Wie man „Islamophobie“ beendet

Tawfik Hamid, WSJ Opinion Journal, Freitag, 25. Mai 2007

Islamische Organisationen beschuldigen regelmäßig Nichtmuslime der „Islamophobie“, einer Angst und Verachtung von allem, was islamisch ist. Am 17. Mai kam dieser Vorwurf erneut auf, als die Außenminister der Organisation der Islamischen Konferenz Islamophobie „die schlimmste Form des Terrorismus“ nannten. Diese Minister warnten – nach Angaben von Arab News auch davor, dass diese Form der Diskriminierung Millionen Muslime in westlichen Ländern, „von denen viele jetzt schon unterprivilegiert sind“, dazu veranlassen würde „weiter entfremdet“ zu werden.

In Amerika ist die vielleicht auffallendste Organisation, die ständig ihre Gegner der Islamophobie beschuldigt, das Council of American Islamic Relations. CAIR hat den Fall der „Fliegenden Imame“ aufgenommen – der sechs Personen, die im letzten November aus einem Flugzeug der US Airways in Minneapolis geholt wurden, nachdem sie vor dem Abflug verdächtiges Verhalten gezeigt hatten. Vor nicht allzu langer Zeit klagte CAIR gegen einen „John Doe“, der Passagiere für „böswillige“ Beschwerden über verdächtige muslimische Passagiere gerichtlich belangbar gemacht hätte.

In einem Interview beschuldigte damals CAIR-Sprecher Nihad Awad den Abgeordneten Peter King (Republikaner aus dem Staat New York), er sei ein „Extremist“, der zu „Islamophobie ermutigt“, weil er herausstellt, was die meisten Menschen als offensichtlich ansehen: dass seine solche Klage eine abschreckende Wirkung auf Passagiere hat, die alarmierende Aktivitäten beobachten und sie anzeigen wollen. Wir können nur annehmen, dass Herr Awad glaubt, die Fluggäste sollten auf Reisen passiv und in einem Zustand der Angst verbleiben, während sie unterwürfig ihr Leben riskieren. In diesem Fall handelt der Kongress angemessen und überlegt die Verabschiedung eines von King unterstützten Gesetzes, das Passagieren Immunität vor solchen Klagen gewähren würde.

Es mag bizarr erscheinen, aber islamische Reformer sind gegenüber dem Vorwurf der „Islamophobie“ auch nicht sicher. Seit 20 Jahren predige ich eine reformierte Interpretation des Islam, die Frieden und den Respekt der Menschenrechte lehrt. Ich habe mich – mit Dutzenden andere Muslime und arabischer Reformer – beständig gegen die Misshandlung von Frauen, Schwulen und religiösen Minderheiten in der islamischen Welt ausgesprochen. Wir haben die gewalttätigen Lehren des Salafismus aufgezeigt, ebenso die Notwendigkeit, dass die Westler sich davor schützen.

Und doch bin ich nach Angaben von Michigans CAIR-Sprecherin Zeinab Chami „die neueste Waffe im islamophoben Arsenal“. Wenn sich gegen die gewalttätigen Edikte des Scharia-Gesetzes zu stellen „islamophobisch“ ist, dann werde ich diesen Vorwurf als Ehrenauszeichnung tragen.

Die Muslime müssen sich fragen, was diese „Phobie“ überhaupt auslöst. Wenn wir im Westen die weltweiten Gräueltaten untersuchen, die täglich im Namen des Islam verübt werden, dann ist es vorrangig zu fragen, ob wir – die Muslime – die Schuld für Islamophobie bei anderen suchen oder ob wir erst einmal uns selbst genauer betrachten sollten.

Eine gerade erfolgte Umfrage von Pew Global Attitudes stellte fest, dass „jüngere Muslime in den USA weit eher als ältere muslimische Amerikaner sagen, dass Selbstmordanschläge in Verteidigung des Islam zumindest manchmal gerechtfertigt sein können“. Etwa einer von vier amerikanischen Muslimen unter 30 denkt, dass Selbstmordanschläge zur Verteidigung des Islam zumindest unter Umständen gerechtfertigt ist. 28% glauben, dass nicht Muslime die Anschläge vom 11.9. ausführten und 32% verweigerten eine Antwort auf die Frage.

Während die Umfrage in den Medien als Beweis für die Moderatheit der amerikanischen Muslime dargestellt wurde, führen die tatsächlichen Ergebnisse zur gegenteiligen Schlussfolgerung. Wenn es, wie die Pew-Studie schätzt, 2,35 Millionen Muslime in Amerika gibt, bedeutet das, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen in den USA gibt, die finden, dass Selbstmordanschläge manchmal gerechtfertigt sind. Wenn gleichermaßen 5% der amerikanischen Muslime Al-Qaida unterstützen, dann sind das mehr als 100.000 Personen.

Um ein Ende der Islamophobie herbeizuführen, müssen wir einen ganzheitlichen Ansatz zur Anwendung bringen, der den Kern der Krankheit behandelt. Es wird nicht ausreichen nur die Symptome zu unterdrücken. Es ist unerlässlich neue islamische Lehren zu übernehmen, die die Tötung von Apostaten (das Redda-Gesetz) nicht erlaubt. Islamische Autoritäten müssen islamische Mainstream-Bücher liefern, die Polygamie und das Schlagen von Frauen verbieten. Die akzeptierte islamische Lehre sollte eine harte Haltung gegen jede Sklaverei und die Vergewaltigung weiblicher Kriegsgefangener einnehmen, wie sie in Darfur unter den ausdrücklichen Lehrsätzen der Scharia („Ma Malakat Aimanikum“) statt findet. Muslime sollten überall und universal lehren, dass die Zeugenaussage einer Frau vor Gericht genau so viel zählt wie die eines Mannes, dass Frauen nicht bestraft werden sollten, wenn sie jemanden nach ihrem eigenen Geschmack heiraten oder sich nach eigenen Vorstellungen kleiden.

Wir Muslime sollten öffentlich unsere Missbilligung der wachsenden Zahl von Anschlägen durch Muslime gegen andere Religionen und gegen andere Muslime zeigen. Wir sollten nicht einmal beim 11. September, Madrid, London, Bali oder zahllosen anderen Orten von Blutbädern verweilen. Es wird geschätzt, dass von den zwei Millionen Flüchtlingen, die vor dem islamischen Terror im Irak fliehen, 40% Christen sind; viele von ihnen suchen im Libanon Zuflucht, wo der christliche Bevölkerungsanteil um 60% abgenommen hat. Selbst in der Türkei haben Islamisten es vor kurzem für nötig befunden drei Christen die Kehlen durchzuschneiden, weil sie Bibeln ausgeben.

Natürlich sind die islamistischen Angriffe nicht auf Christen und Juden beschränkt. Warum hören wir keine muslimische Verurteilung des fortgesetzten Abschlachtens von Buddhisten durch islamische Gruppen in Thailand? Warum gab es Schweigen zu den Bomben in den Zügen von Mumbai, die 2006 über 200 Hindus das Leben nahmen? Wir dürfen nicht vergessen, dass auch unschuldige Muslime leiden. In der Tat sind – und waren es immer – die meisten Mörder von Muslimen andere Muslime Wo ist der muslimische Aufschrei wegen der sunnitisch-schiitischen Gewalt im Irak?

Die Islamophobie könnte enden, wenn Massen von Muslimen auf den Straßen gegen Videos demonstrieren, die zur Schau stellen, wie unschuldige Menschen mit der gleichen Energie geköpft werden, die wir gegen Fluggesellschaften, Israel oder Mohammed-Karikaturen ins Feld führen. Sie könnte zurückgehen, wenn die Muslime unzweideutig und öffentlich darauf bestehen, dass die Gesetze der Scharia in freien, demokratischen Gesellschaften keinen bindenden Status haben.

Es ist überfällig, dass die Muslime aufhören den Vorwurf der „Islamophobie“ als Mittel zur Einschüchterung und Erpressung derer zu benutzen, die verdächtige Passagiere melden und gegen die, die zurecht die derzeitigen islamischen Praktiken und Predigten kritisieren. Statt dessen müssen die Muslime sich in ehrlicher und bescheidener Selbstkritik üben. Die Muslime sollten – und müssen – Strategien zur Rettung ihrer Religion entwickeln, mit der die Tyrannei des salafistischen Islam und seiner schrecklichen Folgen bekämpft werden. Neben den wichtigeren Ergebnissen wird das auch der so genannten Islamophobie ein Ende bereiten.

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