PSL + Rübezahl = ?

Gestern hatte Reinhold Beckmann wieder Lieblingsgäste. Zum zweiten Mal durfte „Rübezahl“ Murat Kurnaz dort ganz dezent herumsaldabern, unterstützt von seinem geistlichen Beistand aus der Hölle von Guantánamo (der zwischenzeitlich selbst verdächtig war Terroristen zu unterstützen) und dem unvermeidlichen Peter Scholl-Latour.

Neueste von Rübezahl verbreitete „Erkenntnis“: Er hat kerngesunde Menschen in Guantánamo zum Arzt gehen sehen, die dann mit einem Finger, einer Hand, einem Arm weniger zurückkamen. Wunderbar, „Das Tal der Wölfe“ ist Wirklichkeit geworden! Es geht doch nichts über immer neue Gräuelgeschichten, die bisher nicht rausgelassen wurden!

Danach war ich ganz schnell wieder woanders. Trotzdem konnte ich der Sendung nicht entkommen – der WDR2 brachte gegen 6.15 Uhr heute Morgen noch schnell ein paar „Informationen“ zur Sendung. Da durfte der Schlusssatz von PSL nicht fehlen, der gleich einmal mehr seinem senilen Antiamerikanismus frönte: Dass die Amerikaner einen rechtsfreien Raum geschaffen hätten, das ginge nun wirklich nicht und müsse beendet werden. Wasser auf die Mühlen der WDR-Schaffenden – und wieder wurde dem Hörer schön eingehämmert, wo er die Bösen zu sichten hat.

Dabei müsste der alte Mann als ehemaliger Fremdenlegionär wissen, wer in Wirklichkeit den rechtsfreien Raum geschaffen hat: die Leute, die in Guantánamo einsitzen. Schließlich sind sie es, die keinerlei Konventionen einhalten; sie sind es, die sich nicht als kämpfende Truppen zu erkennen geben; die sich zur Bekämpfung hauptsächlich Zivilisten suchen; die in jedem anderen Krieg auf der Stelle erschossen worden wären, weil sie als galten, was sie sind: organisierte Terrorbanden. Nicht einmal „Partisanen“.

Mit anderen Worten: Die Amerikaner waren so menschlich das nicht zu tun. Sie konnten den Terroristen aber auch nicht den Status von Kriegsgefangenen zuerkennen – eben weil sie Terroristen und nicht Soldaten sind, sich wie Terroristen und nicht wie Soldaten verhalten. Genauso wenig kann man sie als ganz „normale Kriminelle“ werten.

Aber all das ficht PSL in seinem Hochmut und Antiamerikanismus nicht an. Hauptsache, den Amis kann man eins auswischen und sie an den Pranger stellen. Mit der Wirklichkeit braucht das nichts zu tun zu haben. Wie üblich in Deutschland. Hier weiß man ganz genau, wer die Guten und wer die Bösen sind – die Bösen sind grundsätzlich die Amis, also sind die die Guten, die gegen die Amis sind. Egal, was die tun. Und egal, wie schlechte Argumente sie haben. Das scheint die Philosophie auch des Peter Scholl-Latour zu sein.

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