Kirchliche Kampagnenfahrer

Beim Schreiben des ersten Wortes dieser Überschrift unterläuft mir „gerne“ (unabsichtlich) ein Tippfehler: Vertauschung von r und i, so dass aus „kirch…“ „krich…“ wird. Man könnte es in diesem Fall als eine Art freudsche Fehlleistung bezeichnen, wenn auch mit schlechter Rechtschreibung. Vor wem hier gekrochen wird – weiter unten…Hintergrund: Beim Besuch der deutschen lutherischen Bischöfe der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) wurde eine Landkarte der Region bzw. des Landes mit Teilen seiner Nachbarn von den Kirchenvertretern ausgegeben. Auf dieser Karte fehlte die Bezeichnung „Israel“ – der Staat war zwar in seinen 1967-er „Grenzen“ (Waffenstillstandslinien von 1949) eingezeichnet, der Name dieses Staates fehlte. Über diese Tatsache wunderten sich verschiedene Leute, darunter n-tv-Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm.

Die Kirchenleitung reagierte „verschnupft“. Auf n-tv wurde Druck ausgeübt den Artikel von Ulrich Sahm aus dem Netz zu nehmen. Der Sender kam dem nach, stellte allerdings kurz darauf einen neuen Artikel ein, der die Vorwürfe der Kirchenleitung veröffentlichte, dazu nicht erfüllte Versprechen derselben auflistete und eine Reaktion mit Kommentar von Ulrich Sahm dazu setzte. Eingeleitet wurde der Artikel bei n-tv mit folgendem Absatz:

Ein Artikel von Ulrich W. Sahm zu einer Israelkarte ist bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) auf Kritik gestoßen. Wir haben den Bericht zur Landkarte daraufhin vorübergehend offline genommen, um die Fragen zu klären. Nach Rücksprache mit dem Pressesprecher der EKD, Christof Vetter, haben wir uns dann entschlossen, die in einer E-Mail an n-tv enthaltenen Argumente leicht gekürzt hier zu veröffentlichen.

Es spricht Bände, dass ein Nachrichtensender eine solche Einleitung schreibt… (Den Rest bitte unter dem oben eingefügten Link lesen.)

Weiter im Geschehen: Abgesehen von der falschen Anschuldigung, die Kritiker des Handelns der Bischöfe (und besonders Sahm) behaupteten die EKD negiere die Existenz des Staates Israel, verstrickt die Kirchenleitung sich in Widersprüche – man kann auch sagen: Unwahrheiten. Dies wird aus dem deutlich, was Israelnetz und honestlyconcerned.org in ihren Nachrichten-Mails verschickten:

Gegenüber Israelnetz fügte der n-tv-Korrespondent hinzu: „Wie aus Kirchenkreisen in Jerusalem bekannt wurde, die unter keinen Umständen beim Namen genannt werden wollten, stellt sich heraus, dass die Mappe mit der Landkarte nach langen Beratungen in Jerusalem zusammengestellt worden war. Dabei bestanden die palästinensischen Repräsentanten, darunter Bischof Mounib Jounan, darauf, eine Landkarte ohne die Erwähnung ‚Israel‘ zu verwenden. Die deutschen Partner, darunter Propst Gräbe, stimmten dem zu. So erweist sich, dass die EKD durchaus bewusst und auf Druck der palästinensischen Partner bereit war, ‚Israel von der Landkarte zu löschen‘. Das erklärt jetzt auch, wieso für diese deutschsprachige Broschüre keine deutschsprachige Landkarte als Vorlage benutzt wurde, sondern eine englischsprachige. Dieses beweist auch, dass die Broschüre nur in Jerusalem und nicht etwa im Hauptsitz der EKD in Hannover entstanden ist.'“

Vor diesem Hintergrund besteht eindeutig Grund zur Verwunderung über eine Beschwerde, es würde eine „Kampagne gegen die EKD“ gefahren (via HC-Mailing):

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einiger Befremdung nehme ich Ihre Kampagne gegen die Deutsche Evangelische Kirche zur Kenntnis.
Zum Stein des Anstoßes sei gesagt: Es ist üblich, bei Beschreibungen von Ländern auf einer dazugehörigen Landkarte das nämliche Land selbst nicht mehr ausdrücklich zu bezeichnen. Es werden dann nur noch die Nachbarstaaten eingetragen.
Bitte vergleichen Sie hierzu die Landkarte gleichen Zuschnitts anbei von der Internetseite des israelischen Innenministeriums.
Mit Sicherheit stellt weder diese Behörde noch die Evangelische Kirche Deutschlands das Existenzrecht Israels infrage.
Ich schätze Ihre Veröffentlichungen, insbesondere zum Thema Iran. Bitte achten Sie deshalb in Zukunft darauf, durch Kampagnen wir die aktuelle nicht in geistiges Mittelmaß und damit Unglaubwürdigkeit abzurutschen.
Mit freundlichem Gruß, T.R.

Dem entgegnet Ulrich Sahm weitaus überzeugender als der Kirchenvertreter (dieselbe Quelle), vor allem, weil ausführlich und mit Belegen (in den Links):

Sehr geehrter Herr R.,
Mir ist Ihr Brief zugestellt worden. Da Ihr Brief möglicherweise nicht zur Veröffentlichung freigegeben ist, habe ich Ihren Namen vertuscht und auch Ihren Brief (unten) leicht gekürzt, da es um die Sache geht.
Es gibt in der Tat zahllose Landkarten, wo in der Tat der Name drüber steht, oder aus politischen Gründen eben auch weggelassen wurde. Das ist mir wohlbekannt, aber genau deshalb können Karten ein Politikum sein, müssen es aber nicht.
Ich bin Journalist und meine Aufgabe ist es, genau hinzuschauen.

  1. Mir fiel die Karte auf, weil ich geschult bin, auf solche Feinheiten zu achten.
  2. Herr Vetter behauptete zunächst, die Buchstaben seien beim Fotokopieren von der Karte gefallen.
  3. Bischof Huber behauptete heute bei einer Pressekonferenz in Berlin, dass „kein Platz auf der Seite“ gewesen sei, um den Namen Israel einzutragen. Überzeugen Sie sich bitte selber unter EKD.jpg (beigefügt).
  4. Inzwischen hat Vetter gegenüber einem Bekannten von mir gemailt, dass die Karte aus einer „israelischen Internetseite“ entnommen worden sei. Dieses ist der von Vetter gelieferte link. http://www.science.co.il/Israel-Neighbors-map.asp
  5. Nun wurde die Originalkarte der EKD und die Karte von Vetter, die angebliche Quelle, nebenandergestellt: http://flickr.com/photos/neveragain2006/461581348/
  6. Auch wenn Vetter und Huber es dementieren, so weiß ich mit absoluter Sicherheit, dass es doch eine Absprache gegeben hat: Palästinenser hatten eine Karte ohne Israel gefordert und die deutschen EKD Vertreter haben dem zugestimmt haben. Das ist für mich nicht akzeptabel und für viiele andere Menschen auch nicht.

Dies ist keine Kampagne gegen die EKD, sondern die EKD verwickelt sich (siehe den Kartenvergleich) in Widersprüche und Lügen, anstatt sich hinzustellen und einen „Fehler“ einzugestehen. Dann wäre die Geschichte längst aus der Welt . Vetter wollte zudem n-tv zensieren, was eine Ungeheuerlichkeit ist, hielt sich nicht an eine Absprache mit n-tv, mich anzurufen, und verschickt Briefe an Dritte weiter in denen er n-tv der „tendenziösen Berichterstattung“ usw bezichtigt. Es wäre wohl fair, die EKD einer „Kampagne“ zu bezichtigen.
Zudem habe ich in einer Reaktion auf Vetters Beschwerde ausdrücklich geschrieben, dass ich der EKD keineswegs unterstelle, die Existenz Israels in Frage zu stellen. Es darf aber doch wohl erlaubt sein, die EKD eines politischen Faux Pas zu bezichtigen, und es ist deren Problem, wenn die unfähig sind, das einzusehen und sich einfach dafür zu entschuldigen, anstatt fast stündlich die Geschichte mit neuen Absurditäten weiterzudrehen.
http://www.n-tv.de/790512.html
Als ich das [die Antwort im verlinkten Text] geschrieben hatte, ahnte ich noch nicht, dass es keine „Panne“ war sondern Absicht.

Dass der erwähnte Herr Vetter die Diskussion und Auseinandersetzung gegenüber anderen Beschwerdeschreibern als Scheindebatte bezeichnet und weiter behauptet, man werfe der EKD vor die Existenz des Staates Israel zu negieren, spricht für sich. Gegen die EKD-Führung. Für Heuchelei. Für Unwahrheiten seitens der EKD-Leitung.

Die Kirchenleitung kriecht also vor den Palästinensern, versucht das zu vertuschen und bezichtigt andere, deswegen eine unberechtigte Kampagne zu fahren, während sie selbst versucht diese Kritiker an den Pranger zu stellen. Kampagnenfahrer sind in Wahrheit die Bischöfe und ihre Medienleute. Ein weiterer Fall davon, dass jemand anderem vorwirft, was man selbst tut. Erbärmlicher kann sich eine Kirche kaum verhalten.

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