History – Schwachsinn des Monats

… oder nur der Woche? Die Sendung ZDF-History über den Kalten Krieg mit dem Thema (Atom-) U-Boote fiel an einer Stelle mit einer bemerkenswerten Einordnung auf (sinngemäß zitiert):

Man (gemeint sind Ronald Reagan und die Amerikaner) wollte das Abschreckungspotenzial zugunsten der USA verändern. Deshalb stationierte man Mittelstreckenraketen.

Ja, das war doch wirklich ein Ding. Es hatte ja überhaupt keinen Grund gegeben, dass die Pershings stationiert wurden. Gab es die SS-20? Ach, die paar sowjetischen Raketen! Die waren doch reine Selbstverteidigung der UdSSR! Von Übergewicht der Sowjets kann überhaupt keine Rede sein, die wollten keinem ein Haar krümmen! Die Aufrüstung der NATO war doch wirklich nur überheblicher Imperialismus! Die armen Sowjets!

Kurz darauf der Vorwurf: Die USA wollten den Kalten Krieg nicht mehr nur überleben, sie wollte ihn gewinnen.

Was den Sowjets ja nie in den Sinn gekommen wäre! Die haben sich seit 1945 immer nur gegen die amerikanische und sonstige westliche Aggression zu verteidigen versucht. Gewinnen wollten die nie! Und Hegemonie über Westeuropa erst recht nicht!

Was ist übrigens daran so verwerflich, dass man eine Auseinandersetzung, die Krieg genannt wird, gewinnen will (wollte)? Aber nein, nach heutiger Denkungsart ist es einfach verwerflich Kriege gewinnen zu wollen (außer die gegen Amerikaner, denn denen will ja keiner was, aber die wollen allen anderen an den Kragen).
Noch etwas später in der Sendung soll dann das vor Karlskrona auf Grund gelaufene Sowjet-U-Boot von den Amerikanern mit elektronischen Tricks dorthin gelockt worden sein: Angeblich hätten US-Militärs dem sowjetischen Kapitän vorgaukeln können er habe genug Wasser unter dem Kiel. Das wird zwar durch die Aussage eines der beiden an Bord befindlichen Kapitäne der Roten Marine widerlegt, aber Zweifel werden doch gesät, dass in irgendeiner Weise amerikanische Tricks dabei geholfen haben – wie sonst hätten alle Navigationsgeräte und -möglichkeiten des U-Boots ausfallen können? (Mit Fakten wird das übrigens nicht untermauert, nur mit „Schlussfolgerungen“ eines „Experten“; da der Amerikaner ist, muss es aber stimmen.) Und überhaupt haben die Engländer und Amerikaner sich genauso heftig an Schwedens Küsten getummelt, um der Bevölkerung dort zu suggerieren, dass eine sowjetische Bedrohung und Invasion vorhanden seien.

Während Letzteres durchaus möglich ist, sind die übrigen Verdächtigungen eher in die Kategorie Verschwörungstheorien einzuordnen. Darüber hinaus nimmt man den Amerikanern jegliches Handeln übel, das man den Sowjets eher als normal und ggf. als geschicktes Manövrieren durchgehen lässt. (Schließlich waren die nicht so kriegslüstern wie die schießwütigen und geheimniskrämerischen Amerikaner, die nur auf Konfrontation aus waren.)

Insgesamt ist die von mir früher recht geschätzte Geschichtssendung inzwischen offenbar auf das Niveau abgesunken, das man gemeinhin Medien von sehr zweifelhaftem Ruhm zuordnet. Schade.

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