Unsere ‚Moonbats‘

„Moonbats“ (Mond-Fledermäuse*) ist ein Begriff, der sich bei konservativen Bloggern und Autoren in den USA so langsam für die einbürgert, die entgegen aller Fakten ihre eigene Wunschvorstellung der Realität zur Wirklichkeit erheben, Verschwörungstheorien basteln, sie verbreiten und zur allein gültigen Weltsicht erhoben wissen wollen. Solche Typen aufzuzählen würde zu lange dauern, weil die allmählich zu einer unübersichtlich großen Gruppe werden. Einer gehört aber seit Jahren dazu: Jimmy Carter, Vorzeige-Antiisrael-Baptist, Versager-Präsident und Hetz-Unwahrheiten-Buchautor.

Genau diese Spezies homo sapiens gibt es in Europa auch zur Genüge, wenn sie nicht sogar mehr als Deutlich die Mehrheit stellt. Darunter gibt es organisierte Gruppen, die sich die Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben haben, aber nur allzu gerne eines dabei vergessen: das Recht real lebender Juden des Nahen Ostens ein sicheres Leben zu führen und sich gegen die zu verteidigen, die sie ausrotten wollen. Statt dessen werden die Terroristen zu Opfern und Freiheitskämpfern erklärt, die Israelis zu den neuen Nazis und Maßnahmen zur Vernichtung des jüdischen Staates gefordert, die natürlich alle nur zum Erhalt desselben dienen sollen.

Ein Prachtexemplar dieser Denkungs- und Redeart ist ein Trupp, den Rupert Neudeck gründete, als ihm die Flüchtlinge in Asien und sonst wo nicht ausgingen, sondern nicht mehr genug Öffentlichkeit brachten und er sich eine neue Organisation aufbaute, die er mit Hilfe von Stellungnahmen zu eigentlich gar nicht im Programm stehenden Nahostfragen werbewirksam in die Öffentlichkeit zu heben versucht: die „Grünhelme“. Die Helme, die die beteiligten Herrschaften sich aufsetzen, sind offenbar dazu gemacht, nicht nur Augen und Ohren zu verdecken, sondern auch noch ein paar Bretter vor den Kopf zu nageln, zumindest wenn es um Israelis und Palästinenser geht. Und so nimmt es nicht Wunder, wenn auf der Heimseite dieser Gutmenschen-Blindlinge Jimmy („nur ich kann Frieden machen“) Carter hoch gelobt und sein neues Hetzwerk gegen Israel über den grünen (!) Klee gelobt wird. Lord Helmchen höchstselbst stellt fest, dass das Buch nicht einseitig sein kann, denn „es ist das Buch des neben Nelson Mandela vielleicht wirkungsvollsten Politischen Friedensmoderators, den unsere Zeit kennt“. Wenn das mal kein einzigartiges Argument ist (äh: Wo hat er für Frieden gesorgt? Camp David war eine Initiative von Sadat und Begin! Ansonsten?). Der Mann muss unfehlbar sein! Von sich selbst glaubt er es ja schon, jetzt bekommt er es von einer (ehemals berechtigterweise) hohen moralischen Privatinstanz der Bundesrepublik Deutschland bestätigt.

Der nächste Satz ist herrlich, heißt es darin doch (ich nehme die umständlichen Verschachtelungen drumherum mal raus): „Er hat zu viel geleistet, als dass er jetzt auf das Urteil seiner eigenen Augen und der von Rosalynn, seiner Frau und zumeist auch der Wahl- Beobachter setzen kann“. Ha, das ist gut: Der Mann kann sich nicht auf seine Augen verlassen! Gut, hat man aus der Größe seiner Handschrift bei der Note an Rabbi Hier schließen können. Nur, worauf verlässt er sich denn dann? Auf die Zuträger seiner Propagandisten-Kumpels in den Lagern der Terroristen und Despoten (Fidel Castro, Hugo Chavez, Assad Vater, Assad Sohn usw.)? Jimmy Carter hat es also nicht mehr nötig, sich selbst zu informieren! Wunderbar, jetzt wissen wir Bescheid. Dumm nur, dass Neudeck das auch noch positiv meint und nicht merkt, was er da von sich gibt! (Allerdings würde Selbstinformation bei Dhimmi Jimmy wohl genauso wenig nutzen.)

“Er beschreibt die ganzen 40 Jahre Tragödie, die es für ein Volk geben kann, wenn es sich so lange einer Besatzung unterwerfen muss.“ – Ja, das ist wirklich ein Dingen, das man einfach nur aus der einen Perspektive sehen darf. Die 60 Jahre Terror gegen Israel, die von den Arabern angestrengten Vernichtungskriege und der taktische Wechsel nach dem „Sieg“ der Ägypter und Syrer im Oktober 1973 sind nicht der Rede wert, wenn sie denn überhaupt existieren. Die Rückzüge der Israelis aus in aufgezwungenen Krieg eroberten Gebieten zählen nicht als Beispiel für israelisches Wohlverhalten, Nachgeben, Friedensbereitschaft. Die nicht wahrgenommenen Möglichkeiten der Palästinenser einen eigenen Staat zu bekommen muss man im Reich der Fantasie verorten, nicht wahr? „Nie wieder Krieg“ gilt für alle – außer für die Terroristen des Nahen und Mittleren Ostens. Für die gilt das Gegenteil: Krieg bis zum Endsieg! Vor allem gegen Zivilisten!

“Das ist schon ein Lektüre-Erlebnis, denn dieser Politiker belässt es nicht mit den Briefings, den Informationen, die ihm an höheren Orten gegeben werden. Er muss die Verhältnisse auch am Ort sehen.“ Ja, das ist gut (hat er nicht weiter oben erst geschrieben, dass Carter es nicht mehr nötig hat die Augen selbst aufzumachen – also sich selbst vor Ort zu informieren?). Dummerweise hat aber die Zuverlässigkeit Carters in der Schilderung seines Erlebens vor Ort mächtig gelitten, wie seine ehemalige rechte Hand bei Besuchen im Nahen Osten recht ausführlich und deutlich schildern kann. Oder deutlicher gesagt: Carter erzählt Sachen, die schlichtweg nicht stimmen. Für Herrn Neudeck kein Problem. Der Erdnussfarmer ist über alle Zweifel erhaben. Trotz oder gerade wegen der Rücktritte von Weggefährten, die ihm ein Vierteljahrhundert oder noch etwas mehr die Treue gehalten haben?

“Immer wieder hat er den „Chairman“, den Chef der Palästinensischen Autoritätsbehörde [das ist gut: verordnet diese Behörde Autorität oder was?], Jassir Arafat gesprochen. Immer wieder hat ihn Carter eingeschworen, er müsse die Presse freilassen. Schon unter dem ersten Präsidenten Bush gab es mehr Fortschritte als dann zwanzig Jahre später. So zitiert Carter den damaligen Außenminister James Baker, der das Bedürfnis spürte, die Spannungen im Nahen Osten und mit Palästina endlich zu lösen im Nahen Osten.“ Das macht das ganze Ausmaß der Probleme Neudecks deutlich: Er kann nicht einmal rechnen: 2007 minus 1991 gleich 20! Das macht jeder halbwegs mit dem Zahlensystem vertraute Grundschüler besser. Hat der Mann nicht wenigstens einen Taschenrechner?
Na ja, müßig, darüber zu sinnieren, das Problem liegt woanders: Bush Vater und vor allem sein Außenminister Baker waren Israel alles andere als wohl gesonnen. Insbesondere Baker hat sich immer wieder durch feindselige Äußerungen hervorgetan. Mit anderen Worten: Neudeck führt – über den Umweg des Carter-Machwerks – einen Mann als Zeugen für die Richtigkeit der eigenen und der Carter’schen Haltung an, der erwiesenermaßen den Feinden Israels in den Hintern kriecht und gerade erst im letzten Jahr bewiesen hat, dass er nicht nur grundlegende Fakten ausspart, wenn es um seine „Lösung“ des Nahostkonflikts geht, sondern auch wissentlich faktenfreie Zusammenhänge herstellt.

Weiterhin fällt auf, dass Lord Helmchen zwar anführt, dass Carter Arafat „immer wieder eingeschworen“ hat – aber wie Erdnuss-Jimmy selbst vergisst er zu erwähnen, dass das mitnichten zum Erfolg beim Vater des modernen Terrors führte. Nun ja, das sind unwichtige Details, die man übergehen sollte. Sonst stimmt das Bild nicht, das man zeichnen will.

Am Ende der Seite, auf die ich nicht verlinken mag, steht ein Link mit dem Text: „Wieviel ist Ihnen die Arbeit der Grünhelme wert?“
In der Selbstdarstellung kann man Sätze wie den folgenden lesen: “Wenn ein Militärchef hunderte von Dörfern und Häusern ermordet, geht man darüberhinweg, als sei das nur eine Pleite oder ein Fehler.“ (Inhaltliche wie rechtschriftliche Fehler unverändert.)
Wenn ich das sehe, dann würde ich sagen: So gesehen ist mir deren Arbeit einiges wert: Sie grenzt nicht mehr nur an geistige Körperverletzung, also wären Zahlungen der Grünhelme als Schmerzensgeld an jeden Leser angemessen.

* Der Begriff entstammt einer Zeitungsente, die die New York Sun im Jahr 1835 verbrochen hatte und in der behauptet wurde ein britischer Wissenschaftler habe mit Hilfe eines von ihm entwickelten Fernrohrs fledermausartige Wesen auf dem Mond entdeckt.

 

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