Jüdischer Dialüger

Jeder hat einen oder mehrere davon. Was den USA ihre Norman Finkelsteins und Noam Chomskys, sind Israel seine Uri Avnerys und die „neuen Historiker“. Und in Südafrika gibt es halt den „roten Ronnie“ Kasrils, den Geheimdienstminister, der immer meint man könne nicht heftig genug auf Israel eindreschen. Und obwohl er gelegentlich auch mal eins auf den Deckel bekommt, werden wir wohl nicht erleben, dass er daraus etwas lernt.

Und so erntet er zwar derzeit heftige Kritik, aber die ist ihm egal, denn er ist ja im Recht – so sieht er es jedenfalls: Ihm werden Vorwürfe gemacht, weil er den palästinensischen Premierminister Ismail Haniyeh zu seinem ersten Besuch außerhalb der muslimischen Welt eingeladen hat. Es sei „kurzsichtig“ die Gelegenheit zu einem Dialog abzulehnen, meint Herr Kasrils. Man müsse mit allen Seiten reden. „Diejenigen, die kurzsichtig gegen solche Einladungen Einspruch erheben, zeige nur, dass sie nichts aus dem Wandel Südafrikas gelernt haben“, erklärte er. „Solche Logik, wie die ihre, hätte es weder P.W. Botha erlaubt sich mit dem im Gefängnis sitzenden Mandela zu treffen, noch F.W. de Klerk ihn zu entlassen und ihn als Verhandlungspartner zu haben.“

Diese Worte – insbesondere seine Forderung „mit allen Seiten reden zu müssen“ – zeigen die ganze Verlogenheit des Mannes auf. Er war zu Besuch in der Region. Wenn man „mit allen reden“ muss, warum hatte er dann keinen Termin in Jerusalem? Wo ist hier der „Dialog“?

Was er darunter versteht, sagte er schon 2002 in einem erstaunlich bigotten Interview der Al-Ahram:

Ich wurde mehrfach eingeladen Israel zu besuchen und lehnte es wegen dem ab, was Israel den Palästinensern antut.

Es scheint so, als sei der Glaube des Ministers an „Dialog“ etwas eingeschränkter, als er es im Westen so lautstark vorgibt. Er existiert anscheinend nur da, wo er mit den Leuten einer Meinung ist, die mit ihm reden möchten. Wenn sie eine andere Meinung haben als er, dann spricht er nicht mit ihnen.

Aber vielleicht gilt das ja nur für Israel. Was ihn zu einem noch verlogeneren Vertreter von Dialog-Forderungen machen würde.

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