Freiheit. Freiheit! Freiheit?

Das ist das, was die Palästinenser immer zu fordern vorgeben. Das ist das, was die Terroristen-Versteher und –Unterstützer immer fordern, wenn sie Israel verunglimpfen.

Nun ist Freiheit ein Anliegen, das völlig legitim und ehrenwert ist. Die Frage ist aber gelegentlich, ob man jeden Freiheitskampf zu unterstützen verpflichtet ist. Oder anders gesagt: Bringt, was als Freiheitskampf ausgegeben wird, immer Freiheit?

Im früheren Rhodesien und heutigen Zimbabwe waren alle dafür und das war – damals und lange Jahre nachher – auch gut so. Heute fragt sich, ob man Robert Mugabe wirklich hätte an die Macht helfen sollen. Im Irak waren sie alle nicht wirklich böse, dass Saddam nicht mehr an der Macht ist, aber die Befreiung vom Schlächter haben nur wenige unterstützen wollen. Heute jammern sie, es wäre „damals“ alles besser gewesen für die Iraker (nur die Iraker selbst sehen das größtenteils anders, neben den Amerikanern und Briten).

Bei den Palästinensern sind sich alle völlig sicher: Wenn die erst ihre Freiheit haben, dann wird alles gut. Wie gut, na ja, das zeigen sie immer wieder da, wo sie das Sagen haben. Und dann sieht das Bild schon wieder fraglich aus. Welche Freiheit soll da eingeführt werden? Die der Herrschenden oder „militanter“ Gruppen, das Volk zu bevormunden, zu unterdrücken und ihm alles zu verbieten? Soll man das wirklich unterstützen? Wäre es da nicht besser die aktive Rolle aufzugeben, mit der man diese Kräfte unterstützt?

Wie die palästinensische Freiheit aussehen wird, konnte man gerade wieder in einem Artikel in der Ha’aretz von heute lesen, der von Daniela Marcus in Auszügen übersetzt wurde. Bemerkenswert: Die Gewalt geht nicht nur von den Herrschenden aus, sie ist die Norm auch der Menschen untereinander (geworden?).
Mutmaßliches moslemisches Sittendezernat geht gegen Internetcafés und Musikgeschäfte im Gazastreifen vor

KHAN YUNIS – Vor einigen Monaten war eine Nachricht an der Tür des winzigen Musikgeschäftes von Mohammed al-Shaer angebracht. Sie warnte ihn, dass das Verkaufen von Kassetten und CDs populärer arabischer Musik „haram“ –durch den Islam verboten- sei. Al-Shaer schenkte dieser Nachricht keine Beachtung – bis diese Woche eine Bombe vor seinem Geschäft hochging. Palästinensische Sicherheitsbeamte nehmen an, dass dies das Werk eines geheimen Sittendezernats moslemischer Militanter war.

Während der vergangenen Monate wurden etwa drei Dutzend Internetcafés, Musikgeschäfte und sogar Apotheken attackiert. Dabei brachten die Angreifer nachts kleine Bomben vor den Geschäften zur Explosion. Diese verursachten Sachschaden, es gab jedoch keine Verletzten.

Die Bombenserie begann im Oktober und ist selbst im gewalttätigen Gazastreifen, wo in den letzten Monaten mehr als 130 Menschen bei Kämpfen zwischen Hamas und Fatah ums Leben kamen, ein neues Phänomen. Die Angriffe könnten auf eine weitere Ausdehnung von religiösem Extremismus im Gazastreifen hindeuten. (…)

Die Polizei glaubte ursprünglich, die Angriffe seien Teil örtlicher Streitereien unter Geschäftsleuten. Doch zunehmend verdächtigt sie eine organisierte Kampagne religiöser Extremisten. (…) „Wir können nicht genau sagen, wer dahinter steckt, doch die sich wiederholende Methode der Angriffe führt uns zu gewissen Schlussfolgerungen“, sagte Gazas Polizeisprecher Ramzi Shaheen ohne deutlicher zu werden.

In Rafah, das an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten liegt, wurde letzte Woche eine Billardhalle durch eine riesige Bombe zerstört. Besitzer Ramzi Abu Hilao sagte, er habe zuvor keine Warnung erhalten. „Nach dem Bombenanschlag erhielt ich eine geschriebene Nachricht von einer Gruppe, die sich „Die Schwerter der Wahrheit“ nannte. Die Nachricht begann mit einem Vers aus dem Koran und sagte, die Gruppe wolle das schlechte Benehmen der palästinensischen Gesellschaft korrigieren“, sagte Ramzi Abu Hilao. (…)

Im äußerst konservativen Gazastreifen betrachten gläubige Moslems Internetcafés als Sittenverfall weil bekannt ist, dass sich junge Männer dort Pornografie ansehen. Musikgeschäfte könnten ein Ziel sein, weil manche Gläubige fürchten, dass Popmusik vom Gebet abhält. Doch die Angriffe auf Apotheken bleiben ein Mysterium, sagte ein Offizieller.

Befürchtungen eines harten islamischen Vorgehens gegen kulturelle Dinge sind gestiegen seit die islamische Hamas nach dem Sieg bei den Wahlen vor etwa einem Jahr die Regierung übernahm. Am Montag sagten Offizielle des palästinensischen Kultusministeriums, sie hätten eine Sammlung von Volksmärchen aus den Schulbüchereien genommen und 1.500 Bücher zerstört, weil in diesen Geschichten eindeutig eine sexuelle Sprache vorkomme.

Im Gazastreifen ist Unterhaltung und Entertainment streng begrenzt. Es gibt keine Kinos und Theater. Im Internet surfen und Musik hören sind die einzigen Gefühlsventile für junge Menschen. (…)

In den vergangenen Monaten erhielten in Khan Yunis, das im südlichen Gazastreifen liegt, mehrere Musikgeschäfte Warnungen, keine Popmusik zu verkaufen, sagte der 20jährige Khamis Abdeen, dessen Familienbetrieb Modeschmuck, Wäsche und Musikbänder verkauft. Abdeen fügte an, er habe die meisten Bänder und CDs aus den Regalen genommen. Nur einige Bänder mit den aktuellsten Liedern stehen noch dort, weil er hofft, diese schnell zu verkaufen. Zu Beginn des Jahres wurde ein Anschlag auf das Geschäft verübt. Dabei wurde ein Sachschaden von 5.000$ verursacht, sagte er.

Letzten Sonntag wurde ein weiteres Musikgeschäft in Khan Yunis angegriffen. (…) Der 19jährige Besitzer al-Shaer sagte, er habe vor mehreren Monaten eine Warnung erhalten. Diese war mit „Shebab al-Islam“ (islamische Jugend), einer unbekannten Gruppe, unterschrieben. Er ignorierte sie. (…) „Wenn sich diese Leute wirklich um ihre Religion kümmern würden, müssten sie eher das gegenseitige Morden stoppen“, äußerte sich al-Shaer nun ärgerlich.

In Gaza-Stadt sagte der 39jährige Shawki Abdel Karim, er habe bei den 24 Computern in seinem Internetcafé kürzlich den Zugang zu Internetseiten für Erwachsene gesperrt. Doch darüber hinaus kann er kaum etwas tun, um einen Anschlag zu verhindern, obwohl das Café getrennte Räume für Frauen und Männer hat. (…)

„Die Bombenanschläge sind das neuste Zeichen einer Gesellschaft, die dem Druck von sechsjährigen Kämpfen mit Israel, internen Auseinandersetzungen und tief verwurzelter Armut nachgibt“, sagte Anwar Wadi, Psychologe am „Gaza Community Mental Health Center“. „Dies ist eine vergiftete Gesellschaft. Seit Israel sich im Jahr 2005 aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat, kommen versteckte Probleme an die Oberfläche.“

Polizeisprecher Shaheen sagte, das Lösen von Problemen durch gewalttätige Mittel sei zur Norm geworden. „Jeder hat Gewehre. Das Gesetz regiert nicht. Wir haben eine Stufe erreicht, wo ein Held daran gemessen wird, wie weit er das Gesetz brechen kann.“

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