Eigenes aus der Retorte?

Heute vor 20 Jahren wurde das erste deutsche Retortenbaby geboren, habe ich gerade im WDR2 gehört. Und dann die Auflistung dessen, was andernorts möglich ist, von unserem Embryonenschutzgesetz aber nicht erlaubt ist.

Eine Anmerkung dazu fiel besonders auf: In den USA gibt es ein Mädchen, das 3 Mütter und 2 Väter hat – eine Frau hat das Ei gespendet, ein Mann den Samen, eine weitere Frau hat das Kind ausgetragen und ein kinderloses Ehepaar zieht das Mädchen groß.

Herrliche Verhältnisse, nicht wahr?

Ich habe ein sehr mulmiges Gefühl zu den gesellschaftlichen Grundlagen, die derartiges Handeln zulassen. Die Leute, die unbedingt „ein eigenes Kind“ haben „müssen“, machen mir Sorgen. Wie viel „Eigenes“ hat ein Kind, das mit Hilfe des Spermas eines anderen Mannes oder der Eizelle einer anderen Frau (oder in den bei uns nicht möglichen Extremfällen bis hin zu dem oben angeführten) gezeugt wurde?

Und überhaupt „eigenes“: Wie viel Egoismus herrscht in der Psyche eines Menschen vor, der unbedingt ein „eigenes“ Kind haben muss? Wie viel „Besitzanspruch“ steckt darin?

Ich finde, dass wirklich verantwortliches Handeln anders aussähe. Es gibt derart viele Kinder, die ohne Eltern aufwachsen müssen, dass man seine elterlichen Gefühle besser auf solche verschwenden sollte, statt Kassen klingeln zu lassen, nur weil es möglich ist eine weniger anstrengende Möglichkeit zu nutzen und etwas „Eigenes“ vorweisen zu können. Aber alles giert nach Neugeborenen und die für eine Adoption nötigen Anstrengungen sind anscheinend zu aufwändig. Zu viel Kampf. Heutzutage muss es einfach und zügig gehen. Unannehmlichkeiten sind so kurz wie möglich zu gestalten (!).

Was aus den ursprünglichen Retorten-Möglichkeiten geworden ist, sollte ebenfalls erschrecken: Es gibt eine umfangreiche „Reproduktionsmedizin“, die sich nicht nur auf das Kinderkriegen für kinderlose Paare beschränkt. Da wird nach Geschlecht, genetischen sowie Persönlichkeits- und Aussehensmerkmalen selektiert und nicht Genehmes in den Müll verfrachtet. Sind ja nur Zellhaufen, hat mit Leben nichts zu tun. Und ein Ersatzteillager kann man auch gleich anlegen. Hübsch praktisch, so Embryonen.

Schöne Welt – nur nicht für das gezeugte Leben, das weggeworfen anderweitig verbracht wird…

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