Overstatement der Woche

Es muss nicht immer subtil sein, auch wenn eben das durch die Fotos und die Bildunterschriften gleichzeitig geschieht. Aber die Deutsche Welle braucht’s dazu auch etwas gröber: Israel fliegt Luftangriffe titeln sie am Donnerstag, 17.05.2007.

Das ist die Überschrift für einen Artikel, der nebenher erzählt, wer die meisten palästinensischen Toten verursacht hat: Die Palästinenser. Aber das ist nicht weiter wichtig. Wichtig ist, dass Israel bombt. Staatsterrorismus, der dem Waffenstillstand entgegen steht, wie gleich der fett gedruckte Unterüberschrifts-Absatz vermittelt:

Eigentlich hatten Israel und die Palästinenser eine Waffenruhe vereinbart. Doch jetzt fühlt sich Ministerpräsident Olmert provoziert. Die internen Kämpfe zwischen rivalisierender Hamas und Fatah dauern an.

Man führe sich zu Gemüte: Seit Tagen schlachten sich die Terrorgruppen gegenseitig ab – und „Ministerpräsident Olmert fühlt sich provoziert“. Von den internen Kämpfen, muss man bei dieser Darstellung annehmen. Dazu das Bildchen von qualmenden Häusern mit der Beschriftung „Keiner hält sich an die Waffenruhe“. Aktiv schießend: Israel. Die Terroristen haben nur „interne Kämpfe“ – kein Wort vom Morden.

Der nächste Absatz geht weiter ausführlich auf israelische Bomben ein. Es wird schön genau geschildert, was die Luftwaffe verschießt und welche Wirkung das hat („mindestens 15 Verletzte“, „sechs Hamas-Mitglieder getötet“). Und dann ein kleiner Nachsatz, dass „bei Kämpfen“ „seit Mittwoch mindestens 23 Menschen ums Leben“ kamen. Fällt dem geneigten Leser etwas auf? Von Israel wird aktiv getötet und verletzt; Palästinenser töten keine Palästinenser, sondern da kommen sie ums Leben, passiv und ohne jedes echte Zutun…

In den nächsten beiden Absätzen wird zwar einiges von den internen Kämpfen der Palästinenser beschrieben. Aber danach kommt wieder die ausführliche Schilderung israelischen Tuns: „Vergeltungsmaßnahmen“, gleich zwei Stück, eine Mittwoch, eine Donnerstag. Die dazu gelieferten Zahlen und Angaben über den Raketenbeschuss zeigen die relative Harmlosigkeit und damit die Überreaktion der Israelis. Zehn Raketen sollen es gewesen sein, die ein bisschen Sachschaden an einer leeren Schule anrichteten – im Konjunktiv formuliert, damit die Zweifelhaftigkeit der Angaben auch unterstrichen wird. Die DW-Zahlen sind allerdings mehr als untertrieben. Alleine Dienstag und Mittwoch waren es mindestens 25 Qassams, die für mindestens 21 Verletzte in Israel sorgten. Letztere erwähnt die Deutsche Welle nicht einmal, warum? 15 durch eine israelische Militäraktion verletzte Palästinenser sind der Erwähnung wert, 21 von Qassams verletzte Israels nicht. Der Leser des Beitrags muss meinen, dass die „Vergeltung“ Israels absolut ungerechtfertigt ist. Schließlich ist doch nicht wirklich etwas passiert!

Gewürzt wird das Ganze dann mit Fotos – dem ersten mit den qualmenden palästinensischen Häusern, einem Maskierten mit AK-47 („Erneute Machtkämpfe zwischen Hamas und Fatah“), eine schreiende Frau, die geborgen wird („Folgen einer ‚kleinen Einsatztruppe’ Israels – wieso wirkt der eine Helfer, als hätte er einen Kippa auf dem Kopf?), ein Mann, der die Arme gegen eine Wand lehnt und den Kopf darauf stützt („Bilanz: 50 Tote seit dem Wochenende“).

Über die Platzierung der Bilder darf der Leser die Hauptschuld der Toten Israel zuschreiben, auch wenn der Text das inhaltlich nicht direkt wieder gibt. Das Ausmaß der Beschreibungen des Handelns Israel, das nicht vorhandene Beschreiben der Kämpfe der Terroristen untereinander, die Platzierung des „Kleine Einsatztruppe“-Bildes reichen deutlich, um den gewünschten Effekt zu erzeugen. Dazu hätte es noch nicht einmal des fehl leitenden Anfangs des Berichts bedurft.

Bravo, Deutsche Welle. Ein Bravour- und Lehrstück deutscher Medientätigkeit gegen Israel ist hervorragend gelungen!

Nur, dass man nicht meint, andere Publikationen wären sonderlich besser:

  • Netzzeitung: Gewalt in Nahost eskaliert: Israel fliegt wieder Luftangriffe
  • 20Minuten: Israel schlägt zurück

Es geht auch anders, jedenfalls den Überschriften nach:

Nachtrag: Der WDR fährt eine Art „wenn schon nicht Israel alleine, dann sind beide Seiten gleich Schuld“-Berichterstattung: In den 12 Uhr-Nachrichten vom 18.05. auf WDR2 „schaukelt sich die Gewalt im Gazastreifen weiter hoch“ – weil die Israelis Panzer in den Streifen schicken und die Palästinenser deswegen schießen. Die Aktion der Israelis ist nach Angaben des WDR eine Reaktion auf einen palästinensischen Beschuss Israel in der letzten Nacht – als hätte es die „Schüsse“ der ganzen Woche nicht gegeben. Israel reagiert nur auf ein einzelnes Ereignis – also völlig über – und nicht auf eine lange Kette von Terror. Gut, dass wir wissen, dass die Palästinenser nicht anders können, die Israelis aber wohl. Dank der neutralen Berichterstattung des WDR.

Einen weiteren „Leckerbissen“ – diesmal vom ZDF – hat Weapons of Modern Democracy parat. Da wird Sderot zu einer „israelischen Siedlung“, Selbstverteidigung wird zu „Vergeltung“ und über die „anhaltende Gewalt“ berichtet man so erst, wenn Israel zu den Waffen greift. Das Ganze aber nur über die Fernsehschirme, nicht auf der Internetseite. Methode?

Update, 21.05.07: Dass man von der Linksaußenpresse nichts Brauchbares erwarten kann war klar. Man könnte höchstens noch fragen, ob die taz (PI berichtet darüber) den Ton vorgibt oder sich in diesem Fall nur an die MSM angehängt hat.

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