Spinner unter sich

Einmal mehr wird in einer ganzen Reihe von Staaten eine „Israel-Apartheid-Woche“ veranstaltet. Mit diesen „Feiern“ wollen die Veranstalter die Idee zementieren und den Leuten einbläuen, dass Israel Apartheid gegenüber den Palästinensern betreibe.

Das Dollste ist eigentlich, dass es dafür immer genug israelische Akademiker, Künstler, Schriftsteller, Denker usw. gibt, die meinen, sie müssten den Wahn unterstützen. In London sind dieses Jahr auch wieder einige Typen dieser Sorte am Werk. Bezeichnend ist, wo sie politisch stehen und was sie für Ansichten verbreiten:

Einer davon ist Yaitzhak Laor, Dichter, Bühnenautor und Journalist für New Left Review, der z. B. „Europäischer Rassismus und sein Spiegelbild: israelische Apartheid“ thematisiert. In einem Artikel vom letzten August meinte er die IDF als Terroristen bezeichnen zu müssen. 2002 schrieb er für den Palestinian Monitor über die Unbarmherzigkeit der IDF, die man vor dem Hintergrund der zweifachen Niederlage im Libanon (1985, 2000) sehen müsse – sie sei dort nach Jahren eines von ihr betriebenen schmutzigen Krieges von dort vertrieben worden, habe den Südlibanon verbrannt und zerstört von Artillerie und einer Luftwaffe hinterlassen, gegen die keine Terrorgruppe habe kämpfen können. Und doch hätten 300 Partisanen – „sollte ich sie wirklich Terroristen nennen?“ – die Armee zweimal vertrieben, wofür die Generäle, die den gegenwärtigen Krieg (gegen die Palästinenser) führten, diese jetzt bezahlen ließen.

Ein weiterer Geistesgroßer ist Filmemacher Eyal Sivan, der in Paris lebt und in Sderot am Sapir College lehrte. Er redet gerne über die „Bildung von zweierlei Maß durch kulturelle Repräsentation: Zionismus, die israelischen Medien und die Rationalisierung rassistischen Bewusstseins“. Von Alain Finkielkraut wurde Sivan als „jüdischer Antisemit“ bezeichnet; in einem Radiointerview beschrieb Finkielkraut ihn als „einen der Akteure des heutigen, besonders harten und Furcht erregenden jüdischen Antisemitismus“ und wies ihn heftig wegen der im Film Route 181 hergestellten Verbindung von Israels Umgang mit den Palästinensern und dem Holocaust zurecht. Sivan verklagte Finkielstein wegen Verleumdung, das Gericht wies die Klage aber ab.

Oder Amnon Raz-Krakotzkin, Dozent für jüdische Geschichte an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beer Sheva, der von „De-Arabisierung des Landes und De-Arabisierung der Juden“ redet. Er ist für eine Ein-Staaten-Lösung und sagte vor zwei Jahren in Berlin: „Wir brauchen eine neue Vision, eine Vision der Koexistenz, die das Konzept der Trennung ersetzen muss. Wir müssen gegen den Apartheid-Zustand kämpfen, der Stück für Stück eingeführt wurde. Eine binationale Vision kann auf verschiedene Weise und in verschiedenen Schritten in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Aber das ist die einzige Option für beide Völker.“ Daneben schwadroniert er gerne über „kritische Analyse der zionistischen Wahrnehmung von Geschichte und der messianisch-theologischen und kolonial-orientalistischen Dimension, die dem zionistischen Mythos inne wohnt. Er will zeigen, „wie das zionistische historische Bewusstsein sich auf Unterdrückung und die Ausradierung der Geschichte“ gründet – der Geschichte des Landes und besonders der Nakba [Katastrophe, Bezeichnung der Araber für das Geschehen von 1948, die Gründung des Staates Israel], dem Transfer von Hunderttausenden Palästinenser 1948, aber auch den verschiedenen Geschichten der Juden.

Diese Geistesgroßen haben viel gemein. In erster Linie ignorieren sie völlig, was von der arabischen Seite in Sachen Israel kommt – die versuchten Vernichtungskriege von 1948, 1967, 1973 beispielsweise und die beharrliche Weigerung die jüdische Präsenz zwischen Jordan und Mittelmeer in irgendeiner Weise anzuerkennen genauso wie die Pogrome, die ab 1921 schon gegen Juden in „Palästina“ verübt wurden. Der Faktor Araber/Palästinenser kommt bei ihnen nur in der Opferrolle, höchstens als Reagierende, nie als aktiv vorgehende Komponente vor. Und während es die Juden bösartiges Handeln gepachtet haben, ist auf arabischer Seite ausschließlich „Verzweiflung“ Motiv.

Daneben werden weitere Fakten schlicht ignoriert, die die Apartheids-Vergleiche ad absudrum führen. Jeder arabisch-muslimische Knesset-Abgeordente ist der lebende Gegenbeweis, so sehr diese selbst auch das Apartheids-„Argument“ anführen mögen. Jeder Druse oder Beduine in der israelischen Armee straft die Apartheids-Behauptung Lügen. Jeder muslimische Diplomat, jeder äthiopische Jude und jeder arabische Israeli im öffentlichen Dienst zeigen auf, wie unsinnig die Behauptung ist.

Das ist aber für die Apartheids-Verkünder noch nie ein Grund gewesen ihren Blödsinn zu überdenken. Eher im Gegenteil. Dazu kommt aber im Falle solcher „Israel-Apartheid-Wochen“ ein weiterer Gesichtspunkt, den die jüdischen Antisemiten nicht bedenken wollen oder bewusst in Kauf nehmen. Und der betrifft nicht die Juden in Israel, sondern die in der Diaspora. So sagt Jon Benjamin, Mitglied des Board of Deputies of British Jews:

Eindeutig gibt es israelischen Akademiker und Aktivisten, die einen wertvollen Beitrag zur politischen Debatte in Israel leisten, aber den Fehler machen, ihre Argumente in Foren zu exportieren, wo ihre Kommentare unbeabsichtigte Folgen haben können… Es gibt weitere, die entweder rücksichtslos sind oder denen es gleichgültig ist, welche Folgen ihre Ansichten außerhalb von Israel haben. Denen, die sich um die Zukunft aller Israelis welchen Glaubens auch immer Sorgen machen, möchte ich einfach sagen: Passt auf, wie euer Reden benutzt werden kann – es sind wir, die Scherben einsammeln müssen, nachdem ihr wieder weg seid.“

Einige denken nicht drüber nach. Andere haben das Ziel diese Scherben zu verursachen und zu hinterlassen. Die oben beschriebenen Herrschaften gehören wohl zur zweiten Kategorie. Sie bedienen alles, was Antiisrael-Hetzer, Antisemiten, Terrorhelfer und -rechtfertiger und geistige wie politische Brandstifter brauchen.

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