Die Lehren aus DEM Krieg

 

„Nie wieder!“, rufen sie immer, wenn sie auf die Straße gehen. Immer dann, wenn sie den Amerikanern oder den Israelis vorwerfen können, diese würden Krieg wollen. Oder wenn diese einen solchen führen. Nicht, wenn ein Saddam sein Nachbarland überfällt, sudanesische oder andere Mordbanden Völkermord betreiben (wie war das mit Ruanda?), rote Diktatoren ihr Volk knechten und den Nachbarstaaten mit Atombomben drohen, ein netter kleiner Mann etwas von „Israel von der Landkarte wischen“ erzählt. Und schon gar nicht, wenn Terroristen durch die Lande ziehen und so viele Zivilisten wie möglich umbringen und verstümmeln.

„Nie wieder!“ ist das Mantra geworden, das Europa eint. Wenn schon sonst nichts, hier sind wir echte Europäer, weil wir zusammen gegen jemanden sein können.

Aber was heißt dieses „Nie wieder!“ in Deutschland eigentlich wirklich?

Zu dieser Frage hat sich Thomas von den Osten-Sacken auf Wadinet so seine Gedanken gemacht. Auslöser waren die typischen Äußerungen zweier Ärzte in sozialer Verantwortung, die zwar teilweise schon ein wenig zurückliegen, aber immer noch aktuell vertreten werden. Dazu kommen Äußerungen des SPD-Mannes Jürgen Müller. Beide haben eines gemeinsam: „Nie wieder!“ gilt vor allem für die Kriegsschäden auf der eigenen Seite, den eigenen Gefallenen und vor allem: Das deutsche Volk hat die unsagbaren Leiden, die Krieg und Bombenterror für alle Völker mit sich bringen, selbst erfahren. Dem schiebt Müller zwar noch hinterher, dass „deutsche Soldaten auf fremdem Boden töten oder ihr Leben verlieren“; natürlich ist es ohne jedes Wenn und Aber, das mit dem fremden Boden und dem Leben verlieren, eine Verteidigung darf nur hier auf unserem Boden statt finden – so das denn überhaupt Aufgabe der Soldaten ist und nicht der Polizei… Aber das zeigt nur weiter die verknickte Optik der Erinnerung an DEN Krieg, den Hitler begann und der von deutscher Seite mit aller Unerbittlichkeit besonders im „Osten“ geführt wurde. Das „Nie wieder!“ gilt dem eigenen Leiden, den verlorenen eigenen Soldaten – nicht dem, das anderen zugefügt wurde.

Diese schiefe und heuchlerische Perspektive dient als Grundlage für alles, was man anderen vorwerfen will. Es dient als Evangelium dafür, dass man mit hehren Worten Leute stoppen will, die sich einen Sch…dreck darum kümmern, was man ihnen erzählt. Aus der Geschichte gelernt haben sie nicht wirklich: Sie schauen lediglich auf das, was von 1940-45 vom Himmel fiel, die Vorgeschichte ist uninteressant (so weit man sie nicht selektiv für die eigenen politischen Süppchen nutzen kann). Und so kommen deutsche Ärzte zu dem Schluss, dass es falsch ist Böses zu bekämpfen, weil Kämpfen an sich böse ist. Auch Kämpfe zur Verteidigung der eigenen Existenz. Denn die ist – siehe Israel – nur eingebildet bedroht, egal, was die Völkermord-Aspiranten alles sagen und womit sie drohen.

So kann man sich dann zwar über Adolfinedschads „von der Landkarte wischen“-Äußerung empören, aber nicht richtig, sondern über die Amerikaner herfallen, weil die eine militärische „Lösung“ nicht ausschließen wollen. Wie gesagt: Nichts gelernt, weil die Geschichte vor September 1939 nicht weiter berücksichtigt wird: Hitler wollte den Krieg und er hat ihn sich geschaffen. Entgegen der ganzen beschwichtigenden Worte von Chamberlain und Daladier, auch Mussolinis. Heute ist das ja alles anders. Wir haben einen „kritischen Dialog“ mit dem Iran, da kann nichts passieren. Der Typ mit dem Bart will nicht wirklich, was er da verkündet, er will nur Gerechtigkeit für die Palästinenser. Und mit Atombomben werfen will er schon gar nicht. Jetzt lasst uns hingehen und gute Geschäfte mit ihm machen, damit er unseren guten Willen sieht und von seinen möglicherweise doch vorhandenen Plänen ablenkt. Geld löst alle Probleme.

Na ja, die der Finanzierung des nächsten Holocaust.

Vielleicht ist es aber auch so, dass die „Nie wieder!“-Demonstranten mit ihrer Fixierung auf das deutsche Leid in Folge alliierter Terrorbombardements auch nur der Meinung sind: Dieser Terror darf nicht wieder passieren. Also ergeben wir uns den Terroristen vorbeugend. Wir lassen ihnen ihren Willen. Dann gibt es zwar auch Tote und Verletzte, aber nur in kleinen Dosen und nur bei denen, die es verdienen, weil sie sich widersetzen wollen. Wir sind vorgebeugte Dhimmis, weil wir nicht wollen, dass es mehr Opfer als nötig gibt. Und wenn wir schön kuschen, dann opfern wir nur die, die uns ohnehin unangenehm sind und los werden wollen. Wir leben dann in Ruhe, zwar unfrei und mit einem Damoklesschwert über dem Kopf, aber immer noch besser als sehenden Auges Opfer zu riskieren, zu denen wir selbst gehören könnten. Und wahrscheinlich ist es doch sowieso zu spät. Schließlich haben die Amerikaner die Extremisten gezüchtet, aufhalten können wir sie nicht mehr. Nur mit Waffengewalt. Und die lehnen wir ab, weil wir mit der Waffe in der Hand ziemlich sicher Opfer zu beklagen haben werden. Als Dhimmis haben wir bessere Chancen zu überleben. Freiheit? Was nutzt uns Freiheit, wenn wir tot sind? Prinzipien und Werte? Wozu denn dafür kämpfen? Da könnte uns ja was bei passieren. Dann haben wir wieder „Dresden“. Und „Dresden“ gehört zum „Nie wieder!“

Also verteufeln wir alle und jeden, die für ihre Freiheit zu kämpfen bereit sind. Die (Amerikaner und Israelis) sind die Bösen, die Ursache allen Übels. Die haben die Extremisten geschaffen, weil sie ihnen die Mittel gegeben haben (macht nichts, dass der Iran alles aus Europa und Russland hat; oder der Irak vornehmlich von Frankreich und Deutschland beliefert wurde…). Die Amerikaner (und Israelis) sind diejenigen, die die Extremisten jetzt provozieren, weil sie ihnen das Handwerk legen wollen. Das ist unmenschlich. Es gibt nichts Böses – außer Amerika.

Und so schreitet das „Nie wieder!“ auf der Straße nicht gegen das Unrecht, das Tyrannen und Massenmörder samt ihren Kohorten in Somalia oder dem Sudan oder dem Irak oder sonst wo verbreiten, sondern gegen die, die dieses Unrecht mit mehr bekämpfen wollen als den sich seit Jahrzehnten als nutzlos erweisenden Mittel der hehren, hohlen Worte und des Geldes. Aber moralisch macht uns das überlegen, zu den besseren Menschen. Denen, die einzig darüber entscheiden dürfen, was gut und was böse ist. Denen, die das „Nie wieder!“ gepachtet haben, wie es ihnen passt. Denen, die jeden nicht als bösartig darstellen dürfen oder können, sondern die Verpflichtung dazu haben, die den so hinstellen müssen, der das Böse bekämpfen und sich ihm nicht unterwerfen will.

Es gab eine Zeit, da hieß es: Lieber rot als tot. Heute ist es nicht anders, die Tradition setzt sich fort, nur mit einem Farbwechsel: Lieber unterm Steinzeit-Halbmond als eventuell unter’m Grabstein. Gelernt haben sie nichts. Besagtes „Rot“ ist durch standhaftes Verhalten (nicht zu letzt das von Ronald Reagan, dem „Schauspieler“ auf dem Präsidentenstuhl) nicht mehr da. Das haben sie den Amis nicht vergeben. Deshalb muss gegen die neue Gefahr wieder so agiert werden wie gegen die rote. Wobei dann vorsichtshalber die braune Suppe als einzige bekämpfenswerte Gefahr da stehen muss, damit man nicht ganz so stur und ideologisiert da steht. Und je länger DER Krieg her ist, desto stärker wird Hitler bekämpft und der Opfer gedacht – und immer mehr der deutschen Opfer.

Wir haben ja unsere Vergangenheit aufgearbeitet. Die können wir jetzt hinter uns lassen und uns voll und ausschließlich darauf konzentrieren, was die anderen gemacht haben.

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