Gipfelstürmer

Seit gestern machen die Sicherheitskräfte ernst: Heiligendamm ist eine Enklave der Kontrolle, der ausgesetzten Bürgerrechte, der massiven Aussperrung anders Denkender und Kritiker. Oder noch besser: Heiligendamm ist besetzt. Von 8 Gipfelteilnehmern und ihrer Entourage, die sich gegen die Bevölkerung und ihren Willen stellen, den gesunden Menschenverstand (oder was die Linke dafür hält) ablehnen und die Welt ausbeuten wollen.

Dass sie so unbeliebt sind, dass gegen sie mobil gemacht wird, das sind sie natürlich alle selbst Schuld. Die sind es, die sich einigeln in ihrer Festung. Die sind es, die die Polizei antreten lassen, die auf Demonstranten los gehen soll. Die sind es, die allein durch ihre Anwesenheit die Gegner aufmarschieren lassen, meint Hans Magnus Enzensberger, die G8-Leute selbst sind es selbst, die „die Sicherheitsrisiken, mit denen sie zu kämpfen haben, selber herbeiführen“ und die jene „gewaltbereite Minderheit anlocken und ihr für ihre Auftritte eine unwiderstehliche Bühne verschaffen“.

Mit anderen Worten also: Wenn es die G8-Gipfler nicht gäbe, gäbe es keinen Protest und keine Gewalt. Dass die Verteidigungsanlagen gegen die Belagerung durch „G8-Gegner“ auf das Verhalten eben dieser zurückzuführen sein und durch Erfahrungen der Vergangenheit getragen sein könnten, darauf scheinen weder Herr Enzensberger noch die grünen und roten Politik-Vertreter oder ihre NGO-Ableger zu kommen. Diejenigen, die in der Vergangenheit Gewalt gegen „die G8“ geübt haben schon mal gar nicht, denn die definieren sich ja als Opfer von Polizeigewalt, wenn sie „den Gipfel sprengen“, stürmen oder „schließen“ (shut down) wollen. „Fight G8“ (Bekämpft G8), „Block G8“ (Blockiert G8), „When the going gets rough“ (Wenn die Bedingungen rau werden/Wenn das Vorankommen problematisch wird) sind doch so herrlich friedliche und gewaltfreie Parolen! Wenn die Sicherheitskräfte da so paranoid sind geplante Gewalttaten zu vermuten, ist das einfach verleumderisch. Klar. Lasst uns diesen Gipfel stürmen, damit die gestürmten Gipfler sehen, wie harmlos wir sind, wenn wir ihnen die Eier um die Ohren werfen oder sie verteidigende Polizisten verprügeln, damit die endlich lernen, dass „Volkes Wille“ (der von zwar nicht winzigen, aber doch wenig repräsentativen) Anarchistengruppen vertreten wird und nicht von gewählten Staats- und Regierungschefs und daher ein Schutz Letzterer vor „Protest“ nicht zu erfolgen hat.

Hector Clavelli führt in konsequenter Fortsetzung der “Die G8 sind an allem (selbst) Schuld“-Denke ein paar Beispiele an, wer noch alles selbst verschuldet, was er über sich ergehen zu lassen hat – von den ethischen (Migranten-)Minderheiten im Osten Deutschlands über die Schüler des jüdischen Gymnasiums in Berlin bis hin zu Israel. Und kommt zum Schluss, dass „die Mauer“ in jeder Hinsicht von Vorteil ist – wobei offen ist, welche „Mauer“ er nun tatsächlich konkret meint oder ob es nicht nur eine „Mauer“ ist, die er da lobt.

Lasst den Gipfel die Regierungschef erklimmen. Die Stürmer des Gipfels haben seit Wochen genügend Propaganda-Aufmerksamkeit in den Medien, um ihre Anliegen öffentlich zu machen, was auch die G8-Teilnehmer registriert haben. Oder geht es darum vielleicht gar nicht?

Update (ZDF heute, 18.35): Die Großdemo in Rostock war größtenteils friedlich. Bis ein Trupp von 1.000 „Autonomen“ das änderte. Und was hat der Organisator der Demo dazu zu sagen? Er bedauert die Ausschreitungen, kritisiert aber die Polizei, die falsch agiert und reagiert habe – sie sei gewalttätig vorgegangen. Dass die Polizei es offenbar geschafft hat, die friedlichen und die gewalttätigen Demonstranten zu trennen, ist dem Mann wohl egal. Dass die Polizisten angegriffen wurden, ebenfalls. Wo die Bösen stehen, ist also klar: auf Seiten der Staatsorgane. Ähnliche Kritik an den gewalttätigen „Autonomen“? Fehlanzeige. Es wird langsam Zeit, dass die „G8-Gegner“ oder „Antiglobalisten“ oder „No-Globals“ oder wie sie sich sonst nennen, endlich einmal so etwas wie eine realistische Perspektive entwickeln, wer hier Aggressor und wer Angegriffener ist, wer hier angreift und wer sich wehrt. Motolow-Cocktails müssen vorbereitet sein. Pflastersteine heutzutage auch. Dass beides geflogen ist, spricht mehr als deutlich dafür, wer hier die Gewalt wollte und wer mit ihr begonnen hat.

Mit anderen Worten also: Wenn es die G8-Gipfler nicht gäbe, gäbe es keinen Protest und keine Gewalt. Dass die Verteidigungsanlagen gegen die Belagerung durch „G8-Gegner“ auf das Verhalten eben dieser zurückzuführen sein und durch Erfahrungen der Vergangenheit getragen sein könnten, darauf scheinen weder Herr Enzensberger noch die grünen und roten Politik-Vertreter oder ihre NGO-Ableger zu kommen. Diejenigen, die in der Vergangenheit Gewalt gegen „die G8“ geübt haben schon mal gar nicht, denn die definieren sich ja als Opfer von Polizeigewalt, wenn sie „den Gipfel sprengen“, stürmen oder „schließen“ (shut down) wollen. „Fight G8“ (Bekämpft G8), „Block G8“ (Blockiert G8), „When the going gets rough“ (Wenn die Bedingungen rau werden/Wenn das Vorankommen problematisch wird) sind doch so herrlich friedliche und gewaltfreie Parolen! Wenn die Sicherheitskräfte da so paranoid sind geplante Gewalttaten zu vermuten, ist das einfach verleumderisch. Klar. Lasst uns diesen Gipfel stürmen, damit die gestürmten Gipfler sehen, wie harmlos wir sind, wenn wir ihnen die Eier um die Ohren werfen oder sie verteidigende Polizisten verprügeln, damit die endlich lernen, dass „Volkes Wille“ (der von zwar nicht winzigen, aber doch wenig repräsentativen) Anarchistengruppen vertreten wird und nicht von gewählten Staats- und Regierungschefs und daher ein Schutz Letzterer vor „Protest“ nicht zu erfolgen hat.

Hector Clavelli führt in konsequenter Fortsetzung der “Die G8 sind an allem (selbst) Schuld“-Denke ein paar Beispiele an, wer noch alles selbst verschuldet, was er über sich ergehen zu lassen hat – von den ethischen (Migranten-)Minderheiten im Osten Deutschlands über die Schüler des jüdischen Gymnasiums in Berlin bis hin zu Israel. Und kommt zum Schluss, dass „die Mauer“ in jeder Hinsicht von Vorteil ist – wobei offen ist, welche „Mauer“ er nun tatsächlich konkret meint oder ob es nicht nur eine „Mauer“ ist, die er da lobt.

Lasst den Gipfel die Regierungschef erklimmen. Die Stürmer des Gipfels haben seit Wochen genügend Propaganda-Aufmerksamkeit in den Medien, um ihre Anliegen öffentlich zu machen, was auch die G8-Teilnehmer registriert haben. Oder geht es darum vielleicht gar nicht?

Update (ZDF heute, 18.35): Die Großdemo in Rostock war größtenteils friedlich. Bis ein Trupp von 1.000 „Autonomen“ das änderte. Und was hat der Organisator der Demo dazu zu sagen? Er bedauert die Ausschreitungen, kritisiert aber die Polizei, die falsch agiert und reagiert habe – sie sei gewalttätig vorgegangen. Dass die Polizei es offenbar geschafft hat, die friedlichen und die gewalttätigen Demonstranten zu trennen, ist dem Mann wohl egal. Dass die Polizisten angegriffen wurden, ebenfalls. Wo die Bösen stehen, ist also klar: auf Seiten der Staatsorgane. Ähnliche Kritik an den gewalttätigen „Autonomen“? Fehlanzeige. Es wird langsam Zeit, dass die „G8-Gegner“ oder „Antiglobalisten“ oder „No-Globals“ oder wie sie sich sonst nennen, endlich einmal so etwas wie eine realistische Perspektive entwickeln, wer hier Aggressor und wer Angegriffener ist, wer hier angreift und wer sich wehrt. Motolow-Cocktails müssen vorbereitet sein. Pflastersteine heutzutage auch. Dass beides geflogen ist, spricht mehr als deutlich dafür, wer hier die Gewalt wollte und wer mit ihr begonnen hat.

Update 2: Bei Weapons of Modern Democracy und bei Zettels Raum finden sich kommentierende Beschreibungen der negativen wie auch der – seltenen – positiven Aspekte der „Demonstrationen“ der Gipfelstürmer. (Bitte auch die Kommentare zu den Einträge lesen!)

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