Höhere Bildung für Selbstmord-Bomber

Anna Schecter, The Blotter/ABC News blogs, 25. April 2007
Die spektakulärsten und technisch schwierigsten palästinensischen Selbstmord-Bombenanschläge werden älteren und besser ausgebildeten Bombern aufgetragen, weil für diese eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg besteht. Das zeigt eine neue Studie.

Drei der tödlichsten Selbstmord-Bombenanschläge auf Ziele in Israel, dem Gazastreifen und der Westbank wurden von Bombern ausgeführt, die hohe Bildungsabschlüsse hatten oder anstrebten. Einer hatte ein Jurastudium abgeschlosssen.

Forscher der Harvard University und der RAND Corporation nutzten von der Israeli Security Agency gesammelte Daten, um alle Selbstmord-Bombenanschläge von September 2000 bis August 2005 zu überprüfen; insgesamt waren das 151 Vorfälle, bei denen 515 Menschen getötet und fast 3.500 verletzt wurden.

RAND-Ökonom Claude Berrebi, Mitautor des Berichts, sagte, die Ergebnisse zeigen, wie komplex ein Selbstmord-Bombenanschlag in Wirklichkeit ist. „Der Bomber muss in einem winzigen Moment entscheiden, ob er sich sprengt, sich versteckt oder weiter macht, um ein besseres Ziel zu finden, oder die Sache abbricht. Es gehört viel dazu sich in der Bevölkerung vor Ort zu verstecken, ohne entdeckt zu werden. Dazu gehört viel mehr als ein Außenstehender meint“, sagte Berrebi.

Berrebi und sein Team stuften die Selbstmord-Bomber nach dem angenommenen Wert ihrer Ziele – große Städte und zivile Ziele wertvoller als kleine Städte und militärische Ziele – und der Zahl der getöteten und verwundeten Personen.

Sie stellten fest, dass die fünf am besten gebildeten Bomber sich alle in israelischen Großstädten sprengten und im Schnitt 22,8 Personen pro Anschlag töteten sowie durchschnittlich 88 verwundeten, während die restlichen Bomber im Schnitt drei Personen das Leben nahmen und 25,2 verwundeten.

Bei jüngeren und weniger gut gebildeten Bombern war es wahrscheinlicher, dass sie sich zu früh sprengten, von den Behörden gefasst wurden oder sich entschieden die Mission nicht zu Ende zu führen.

Harvards Wirtschaftsprofessor Effraim Benmelech, der andere Autor der Erkenntnisse der Studie, sagte, er sei von den Ergebnissen nicht überrascht. Er sagte: „Wir als Ökonomen glauben, dass im regulären Arbeitsmarkt Menschen mit mehr Talent, besserer Bildung, in der Regel die anspruchsvolleren Jobs haben. Deshalb sind wir nicht überrascht, dass man die Denkweise des Arbeitsmarktes unglücklicherweise auch auf Selbstmord-Bomber übertragen kann.“

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