Wahrheit, enttäuschte Fans und ‚Gläubige‘

Die härtesten Kritiker, sagen viele Schauspieler, Moderatoren und Schriftsteller, aber auch Politiker, kommt für sie aus dem unmittelbaren Umfeld: Ehefrau/-mann, Kinder, Eltern, Freunde usw. Das mag in vielen Dingen stimmen. Aber es gibt gewaltige Ausnahmen. Denn die härteste Kritik, die, die wirklich weh tut und entlarvt – die kommt von enttäuschten Fans, die hinter die Fassade sehen konnten. Fans, die etwas tolles über ihr Idol erstellen wollten und im Zuge ihrer Arbeit und Recherche herausfanden, dass dieses Idol lügt, betrügt und alles andere ist als das, was die Fans ihn ihm sehen.

Diese aus der Enttäuschung darüber, was sie als Wahrheit herausfinden mussten, entstehende Kritik ist tödlich. Denn sie entkleidet das „Opfer“ dieser Kritik aller herausragenden Merkmale, demontiert das frühere Objekt der Verehrung so gründlich, dass dieses als das miese Stück Dreck da steht, das es ist.

So ergeht es gerade Deutschlands Lieblings-Antiamerikaner-Amerikaner Michael Moore. Was ihm Kritiker schon lange vorwerfen – dass er in seinen „Dokumentarfilmen“ schlichtweg lügt und sich die „Wahrheit“ so hindreht, wie er sie gerne sehen will – hat jetzt ein Fan nicht nur auch herausgefunden, sondern mit derart vielen Fakten und Hintergrundinformationen selbst in einem Film dokumentiert, dass selbst der öffentlich-rechtliche deutsche Rundfunk in Gestalt des ZDF-Kulturmagazins „aspekte“ darauf nur mit der Überschrift „Der große Manipulator“ reagieren konnte.

Die Kanadierin Debbie Melnyk war einer von Moores größten Fans. Sie wollte einen Film zur Verehrung ihres Helden machen. Was sie fand, war ein Heuchler und Lügner, in dessen Machwerken nichts, aber auch gar nichts Wahres zu finden ist. Statt dessen hat er gelogen, dass die Balken sich bis zum Durchbrechen biegen. Die Dokumentation über den Lügner Moore, Manufacturing Dissent, kann man am 5. und am 8. Mai auf dem DOK.FEST München sehen.

Nach allem, was beim ZDF (Link oben) und bei arte zu lesen ist, kann man Moore nicht brutaler und klarer auseinander nehmen, als es Melnyk und ihr Mitstreiter Rick Caine über ihre Dokumentation tun. Die Frage ist: Wird es bleiben? Werden die Leute Moore als das betrachten und behandeln, was er ist? Oder werden sie ihn weiter hofieren, loben, mit Preisen bewerfen und ihm seine unsäglichen Lügen glauben, weil sie so wunderbar in ihr eigenes Bush-/Amerika(feind)bild passen? Wir werden es sehen, wenn Moore Mitte Mai in Cannes sein neuestes (Mach-)Werk „Sicko“ vorstellt.

Es gibt Grund genug anzunehmen, dass die vernichtende Dokumentation Moore nicht sonderlich schaden wird. Denn es gibt andere Beispiele zuhauf, wo ein nicht ins Bild passendes Werk entweder ignoriert oder diffamiert wird. Ein besonders schönes ist eine Dokumentation über die Verhältnisse und die Geschichte des Nahost-Konflikts im 20. Jahrhundert. Es gibt niemanden, der wie Joan Peters die Archive durchkämmt, Dokumente gesichtet und die jeweiligen zeitgenössischen Fakten gesucht und gefunden hat. Sie wollte ein Buch über das Leid der Palästinenser schreiben, eine Anklage Israels. Nach sieben Jahren Recherche, Auswertung und Schreibens kam ein Buch zustande, das eine schallende Ohrfeige für alle ist, die die armen Palästinenser und Araber für ausschließliche Opfer halten, besonders für Opfer der Israelis. Nicht, dass Peters die Israelis kritiklos davon kommen lässt. Da gibt es genug, was sie zu sagen hat. Aber sie zeigt akribisch auf, wie die Briten, die Araber, gerade auch die heute Palästinenser genannten Araber und sonstigen „Spieler“ der internationalen Politik (z.B. die UNO) sich nicht genieren zu lügen, zu betrügen, die Fakten zu verdrehen, umzukehren und Israel und die Juden als Sündenböcke zu benutzen und sämtliche Schuld in die Schuhe zu schieben, die bei den Arabern (und Briten, Sowjets, der UNO usw.) zu suchen wäre. Das gesamte heute gängige Bild des Nahost-Konflikts der aggressiven Israelis und der armen arabischen Opfer dieser Aggression ist eine einzige große Lüge. Peters dokumentiert es, haarklein mit Daten, die keiner widerlegen kann, aber auch keiner zur Kenntnis nehmen will – sie sollen in den Archiven verschollen bleiben, damit sich niemand mit der Wahrheit auseinandersetzen muss.

Statt Fakten zu akzeptieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen wird Peters als Scharlatanin diffamiert. Es wird nicht ein Jota von ihren Daten und Erkenntnissen auch nur angegriffen – das geht schlicht nicht, weil niemand sich die Mühe machen will sie zu überprüfen, um sie zu widerlegen, auch im Wissen, dass sie nicht zu widerlegen sind. Statt sich mit Fakten zu beschäftigen wird hingegangen und pauschal diffamiert – ein mehr als übliches „Spiel“, was den Nahen Osten angeht, das aber auch in den übrigen Bereichen von Politik und Weltanschauung immer weitere Kreise zieht. Und so ist heutzutage zwar Joan Peters’ Dokumentation From Time Immemorial noch zu kaufen (auf Englisch, ins Deutsche wurde sie nie übersetzt – woher sollte der Markt kommen?), aber kaum jemand hat es je gelesen und sich mit den von ihr aufgelisteten Fakten beschäftigt. Sie passen nicht ins (gewünschte) Bild, es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Niemand hat wie sie – die doch eigentlich den Palästinensern Munition liefern wollte – die Lügen so eindeutig und brutal auseinandergenommen, die zum Nahost-Konflikt verbreitet werden. Ein enttäuschter „Fan“.

Ich bin gespannt darauf, wie man mit Michael Moore bzw. Debbie Melnyk umgehen wird. Ich fürchte, es wird so sein wie im Fall Peters. Der Lügner bekommt Lob und Preise und die ihn entlarvende Dokumentation geht unter und landet im Mülleimer der Geschichte – weil nicht sein darf, dass der Held des europäischen Antiamerikanismus ein ausgemachter Fälscher ist, der alles andere tut, nur nicht dokumentieren. Und schon gar nicht die Wahrheit verbreiten.

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