Die Maschine läuft

Der „Sechstage-Krieg“ – Epizentrum der Falschinformationen zum Nahost-Konflikt, also dem Konflikt zwischen den Arabern und den Israelis/Juden. Sein vermeintlicher Beginn jährt sich diese Woche zum 40. Mal. Und er gibt Anlass für die „schönsten“ Verdrehungen der Geschichte, damit der jüdische Staat als kriegslüstern, rassistisch, ungerecht, imperialistisch, unterdrückerisch und friedensfeindlich dargestellt werden kann.

Jonathan Gurwitz beginnt seine Klage über die Revision der Geschichte anhand des Krieges von 1967 so: Wissenschaftler glauben, die Geschichte begann von 13,7 Milliarden Jahren. Die Eigentümer des gerade eröffneten Kreationsmuseums in Petersburg (Kentucky) glauben, dass die Geschichte vor 6.000 Jahren begann. Die Verteidiger von arabischem Terrorismus und Tyrannei glauben, dass die Geschichte vor 40 Jahren begann.

Das scheint so ziemlich zu stimmen. Oder zumindest gibt es in der Geschichte dieser Leute eine Lücke. Denn da wird der Vorspann in seinem Ausmaß und/oder in seiner Wirkung völlig ignoriert: dass Nasser die UNO-Friedensschützer aus dem Sinai befohlen hatte (und die das ohne mit der Wimper zu zucken befolgten), dass er sein Militär über den Suezkanal und an die Grenze zu Israel verlegte und dass er die Straße von Tiran blockierte – die maritime Lebensader Israels, dessen wichtigster Importhafen Eilat damit von der Außenwelt abgeschottet war. Dazu kamen „Verteidigungs“-Verträge der Ägypter, Syrer und Jordanier untereinander, die mehr als ein klares Signal waren, dass man das „zionistische Gebilde“ umgehend ausradieren wollte; ständige Hetze in den Medien, die den Krieg ankündigten und die Bevölkerung der arabischen Staaten für den bevorstehenden Krieg bereit machten.

Die geschickteren der Relativierer lassen all diese Dinge nicht außen vor oder leugnen sie. Sie setzen sie anders um: Da wird aus dem Vernichtungsszenario eine nicht ernst zu meinende Kulisse, die nicht ganz harmlos, aber völlig ohne tatsächliche Gefahr war, weil die Ägypter und Syrer gar nicht wirklich angreifen wollten. Die haben nur geredet. Und überhaupt war Israel gar nicht der „David“, wie beispielsweise Jeremy Bown von der BBC so „schön“ „erklärt“. Und das hätten sie alle gewusst. Mit der ganzen Weisheit des Rückblicks und der ideologisch verklärten Brille heißt es heute, die Israelis hätten nur etwas durchhalten und verhandeln müssen, dann wäre überhaupt nichts passiert.

Die sehr realen Vernichtungsambitionen, das sehr reale Abwürgen der israelischen Überlebensbasis durch die Sperrung des wichtigsten Hafens, die gelten alle nicht. Nein, Israel hätte nicht zuschlagen dürfen, Israel hätte tun müssen, was es in den letzten 14 Jahren erfolglos versucht. Damals schon, als das Konzept der heutigen Terrorapologeten die heutigen Konzepte des Redens um des Redens willen und das Nachgebens und Beschwichtigens um der eigenen Selbstdarstellung willen noch gar nicht existierten!

Die Widersprüche und Falschheiten interessieren aber nicht. Jeremy Bowen hat am 4. Juni zum Jubiläum in der BBC die antiisraelische Propaganda-Hetze begonnen. Andere werden folgen bzw. mitziehen. Keiner wird anerkennen oder auch nur erwähnen, dass der Krieg im Mai begann, Wochen vorher, mit der Sperrung der Straße von Tiran. Keiner wird anerkennen, dass Israels Präventivschlag mehr als gerechtfertigt war. Als Begründung wird herhalten müssen, dass die Araber überhaupt noch keinen Schuss abgegeben hätten (unter eklatanter Missachtung der Guerillaoperationen und Terroropfer seit 1948). Sie werden die Ängste der Israelis als unbegründete Hysterie definieren, das israelische Militär als allen anderen bekannt überlegen und die Massen der arabischen Waffen herunter spielen. Und vor allem werden sie den Israelis vorwerfen, dass sie Palästinenser vertrieben hätten, Land besetzt hätten und nicht wieder hergegeben haben. Und so wird die nächste Lücke in der Geschichte der Terror-Apologeten zu überspielen versucht: die „drei Nein“ von Karthoum, wo die arabischen Staaten schworen, dass sie nie mit Israel verhandeln, Israel nie anerkennen und nie mit Israel Frieden schließen. Dass die Israelis die eroberten Gebiete wie sauer Brot anboten, fällt unter den Tisch, damit das Bild stimmt.

Es wird interessant sein zu sehen, ob irgendwo objektiv richtige und faktisch korrekte Berichte zum 40-jährigen „Jubiläum“ stehen werden.

Und nächstes Jahr kommt „60 Jahre Israel“ – die Unterschiede zwischen „40 Jahre Israel“ und „50 Jahre Israel“ sind schon gravierend und sprechen Bände. Jetzt wird’s noch „besser“ werden.

Update 07.06.07: Ich hab’s nicht selbst gesehen, aber die Dokumentation auf arte muss wohl recht in Ordnung gewesen sein. Anders das Magazin Freitag in seiner Ausgabe Nr. 22 vom 1. Juni, in dem Ludwig Watzal, Uri Avnery und ein paar andere Geschichtsrevision par excellence betreiben: Alles, was Israel positiv darstellt ist wahrheitswidrig – die Abschnürung des Seewegs durch die Straße von Tiran war kein casus belli, sondern Legende, und der Angriffskrieg Ergebnis einer Sinnkrise des Staates Israel wie des Zionismus. Die „Besetzung“ durch Siedler ging angeblich überall sofort los (in Wirklichkeit passierte das lediglich im Gush Etzion-Block und in Teilen Jerusalems). Fakten und Aussagen werden schön aus dem Zusammenhang gerissen und gegen Israel gedreht. Damit dieser Staat das ist, was sie unbedingt draus machen wollen.

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