Heuchler mit Kutte

Auch wenn es schon ein paar Tage her ist, die sich windenden Äußerungen aus dem Bischofssitz in Eichstätt sind schlichtweg noch schlechter als schlechter Stil. Den Vergleich von Ramallah mit dem Warschauer Ghetto soll Bischof Hanke jetzt „in einem privaten Gespräch“ von sich gegeben haben. Der Bischof lässt durch seinen Generalvikar verkünden, die Medien hätten ein privates Gespräch, „das aus einer unmittelbaren Betroffenheit heraus entstanden“ ist und „anschließend wie eine offizielle Stellungnahme in den Medien kolportiert wurde“. Das sei ein „unseriöses und unfaires“ Verhalten der Journalisten.

Einmal abgesehen davon, dass das von den Journalisten bestritten wird, weil die Äußerung vor laufenden und eifrig mitschreibenden Pressevertretern fiel: Welchen Unterschied macht es, ob diese Worte „privat“ oder „öffentlich“ fielen? Ist die unterirdische „Fehleinschätzung“ dadurch weniger kritisierbar, dass sie „privat“ gemacht wurde? Ist sie weniger unanständig?

Die Äußerung an sich, auch wenn sie „aus einer unmittelbaren Betroffenheit heraus entstanden ist“, spricht Bände über den Mann selbst: Er hat keine Ahnung, aber die verbreitet er kräftig und mit Verve, so schwachsinnig sie auch ist – oder vielleicht, weil sie so idiotisch ist. Der Bischof lässt alle terroristischen Hintergründe aus, ignoriert, was von palästinensischer Seite an Ursachen für die Zustände besteht und setzt voraus, dass die Israelis in böswilliger, diskriminierender Absicht handeln. Geschichtliche Zusammenhänge scheinen auch alles andere als eine Stärke des Bischofs zu sein. Und mit dieser Ignoranz und Unkenntnis kommt eine Äußerung zustande, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Aber „unfair und unseriös“ soll jetzt nur die Presse sein. Was will man damit erreichen? Kann das mehr sein als ein Ablenkungsmanöver?

Ich selbst lasse ja meistens kein sonderlich gutes Haar an der Presse. In diesem Fall muss sie in Schutz genommen werden. Sie hat berichtet, was der Bischof gesagt hat. Sie hat seinen unsäglichen Vergleich wieder gegeben. Er wurde aus keinem Zusammenhang gerissen. Er wurde in keinen falschen Zusammenhang gestellt. Der Bischof hat geredet. Jetzt die Presse zu beschimpfen ist heuchlerisch. Egal, wie „privat“ er geredet haben will, er hat es gesagt – in der vollen Kenntnis der Gegenwart der Mikrofone, Ohren und Stifte der Journalisten: Er hat das gesagt und das ist mehr als kritikwürdig. Wenn er diese Kritik nicht ertragen kann und die Mimose spielt, zeigt es nur, was für ein Mensch er ist. Einer, der nicht zu dem steht, was er tut und die Verantwortung für sein Tun anderen zuschieben will. Für einen Bischof der katholischen Kirche alles andere als ein angemessenes Verhalten: pure Heuchelei.

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