Ich will bomben, eine große Bombe in London, noch einmal. Ich will Jihad machen!

Jihad Watch, 23. April 2007Ed Hussain, ein Muslim aus London, traf als Lehrer in Saudi-Arabien auf Rassismus, sexuelle Heuchelei und weit verbreitete jihadistische Gefühle. In der TIMES stand der hier in Auszügen wiedergegebene Artikel unter dem Titel „Wie ein britischer Jihadist Licht sah“. (Der Artikel lohnt es ganz gelesen zu werden.)

…Viele der afrikanischen Frauen lebten in einer Gegend von Jiddah, die als Karantina bekannt ist, einem Slum voller Armut, Prostitution und Seuchen.

Ein Besuch in Karantina – einer Perversion des Begriffs „Quarantäne“ – war einer der schlimmsten in meinem Leben. Tausende Menschen, die seit Jahrzehnten in Saudi-Arabien leben, allerdings ohne Pässe, wurden von der Regierung als „illegal“ eingestuft und – buchstäblich – unter einer Unterführung im Stich gelassen.

Ich wurde von einem nicht saudischen schwarzen Studenten begleitet, den ich im British Council getroffen hatte. „Letzte Woche hat eine Frau hier ein Kind zur Welt gebracht“, sagte er und zeigte auf eine baufällige Pappbaracke. Verstört erkannte ich, dass die Materialien, die ich diese Frauen hatte tragen sehen, nicht immer zum Verkauf, sondern als Schutz gedacht waren.

Ich hätte nie gedacht in Saudi-Arabien derartige nackte Armut zu finden.

In diesem Augenblick ging mir auf, dass Großbritannien, meine Heimat, tausenden schwarzer Afrikaner aus Somalia und dem Sudan Zuflucht gewährt hatte: Ich hatte sie in Scharen in Whitechapel gesehen. Sie beteten, hatten eigen Moscheen, waren frei und in von der Regierung in ordentlichen Wohnverhältnissen untergebracht.

Viele Muslime erfreuen sich im nicht muslimischen Großbritannien eines besseren Lebensstils als es ihn für sie in Saudi-Arabien gibt. In diesem Moment sehnte ich mich wieder nach Hause.

All mein Gerede von der Ummah schien jetzt so unreif. Nur im Komfort von Großbritannien konnten Islamisten mit so radikal utopischen Slogans auftreten wie „Eine Regierung, ein weiter expandierendes Land, für eine muslimische Nation“. Die rassistische Wirklichkeit der arabischen Psyche würde niemals schwarze und weiße Menschen als gleichwertig akzeptieren…

Rassismus war ein integraler Bestandteil der saudischen Gesellschaft. Meine Schüler benutzten oft das Wort „Nigger“, um Schwarze zu beschreiben. Selbst dunkelhäutige Araber wurden als ihren hellerhäutigen Cousins unterlegen angesehen. Ich lebte im erklärtermaßen muslimischsten Land der Welt, stellte aber fest, dass es alles andere als so war. Ich war abgestoßen davon, wie der Wahhabismus im öffentlichen Leben aufgedrückt wurde, etwas, das ich als Islamist implizit gesucht hatte.

Teil dieser lokalen Kultur bestand darin, dass in öffentlichen Institutionen Geschlechtertrennung herrscht und Frauen das Autofahren verboten wird, weil das „Lasterhaftigkeit“ aufkommen lässt. Ich war wiederholt über die Blicke erstaunt, die Faye von saudischen Männern erhielt und ich von saudischen Frauen.

Faye zog sich nicht unanständig an. Aus Respekt vor den örtlichen Gewohnheiten trug sie die lange, schwarze Abaya und bedeckte das Haar mit einem schwarzen Schal. In all den Jahren, die ich meine Frau kannte, hatte ich sie nie so fade erlebt. Und doch wurde sie zweimal von saudsichen Jugendlichen aus ihren Autos heraus angepöbelt. Bei einer anderen Gelegenheit fuhr ein Mann neben unser Auto und bot ihr seine Telefonnummer an.

In Supermärkten musste ich Faye nur fünf Minuten alleine lassen und saudische Männer fauchten oder flüsterten ihr Obsönitäten zu, wenn sie an ihr vorbei gingen. Als Faye mit einheimischen Frauen im British Council über ihre Erfahrungen sprach, sagten diese: „Willkommen in Saudi-Arabien.“…

Warum hatten der Schleier und die Geschlechtertrennung solch ein Verhalten nicht verhindert? Meine saudischen Bekannten – viele von ihnen mit Universitätsabschluss – argumentierten heftig, das es im Gegenteil der Schleier und andere sozialen Normen waren, die für solch weit verbreitete sexuelle Frustration unter der saudischen Jugend verantwortlich seien…

In meinen islamistischen Tagen erklärten wir mit Behagen, dass AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten das Ergebnis der moralischen Degeneration des Westens sind. Sehr viele Islamisten in Großbritannien verfolgten Prostituierte in der Brick Lane und zitierten vorlaut Scheidungs- und Geburtenraten in Großbritannien. Die Schlussfolgerung war die Überlegenheit der muslimischen Moral. Jetzt war ich mehr als je zuvor überzeugt, dass auch das islamistische Propaganda war, geschaffen um den Westen zu untergraben und dem muslimischen Bewusstsein eine falsche Zuversicht einzuimpfen…

In Mekka, Medina und Jiddah traf ich junge Männer aus Europa mit wütenden Gesichtern, Studenten der verschiedenen wahhabitischen Seminare. Sei erinnerten mich an meine Extremisten-Tage.

Sie waren in Diskussionen freimütig, was ihre Frusterlebnisse in Saudi-Arabien anging. Das Land war nicht genug islamisch; es war von den Lehren des Wahhabismus abgekommen. Sie standen fest an der Seite der Monarchie und der Kleriker, die sie unterstützen. Bald würden sie in den Westen zurückkehren – bewandert in der arabischen Sprache, voll indoktriniert vom Wahhabismus – um Imame in britischen Moscheen zu werden.

Als der Sommer 2005 kam, blieben Faye und mir nur noch acht Wochen in Saudi-Arabien, bevor wir nach London zurückkehren sollten. Donnerstag, der 7. Juli, war der Beginn des saudischen Wochenendes. Faye und ich sollten mit Sultan zu Mittag essen; er war ein saudischer Banker, Finanzberater von vier Ministern der Regierung. Ich wollte in Erfahrung bringen, was er und seine Frau (Fayes Schülerin) vom Leben im Land ihrer Geburt hielten…

[Es ging dann im Gespräch natürlich um die Anschläge in London.]

Mein erster Verdacht war, die Täter könnten Saudis sein. Meine Erfahrungen mit ihnen, ihre Feindseligkeit gegenüber meinen nicht muslimischen Freunden, ihre hasserfüllten Schulbücher ließen mich denken, dass Bin Ladens saudische Soldaten jetzt meine Heimatstadt ins Visier genommen hatten. Es kam mir gar nicht der Gedanke, dass das von Hisb-ut-Tahrir in Großbritannien eingeführte Gerede vom Jihad irgendetwas mit diesen Schrecken zu tun haben könnte…

Die Tatsache, dass jeden Tag in Afrika Hunderte Kinder sterben, hat für den hingegebenen Islamisten keinerlei Bedeutung. In der extremistischen Seele ist die Not der winzigen palästinensischen Nation wichtiger als der Tod Millionen schwarzer Afrikaner. Lass sie sterben, sie sind keine Muslime, ist die unausgesprochene Argumentationsweise. Als Islamist hatte mich nur das Leid von Muslimen zu rühren. Inzwischen spielte menschliches Leid für mich eine Rolle, unabhängig von der Religion…

Sultan sprach positiv von seiner Zeit in London, insbesondere seine Einstellung bei Coutts als Pratikant. Dann kamen wir zu dem mich aktuell am stärksten beschäftigenden Thema, den Terroranschlägen in London. Meinen Gastgeber schien das nicht weiter zu beschäftigen. Er drückte weder wirkliches Mitleid noch Erschrockenheit aus, obwohl er so herzlich von seiner Zeit in London sprach.

“Ich denke sie werden sagen, dass Bin Laden hinter den Anschlägen steckt. Sie haben uns für 9/11 verantwortlich gemacht“, sagte er.

Ich wollte gerne auf seine Bemerkung zurückkommen und fragte ihn: „Aufgrund deiner Ausbildung in saudi-arabischen Schulen: Denkst du, dass es eine Verbindung gibt zwischen der Form des Islam, die Kindern hier gelehrt wird und dem Tun von 15 Saudis am 11. September?“

Ohne nachzudenken, gab er sofort zur Antwort: „Nein. Nein, weil keine Saudis hinter 9/11 steckten. Die Flugzeugentführer waren keine Saudis. Eintausendzweihundertsechsundvierzig Juden waren an diesem Tag nicht auf der Arbeit und es gibt Beweise, dass sie, die Juden, hinter den Morden steckten. Keine Saudis.

Ich hörte zum ersten Mal eine so genaue Zahl abwesender Juden. Ich saß da und dachte über die panarabische Leugnung der Wahrheit nach, der Ablehnung zu akzeptieren, dass die wahhabitische Jihad-Tradition, die in ihrer Mitte gärt, der ganzen Welt Katastrophen zufügt…

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen in London hob ein weiterer saudischer Schüler die Hand und fragte: „Lehrer, wie kann ich nach London kommen?“

“Das hängt zu einem großen Teil von dem Grund ab, aus dem du nach Großbritannien gehen willst. Willst du studieren oder nur als Tourist dort hin?“

“Lehrer, ich will nächsten Monat nach London. Ich will bomben, eine große Bombe in London, noch einmal. Ich will Jihad machen!

“Was?“, rief ich aus. Ein weiterer Schüler hob die Hand und schrie: „Ich auch! Ich auch!“

Weitere Schüler applaudierten denen, die gerade zum Ausdruck gebracht hatten, was viele von ihnen dachten. Ich stand kurz davor zu platzen. Unter Protest verließ ich die johlende und buhende Klasse.

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