Friedensrisiko Carter

Die beste Option für Frieden ist vielleicht eine, die vor dreißig Jahren angeboten wurde, als am 9. März 1977 Präsident Jimmy Carter sagte: „Anerkannte Grenzen müssen von beiden Seiten anerkannt sein… wo über Souveränität beidseitige Übereinstimmung herrscht. Verteidungslinien können diesen rechtlichen Grenzen entsprechen oder nicht. Es mag vielleicht Erweiterungen der israelischen Verteidigung über die permanenten und anerkannten Grenzen geben.“ Anders als die Sichtweise in Palestine: Peace Not Apartheid war Carter damals genau, maßvoll und praktsich.

So endet der Artikel von Kenneth W. Stein im Middle East Quarterly über das neueste Buch von Jimmy Carter, für den er rund 25 Jahre ein treuer Weggefährte war und dessen Organisation, das Carter Center, er wegen diesem Buch verließ.

Stein beschreibt Carter nicht aus feindseliger Sicht. Er ist enttäuscht, durfte aber angesichts seiner Erfahrungen insbesondere der letzten 10 Jahre und der von ihm festgestellten Entwicklung Carters kaum überrascht gewesen sein. Er versucht neutral und mit geistigem Abstand darzustellen, wer Jimmy Carter heute ist, wer er war, was sich verändert hat und wo er derselbe geblieben ist. Dabei drückt er sich sehr zurückhaltend aus.

In klare Worte übersetzt, sagt Stein: Carter ist ein vor Selbstüberschätzung strotzender Mensch, der glaubt, er allein habe die Intelligenz, die Gabe und die Fähigkeit den Nahostkonflikt zu lösen. Nach ihm gab es niemanden, der zu irgendeinem sinnvollen Umgang mit dem Nahost-Konflikt in der Lage war. Alles, was ihm persönlich in Sachen Nahost nicht gelungen ist, lastet er Menachem Begin an, insbesondere seine Wahlniederlage gegen Ronald Reagan, die ihm die Möglichkeit nahm den Konflikt zwischen Israel und den Arabern zu lösen. Wer ihm widerspricht, ist ein Nichts, ein Ignorant, ein Ahnungsloser – so sagt er es jedem Journalisten, der ihn im Interview auf „Unstimmigkeiten“ (falsche Angaben bis glatte Lügen) in seinem neuen Buch aufmerksam macht: „Es ist offensichtlich, dass Sie mein Buch nicht gelesen haben.“

Vor allem der Hass auf Begin zerfrisst Carter bis heute und lässt ihn seine antiisraelische Haltung immer stärker vertreten. Denn dieser starrsinnige und böswillige Israeli hat ganz alleine dafür gesorgt, dass Carter nur Patron des Friedensschlusses mit Ägypten war, aber keine umfassende Lösung für den Nahen Osten erreichen konnte; und gleichzeitig eine sture israelische Politik zementierte, die bis heute dafür sorgt, dass die Palästinenser von Israel als Untermenschen wie die Tiere behandelt werden. Dabei ignoriert Carter alles, was gegen Arafat oder sonstige arabische wie palästinensische Führungspersönlichkeiten spricht. Die singuläre Ursache für alles Übel im Nahen Osten und im persönlichen Leben Carters ab 1977 ist Menachem Begin. Dessen Geist verfolgt ihn über dessen Tod hinaus und lässt ihn nicht los.

Und so dreht sich der Ex-Präsident alles so, wie er es braucht, ob es nun irgendeinen Halt in der Realität dafür gibt oder nicht.

Was Steins Artikel in Sachen Rückblick besonders interessant macht, sind die Einblicke, die er in Carters Verhalten gibt. Das sind nicht unbedingt neue Dinge; man konnte sie z.T. bereits Anfang der 80-er Jahre nachlesen, sind aber nicht sonderlich bekannt. Mir fiel am Unangenehmsten auf, wie Carter die Verhandlungen zum Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel zu beeinflussen versuchte:

Während den Verhandlungen zwischen Ägypten und Israel versuchten Carter und seine Ratgeber Sadat zu einem abgekarteten Spiel zu bringen: Sie wollten Sadat ermutigen „absichtlich übertriebene“ Forderungen zu stellen. Das Weiße Haus würde dann intervenieren, um Kairo zu „nötigen“ seine Forderungen zurückzuschrauben, wofür Israel Zugeständnisse machen müsste. Der damalige Sicherheitsberater Brzezinski erklärte, dass Washington „maximalen Einfluss geltend machen würde, um Israel dazu zu bewegen sich dem zu beugen“, indem die politische Zukunft der Westbank für zukünftige Verhandlungen auf dem Tisch bliebe [was von Israel zum damaligen Zeitpunkt strikt abgelehnt wurde].

Carter riskierte also das Scheitern des Friedensschlusses zwischen Ägypten und Israel, um Begin zu mehr Zugeständnissen zu erpressen. Ein Glück, dass sich Sadat darauf nicht einließ!

Muss man sich wundern, dass Begin sehr empfindlich darauf reagierte, als er das nur wenige Jahre später in Büchern der Kabinettsmitglieder Carters las? Es bestätigte Begin, was er von Carter vorher schon dachte.

Gleiches gilt für Aussagen des ersten Carter-Buches über den Nahen Osten, The Blood of Abraham. Stein machte seinen Chef darauf aufmerksam, dass eine Aussage über Begin schlichtweg falsch war. Der schrieb, „wollte die israelischen Grenzen auf beide Seiten des Jordan ausdehnen“. Das war für Begins Sicht vor Israels Unabhängigkeit 1948 richtig, gehörte aber nach 29 Jahren Knesset-Mitgliedschaft schon lange nicht mehr zu seinen Anliegen. Carter lehnte es ab den Fehler zu korrigieren.

Im Vergleich zu den Falschheiten und Lügen in seinem jüngsten Machwerk war das harmlos. Dort schert er sich nicht mehr um Fakten, sondern erfindet sich seine Wirklichkeit und spielt den Terroristen in die Hände. Er nutzt seine Stellung als ehemaliger US-Präsident und Friedensnobelpreisträger, um Israel niederzumachen und seine eigene Fantasiewelt zur Realität zu erklären. Frieden? Den gibt es bei Carter nur, wenn die Terroristen alles bekommen, was sie wollen. In der typischen Manier der „israelfreundlichen“ Terrorhelfer missachtet er dabei, dass er alles bringt, nur keinen Frieden – nämlich die Vernichtung Israels.

Mit welcher Perfidität er schon als US-Präsident versucht hat Israel zu erpressen, das hat mich denn allerdings doch überrascht.

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