Amnesty Unhinged

…also so ziemlich ohne jeden Halt, völlig frei schwebend, ohne jede Bodenverbindung – mit einem anderen Wort: verrückt.

Nicht anders kann man die „Umfrage“ bewerten, die Amnesty International USA auf ihrer Frontseite anbot (Bericht bei Little Green Footballs): Gefragt wurde nach dem schlimmsten Menschenrechtsverletzer. Zur Auswahl standen Darth Vader (aus „Star Wars“), Hobgoblin (aus „Spider Man“) und der US-amerikanische Vizepräsident Dick Chaney. Dazu noch ein nettes Plakat-Bildchen mit dem Schriftzug Axis of Evil?! und einem leicht stilisierten Porträt des Amerikaners.

Wenn man „abstimmte“, folgte nach Angaben von LGF dies:

Scherz beiseite: Die US-Regierung, einst als Strahl der Hoffnung und Gerechtigkeit wahrgenommen, führt die Welt nicht länger in Sachen Menschenrechten an.
Die Zählung der Fälle von US-Folter, der Nutzung geheimer Gefängnisse, Geistergefangener und unbegrenzte und verfassungswidriger Gefangenschaft in Guantánamo stellt die Entschiedenheit der in Frage, mit der die USA gegen Folter kämpft und das internationale Recht befolgt. Den USA fehlt die Glaubwürdigkeit, die nötig ist, um die Menschenrechte im Ausland zu verbessern.
Durch die Verletzung einiger internationaler Gesetze untergraben die USA alles internationale Recht und verbreitet in anderen Ländern die Vorstellung, dass es akzeptabel ist aus „Sicherheitsgründen“ einige Gesetze zu ignorieren.
Lesen Sie Amnestys Jahresbericht und erfahren Sie mehr über Rechtsverletzungen 2006. Finden Sie heraus, was Sie tun können, um die Menschenrechtslage in den USA und andernorts im Jahr 2007 zu verbessern.

„Scherz“ beiseite? Gut: Keine Scherze, ganz offen, ja?

Es gab Zeiten, da habt ihr Irren von AI euch für unschuldig Verfolgte eingesetzt. Die habt ihr bei Leuten gefunden, die die Menschenrechte mit Füßen getreten haben. Heute verlangt ihr Hilfe für Typen, gegen die ihr früher gekämpft hättet!

Tun wir mal so, als hättet ihr mit den Vorwürfen gegen die USA Recht und als seien die friedfertigen Unschuldslämmer in Guantánamo keine illegalen Kämpfer, die ohne die Menschlichkeit der USA einfach standrechtlich erschossen worden wären, wie sonst der Fall war. Tun wir auch mal so, als würden für Terroristen, die sich einen Scheißdreck um Genfer Konventionen kümmern, diese Konventionen doch gelten und als sei Guantánamo das Schreckenslager, für das AI es ausgibt – selbst dann bleibt noch der Vorwurf zu diskutieren, die USA seien ein schlechtes Vorbild und gäben anderen Ländern den Vorwand „internationales Recht zu untergraben“ und sich nicht an Menschenrechte zu halten. Welche Länder wären das wohl? Es wären genau die Länder bzw. Tyrannen, für die internationales Recht und Menschenrechte nur da sind, sie zu unterlaufen und sie anderen vorzuhalten. Die husten allen ohnehin etwas, von daher ist die Argumentation mehr als schwach – sie ist Unsinn.

Hättet ihr Dödel wenigstens ein paar andere Menschenrechtsverletzer angeführt, dann wäre der Spaß wirklich interessant geworden – und mit Vorbildern wie Fidel Castro, Robert Mugabe, Muammar Gaddafi oder Hugo Chavez im Wettstreit hätten wir wenigstens ein wenig Entlarvung erleben können. Aber so viel Fantasie habt ihr ja nicht.

Getoppt hat das – wie hätte es anders sein können – eure Chefin, Irene Khan. Der australische Premierminister „Howard ist wie Mugabe“?

„Begründet“ wird das von der Irren damit: Premierminister Howard schüre Ängste, die die Welt spalten Er stelle Asyl Suchende als Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. Australien spielt eine schlechte Rolle im Krieg gegen den Terror und in der Behandlung weiblicher Gewaltopfer. Und damit steht er auf einer Stufe mit George Bush, Robert Mugabe und Omar A-Bashir vom Sudan.

Frau Khan lässt aus, welche Art von „Asyl Suchenden“ Howard als „nationale Bedrohung“ sieht (nämlich Scheinverfolgte, die den Australiern einen Lebensstil aufzwingen wollen, den sie mit Gewalt und Kriminalität durchzusetzen versuchen und das Land in einen Mullah-Staat verwandeln würde). Was die misshandelten Frauen angeht, so meint sich mit Sicherheit nicht die vergewaltigten Australierinnen, die den Streunenden Katern zu dienen haben. Sicher auch nicht die junge Journalistin, die sich gerade erst vor einer australischen Moschee anhören durfte, was für eine Schlampe sie sei, weil sie keinen Schleier trug. Wie leider üblich erfährt Gewalt eine so besondere Definition, wie sie dann vor allem gegen missliebige Konservative und ihre konsequente Ablehnung heuchlerischer Selbstgerechtigkeit selbst ernannter Rechtsschützer mit politischer Agenda gegen die westliche Demokratie und zum Schutz totalitärer Regime und Ansprüche benutzt wird. Und die „Verfolgung“ als unrechtmäßig verkündeten Verhaltens wird vor allem gegen politisch missliebige Staaten des Westens hoch gespielt, nicht gegen die wirklichen Täter – da läuft alles viel ruhiger und ohne die ganze große Aufregung ab, die gegen Bush etc. in die Öffentlichkeit krakeelt wird.
Der australische PM reagierte übrigens recht cool: Ich glaube, dass viele Australier diesen Bericht so beleidigend finden wie ich… Meine Regierung entschuldigt sich nicht dafür, dass sie angemessene, ausgewogene Schritte unternimmt, um die australische Öffentlichkeit vor der sehr realen Bedrohung durch den Terrorismus und unsere Grenzen zu schützen.

Nachtrag: Amnesty lieferte anscheinend in einer E-Mail eine Art Entschuldigung, wurde dem WSJ Opinion Journal mitgeteilt. Die Mail hat allerdings keine Unterschrift. In ihr wird zugegeben, dass man zwar nur Werbung für den Jahresbericht machen wollte, aber die Art sei ein Fehler gewesen, wie die Reaktionen zeigten; andernorts (also öffentlich) wird weiterhin behauptet, man habe eine „überwältigende Reaktionen“ erhalten. Darüber hinaus wird sich in der E-Mail zwar dafür entschuldigt, wenn jemand Anstoß an der Aktion genommen habe – für die Sauerei selbst allerdings nicht. Sollte man jetzt nicht folgern, dass die Truppe einen Schuss hat und außerdem verlogen ist?

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