Ein arroganter Ignorant

Ministerpräsident Ehud Olmert hat gestern, am 18. Mai Sderot besucht. Das ist die israelische Stadt, die tagtäglich vom Gazastreifen aus mit Qassam-Raketen beschossen wird. Die Menschen dort beschweren sich seit Monaten, dass die Regierung (bzw. das Militär, aber das kann ja nur tun, was die Regierung ihm gestattet) nicht genug gegen den Raketenterror unternimmt – wenn sie es überhaupt tut.

Der allseits sehr beliebte Ministerpräsident hatte den Einwohnern von Sderot nun Folgendes zu sagen:

In Jerusalem hatten wir Anschläge, die 150 Menschen innerhalb eines Monats töteten.

Diesen einen Monat sollte man nicht herunterspielen, er war schlimm. Aber was Olmert sich hier leistet, ist letztlich den Menschen von Sderot zu sagen:

Ihr Weicheier, ihr habt gar keinen Grund zu jammern, wir hatten es in Jerusalem viel schlimmer. Ihr habt ja noch nicht einmal eine anständige Zahl Tote zu beklagen!

Geht’s noch?

Kein Wunder, dass Dr. Aaron Lerner von IMRA ihm einiges zu erklären versucht:

Die Terrorwelle, die Jerusalem erfuhr, war schwierig und belastend, aber es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zum Wohnen in einer Stadt, die Terroranschlägen ausgesetzt ist und einer Gemeinde, die Opfer ungezielten Raketenfeuers ist.

Selbst auf der Höhe der Terroranschläge waren diese auf öffentliche Orte beschränkt und konzentrierten sich selbst dabei auf bestimmte Orte. Die Einwohner konnten sich entscheiden, in welchem Maß sie sich dem Terror aussetzten, indem sie ihre Zeitpläne und Gewohnheiten änderten. In wie weit sie den Anschlägen ausgesetzt waren, ließ sich durch Raum und Zeit beschränken.

In scharfem Gegensatz dazu ist die Bedrohung durch die Qassams völlig willkürlich. Man kann von einem direkten Treffer getötet werden, während man in seinem Wohnzimmer sitzt und fern sieht.

Herrn Olmerts Bemerkung deutet darauf hin, dass er keine Wertschätzung dafür hat, wie hart es ist, der „Raketen-Lotterie“ ausgesetzt zu sein.

Das mag wenigstens zum Teil erklären helfen, was man großzügig als unbekümmerte Haltung gegenüber der Bedrohung durch die Raketenangriffe bezeichnen könnte, die Kennzeichen der Regierungspolitik ist.

Dem möchte ich noch hinzufügen: Es ist ein deutlicher Unterschied, ob man in einer Stadt lebt, in der es inzwischen nur noch gelegentlich zu Anschlägen kommt, weil die Sicherheitsvorkehrungen ausreichen, oder in einer Stadt, in der es seit Monaten (im Grunde genommen seit Jahren, spätestens seit Sommer 2005) ohne bemerkenswerte Unterbrechung ständig knallt und man sich dem nicht entziehen kann.

Ehud Olmert ist ein arroganter Ignorant, der menschenverachtend mit den Sorgen, Ängsten,Nöten und der Bedrohung seiner Bürger umgeht. Und wenn die Arbeitspartei nicht so feige wäre (und aufhören würde die Koalition zu stützen), gäbe es diesen Ministerpräsidenten nicht mehr. Was für Israel deutlich besser wäre.

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