suchen. So werden dann aus friedlichen Demonstranten, die für das Existenzrecht Israels und gegen seine Vernichtung durch arabische und muslimische Terroristen und ihre Hintermänner schon „Mörder“ – so wurden wir jedenfalls von „Frieden für Palästina“-Gegendemonstranten beschimpft, als wir im letzen Sommer schweigend durch Köln zogen. Da brachten rund 50 Leute es fertig den Verkehrslärm zu übertönen und auch sonst jede Geräuschkulisse unhörbar zu machen, nur mit diesem einen Wort, das über eine Viertelstunde gebrüllt wurde, dass man Angst um die Stimmbänder der Schreihälse haben musste. Dass von den Demonstranten nur ein sehr geringer Teil je eine Waffe in der Hand gehalten hat – und das wahrscheinlich Umständebedingt im Wehrdienst in der Bundeswehr – spielt da keine Rolle. Wer für etwas eintritt, was den Hanseln nicht passt, bekommt schon einen passenden Titel verpasst, ob der nun wörterbuchdefinitorisch passt oder nicht. Der Meinung zu sein, dass Juden sich nicht einfach abschlachten lassen sollen, ist spätestens seit dem Sommer 2006 Mord.

Angesichts der Verdrehtheit der Behauptungen dieser Verständnisbringer der Terroristen muss man sich fragen, was in ihnen vorgeht. Da sie standfest behaupten, diejenigen, die ihrer Meinung widersprechen, würden im Stile eines McCarthy Andersdenkende verfolgen und mundtot machen, Rassismus betreiben, Schwächere terrorisieren, einen Terrorstaat rechtfertigen und Völkermord befürworten, während in Wirklichkeit ihr ganzes Reden und Handeln zeigt, dass sie es sind, die all das tun und befürworten; und da sie durch kein Argument und kein Wort davon abbringen kann, dass das so ist; kann man davon ausgehen, dass sie den ganzen Müll wirklich und ehrlich glauben. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist so sinnlos wie dem Ayatollah im Iran zu sagen, dass Jesus kein Prophet des Islam war oder einem Nazi, dass es keine Herrenrasse gibt. Das ist eine religiöse Inbrunst, die selten zu finden ist. Und im Gegensatz zu vielen Begriffsverdrehern der Bolschewisten dämmert es ihnen nicht einmal, dass sie vielleicht doch irgendwo nicht Recht haben könnten. Sie sind absolut faktenresistent und je mehr man ihnen ihre Fehler aufzeigt, desto heftiger glauben sie, dass stimmt, was sie meinen.

Man kann nur hoffen, dass es noch viele gibt, die dem noch nicht verfallen sind. Um solche Leute nicht den pöbelnden Begriffsstutzern in die Arme laufen zu lassen, müssen wir weiter Fakten aufzählen, Lügen richtig stellen und Eddioten als solche aufzeigen. Egal, ob sie zur akademischen Elite gehören wie die Kasselaner Universitäts-Friedensbewegten, zur politischen wie Möllemann oder Lafontaine, zur außerakademischen geistigen oder was sich dafür hält wie ein portalbetreibender Superkünstler oder ein die Feder schwingender Schnurrbartträger, zur journalistischen wie die Supermänner und –frauen der taz oder mit einem Namen hausieren gehen, für den sie nichts können, den sie aber weidlich für ihre gehässigen Feldzüge benutzen wie die Berufstochter eines ehemaligen Vorsitzenden des ZdJ. Bei solchen Aufzählungen fragt man sich, welche Bedeutung bzw. Stutzung eigentlich der Begriff der „Elite“ bekommen hat und ob man einer Elite angehören mag.

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