Die spinnen, die Spinner

Es ist manchmal unglaublich, wie viele es zu geben scheint, denen man unterstellen muss, dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Da gibt es den israelischen Historiker, Spezialist für mittelalterliche jüdische Geschichte in Italien, der ein Buch geschrieben hat, das von einem Ritualmord an einem christlichen Jungen erzählt. Es sieht so aus, dass der Professor glaubt, dieser Ritualmord habe tatsächlich stattgefunden – und seine Erkenntnisse auf die unter Folter erpressten „Geständnisse“ der angeklagten Juden stützt. Auf die Idee muss man erst einmal kommen! Damit sind die rund 100 Jahre vorher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aufgekommenen Legenden um die mit christlichem Blut gebackenen Matzen zu Pessah, die solche Ritualmord-Vorwürfe erst gängig machten, dann wohl auch als historische Wahrheit bestätigt.

Der Zentralrat der Muslime ist beleidigt und empört sich – weil im Düsseldorfer Karnevalszug ein Selbstmordattentäter-Motivwagen zu sehen war, den man bei Gideon Böss’ Fuchsbau oder auch bei Politically Incorrect bewundern kann. Was will der Mann? Der sieht wieder gleich den ganzen Islam denunziert. Wie wäre es, wenn er mal dazu beiträgt, dass solche Leute wie die dargestellten, endlich ins Abseits gedrängt werden?
Bei dem Wagen ging es nicht um den Islam, sondern ausschließlich um die Selbstmordattentäter, wie der Wagenbauer bestätigte. Dass diese Teil des gelebten Islam sind, kann auch der ZMD nicht leugnen. Und mit Beleidigtsein ist das nicht zu ändern. Es spricht lediglich dafür, dass der ZMD ein Problem unter den Teppich kehren will, damit er sich nicht damit auseinandersetzen muss.
Sein Generalsekretär sieht in dem Wagen eine „Provokation um der Provokation willen“. Nun, wenigstens hat er begriffen, was der Karneval so macht. Und hat sich nie beschwert, wenn Politiker und Kirchen dasselbe Schicksal erlitten.

Zeise hat ’ne Meise: Die Financial Times Deutschland lässt einen Typen abdrucken, der allen Ernstes behauptet: Zum Bild gehört auch, dass die Bush-Regierung sich nicht scheut, neue Fronten zu eröffnen. Sie ermunterte die äthiopische Regierung mit Worten und Waffenlieferungen dazu, in das Nachbarland Somalia einzumarschieren und die dortige Regierung zu verjagen, deren Verbrechen darin bestand, sich als islamisch zu bezeichnen.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da ist ein Trupp Islamisten unterwegs, vertreibt die Regierung, führt die Talibanisierung Somalias ein und dehnt seine Mordzüge ins angrenzende Ausland aus – und der Herr von der FTD erklärt die Mordbande zur legalen Regierung und macht die zu den Terroristen, die sich dagegen wehren. Antiamerikanismus pur, würde ich sagen. Der Mann sucht sich seine Scheinfakten zusammen und dreht und wendet sie so lange, bis er sich sein Bushhasserbild draus basteln kann. Und den Müll verbreitet sein Revolverblatt mit dem seriösen Titel dann auch noch bundesweit. Weil’s so schön auf Redaktionslinie liegt, wenn man Statler folgt.

Als nächstes haben wir da die Saudis „up in arms“ sind, weil ein randständiger holländischer Parlamentarier meinte, die Muslime sollten die Hälfte der Seiten aus dem Koran reißen und wegwerfen und sich negativ über den Propheten der Religion des Friedens äußerte. Zu der Aussage kann man ja stehen, wie man will. Die niederländische Regierung ist nicht gerade begeistert, macht aber die Saudis auch darauf aufmerksam, dass der Mann das Recht hat seine Meinung zu äußern.
Wäre auch noch schöner, wenn ausgerechnet die Leute, bei denen selbst eine Bibel in persönlichem Besitz strafrechtlich geahndet werden oder wo man seine Bibel bei der Einreise in den Reißwolf wandern sehen kann, sich darüber aufregen, dass andere ihnen sagen, was sie seiner Meinung nach mit ihrem heiligen Buch tun können.

Kreuze sind auch so eine Sache, die in der präventiv muslimischen Bedenken behördlich vorgebeugt werden „muss“ – so in Amsterdam (Bericht schon von März 2006, aber offenbar immer noch aktuell). Dort stand seit dem Zweiten Weltkrieg ein weißes Kreuz als Erinnerung an die Toten dieses Krieges. Es wurde vorläufig entfernt, damit die Bauarbeiten für eine Moschee ungehindert stattfinden konnten. Die Stadtverwaltung wollte es nach Abschluss nicht wieder aufstellen – für Muslime und Juden sei das Kreuz beleidigend. Man wollte ein „neutrales“ Denkmal bauen (für 50.000 Euro).
Wie gesagt: voraus Gehorsam gegenüber radikalen Muslimen, denn Muslime hatten allerdings gefordert, dass das Kreuz verschwunden bleibt (obwohl es zuerst da war und nicht sie mit ihrer Moschee). Die jüdische Gemeinde allerdings verwahrt sich dagegen, das Kreuz weg haben zu wollen; ganz im Gegenteil: die sind entsetzt, dass die Behörden gegenüber diesen ungeheuerlichen Forderungen nachgeben wollen.

Ähnlich bescheuert ein College in den USA namens „William & Mary“ – also offensichtlich katholisch. Dort gibt es die Wren-Kapelle, in der seit den 1930-er Jahren ein ca. 60cm großes Goldkreuz auf dem Altar stand, das gelegentlich – wenn das z. B. von Hochzeitsgesellschaften gewünscht wurde – entfernt und wieder hingestellt. Das wird jetzt nicht mehr so sein – der neue Präsident des Colleges hat entschieden, dass das Kreuz ganz entfernt wird. Ohne irgendwen zu fragen. Allem Anschein nach geht das auf das Konto seiner Frau, die schon lange alles (christlich!) Religiöse aus der Öffentlichkeit entfernt sehen will und in ihren Ambitionen an einer anderen Universität nur durch ein Gerichtsurteil gestoppt werden konnte. Diese Mühe wollten sie sich bei „William & Mary“ nicht machen und stimmten im Nachhinein der Entfernung zu, obwohl es von alles Seiten harscheste Kritik hagelte.
Dafür gab es dann Mitte Februar am College eine „Kunst-Show von Sexarbeitern“, die aus Studiengebühren bezahlt wurde. Zu den „Sexarbeiterinnen“ und ihre Arbeitsgegenständen samt ihrer Show meinte der Herr Präsident: „Ich mag diese Art von Shows nicht und mir gefällt nicht, dass sie hier statt findet. Aber es ist nicht Praxis von Universitäten Veranstaltungen zu zensieren oder abzusagen, nur weil sie kontrovers sind.“ Aha. Aber nicht kontroverse Gegenstände wie das Wren Chapel Cross, die sind gefälligst zu zensieren – durch Beseitigung ohne Konsultationen.

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