Ausgelassene Gelegenheiten

Abba Eban hat einmal gesagt, die Palästinenser würden keine Gelegenheit auslassen eine Gelegenheit auszulassen. Ich finde, das stimmt so nicht. Sie haben nicht eine der Gelegenheiten ausgelassen, sie haben bewusst und gewollt eine Lösung oder Erleichterungen der Lage der Palästinenser verweigert!

Das waren weniger die einfachen, normalen Leute, die wir in Deutschland Otto Normalverbraucher nennen. Die sahen es ein ganzes Stück anders. Denn wohin die Juden in das Land zwischen Jordan und Mittelmeer kamen, da zogen bald Araber hin, die die Gelegenheit nutzen wollten eine anständige Bezahlung für ihre Arbeit zu erhalten. Die Juden trugen zum allgemeinen Wohlstand bei, was dazu führte, dass die Großgrundbesitzer sauer wurden – ihnen liefen die Arbeitskräfte davon, die zu Sklavenlöhnen arbeiteten.

Dazu gesellte sich dann ab 1920/21 der wachsende Einfluss des Muftis von Jerusalem und islamistische Hetzer Hadsch Amin al-Husseini, der nebenher dafür sorgte, dass seine Konkurrenten um die arabische Vormachtstellung im Land einer nach dem anderen das Zeitliche segnete, physisch handlungsunfähig gemacht oder per Einschüchterung mundtot gemacht wurden. Und je enger die Engländer die Schlinge zogen, durch die jüdische Einwanderung erfolgte, desto heftiger wurden al-Husseinis Forderungen und desto gewalttätiger ging er vor. 1936 zettelte er den „Aufstand“ an, der bis 1939 dauerte.

Im Zuge des Versuchs hier zu beschwichtigen setzten die Engländer die Peel-Kommission ein, die eine Erkundungsreise unternahm und schließlich einen Teilungsplan vorlegte, bei dem die Juden winzige Streifen des Landes erhalten würden, die Araber sich auf dem Rest ausbreiten. Das war der erste ernsthafte Plan, den arabisch angezettelten „Konflikt“ durch Teilung zu „lösen“. Und hier beginnt die Geschichte der arabische Verweigerung jeglicher einvernehmlichen Lösung. Denn der Plan der Peel-Kommission wurde „natürlich“ abgelehnt. (Dieser Plan war dann allerdings auch der Auslöser dafür, dass Nazideutschland sich dem Werben und Buhlen des Muftis nicht länger verweigerte und ihn in seinem Hetz- und Morddrang unterstützte. Bis dahin war er für Hitler ein lästiger Untermensch.)

Der nächste ernsthafte Lösungsversuch für das Mandats-Palästina stellte der UNO-Beschluss vom November 1947 dar, in dem den Juden dann bereits mehr Gebiet zugestanden wurde als noch von der Peel-Kommission, auch wenn es sich in hauptsächlich um pure Wüste handelte. Wen wundert’s, dass wieder ein lauthals tönendes „Nein“ aus dem arabischen Raum kam – verbunden mit einem Vernichtungskrieg in dem Moment, wo der letzte englische Soldat das Territorium verlassen hatte? Juden, die Fortschritt brachten, selbst bestimmt lebten und sich nicht unter die Fuchtel der Despoten beugten, waren im Nahen Osten noch weniger erwünscht als in Europa. Also marschierten fünf Armeen auf und schlugen zu. Dass Israel das überstand, ist ein Wunder. Noch größer ist das Wunder, dass die Israelis hier aus dem Eingepferchtsein in unzusammenhängende Teilgebiete ein zusammenhängendes Territorium machen konnten. So ist der Krieg, wenn der Aggressor ihn verliert.

Anerkannt wurden diese Waffenstillstandslinien von den Arabern genauso wenig wie der Staat der Juden. Statt nach der Niederlage Frieden zu geben, wurde ein Guerillakrieg begonnen und weiter gehetzt.

Eine weitere Gelegenheit kam durch die Ermordung des jordanischen Königs Anfang der 1950-er Jahre gar nicht erst zustande – der Mann war nicht israelfeindlich genug und hatte es tatsächlich gewagt darüber nachzudenken, ob mit Israel eine Regelung getroffen werden könnte.

Die nächste Gelegenheit war – entgegen mancher Annahme und heute kaum mehr bekannt – nicht das Ende des Sinaikrieges 1956. Sie kam drei Jahre früher, als Mosche Scharett Premierminister wurde. Er war ein bescheidener, vorsichtiger Rechtsanwalt, der einige Bemühungen unternahm um die arabische Feindseligkeit zu verringern (weiß heute keiner mehr). Dazu machte er Vorschläge, einige der angeblich 900.000 arabischen Flüchtlinge wieder nach Israel zurückkehren zu lassen und Jordanwasser abzuzweigen, um Flüchtlingen in Jordanien zu ermöglichen dort neue Siedlungen aufzubauen. Alle Vorschläge wurden von den Arabern abgewiesen. Was auch sonst?

Nach dem Sinai-Krieg brüstete sich Nasser seines Sieges, statt die Vernichtung seiner Armeen einzugestehen. Israel zog sich auf Druck der USA und der UdSSR aus dem Sinai zurück – wozu hätten die Araber also diese Gelegenheit zum Friedensschluss nutzen sollen? Sie fühlten sich als die Stärkeren.

Zwei Jahre vor dem Sechstage-Krieg von 1967 gab es erneut einen Versuch eine Lösung herbeizuführen, von der heute auch niemand mehr etwas weiß – und ausgerechnet durch einen arabischen Staatschef, den Tunesier Habib Bourguiba. Er erklärte, dass es offensichtlich nicht möglich war Israel gewaltsam von der Landkarte zu löschen und es daher Sinn machen würde seine Präsenz zu akzeptieren. Er schlug vor das Flüchtlingsproblem auf Basis des UNO-Teilungsplan von 1947 zu lösen. Dabei hätte Israel ein Drittel seines Territoriums abgeben müssen! Die Reaktionen waren vorhersehbar: Blanke Wut seitens der Araber. Überall wurde er als Verräter unter Beschuss genommen, als Verrückter, der in ein Irrenhaus gesperrt werden müsse, als Judas, der sofort hingerichtet werden sollte. In arabischen Hauptstädten ergossen sich Mobs auf die Straße und in Kairo versuchten 20.000 Studenten die tunesische Botschaft niederzubrennen. In Jerusalem (Ost) benannten die jordanischen Behörden eilig die Bourguiba-Straße um.

Kompromiss war selten ein Konzept, das die Araber in Betracht zogen. Da konnten die Israelis ihnen 1967 die eroberten Gebiete im Tausch für Frieden anbieten, wie sie wollten, ihnen schollen die „Drei Nein von Karthoum“ entgegen. Gelegenheit ausgelassent? Nein, verweigert!

Auch 1973, nach dem Yom Kippur-Krieg im Oktober, ging es erst einmal so weiter. Der erste, der es anders machte, war Anwar Al-Sadat, der Jimmy Carter nötigte die Friedensverhandlungen mit Israel zu moderieren. Die übrigen arabischen Staaten machten Ägypten zum Paria und Sadat wurden von Muslimbrüdern ermordet. Seitdem herrscht ein äußerst kalter Frieden zwischen Ägypten und Israel; die ägyptischen Medien – auch die von der Regierung kontrollierten – bemühen sich intensiv um eine Verschlechterung des Verhältnisses der beiden Staaten; die ägyptische Armee hält regelmäßig Manöver ab, in denen sie gegen einen „Feind im Norden“ ins Feld zieht – welchen Feind haben sie im Norden?

Seitdem geht das Spiel der Verweigerung auf der Ebene der „Palästinenser“ weiter. Die PLO hat in ihrer Charta festgeschrieben, dass die „Befreiung“ des Landes (wohl gemerkt: des GANZEN Landes, nicht nur der 1967 verlorenen Gebiete) ausschließlich über den bewaffneten Kampf erfolgen kann. Verhandlungen und Verträge dienen im Rahmen des Phasen-Planes von 1974 lediglich dazu einen Fuß in die Tür zu bekommen und so eine bessere Ausgangsposition für die Fortführung des Krieges zu erhalten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in den 1980-er Jahren Gelegenheiten für eine Friedensregelung gar nicht erst aufkamen. Auch der Libanon-Feldzug von 1982 gegen die PLO wurde von niemandem als Gelegenheit betrachtet mit den Israelis klar zu kommen. Genauso wenig verwunderlich ist es, dass die Olso-Verhandlungen zwar ein vordergründig positives Ergebnis hatten, an das sich aber von arabischer Seite niemand hielt. In dem Moment, als PLO-Chef Arafat „palästinensischen“ Boden betrat, begann die Hetze gegen Israel und die Vorbereitung auf eine Auseinandersetzung mit Waffengewalt. Im Westen nahm das niemand wahr, denn dort hörte man nur, was auf Englisch verbreitet wurde – und selbst da nur das, was man hören wollte.

Im Jahr 2000 sollte der große Coup gelingen. Ehud Barak zog im Mai die israelische Armee aus dem Libanon zurück, die UNO bestätigte den vollständigen Rückzug – und die Hisbollah tönte nicht nur, sie hätte die Israelis besiegt und vertrieben, sondern sie ließ auch im Verein mit Syrien verkünden, Israel habe seine Verpflichtung, sich vollständig aus dem Libanon zurückzuziehen, nicht erfüllt, weil die „Shebaa-Farmen“ noch nicht besetzt seien. Klar, so kann man es auch machen: Syrisches Gebiet zu libanesischem erklären und so die nächste Gelegenheit zum Frieden verweigern.

Ermutigt durch den „Sieg“ der Hisbollah im Libanon verweigerte Yassir Arafat im Juli 2000 jegliche Lösung zwischen den PalArabern und Israel. Er behauptete, die Angebote Israels seien unzumutbar gewesen (waren sie: für Israel) – aber statt Gegenvorschläge zu machen, reiste er wieder ab und ließ seine Handlanger israelische Krankenwagen stehlen, die „Sicherheitsdienste“ in Marschbereitschaft setzen und Ende September die Regierung Barak belügen, die Ariel Sharon im Glauben, das sei mit der PA geregelt, auf den Tempelberg gehen ließ. Aber selbst mit dieser Vorbereitung hatte Marwan Barghouti noch Mühe den „Volksaufstand“ (die Intifada) loszutreten.

Seitdem verlaufen alle Gespräche und Verhandlungen im Sand. Wann immer der Anschein einer Regelung nur auftaucht, wird von pal-arabischer Seite gebombt – oft sogar von Gruppierungen, die der Organisation des jeweiligen pal-arabischen Verhandelnden zugehören. Die Truppen übertreffen sich in ihren Ambitionen des Massenmordes und versichern sich gegenseitig, dass sie den Kampf bis zur Befreiung des „ganzen historischen Palästina“ fortführen werden. Was sie nicht daran gehindert hat sich in Machtkämpfen gegenseitig umzubringen. Der Gipfel der Auseinandersetzung um die unterschiedlichen Nuancen zur Vernichtung des „zionistischen Gebildes“ und wer das Sagen haben wird, wurde mit der Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas erreicht. Die Morde dieser Terrorgruppe werden verdrängt im westlichen Medien-Bemühen dort Ruhe und Ordnung einkehren zu sehen.

Währenddessen versucht man mit Mahmud Abbas Verhandlungen zu führen, um den so genannten Friedensprozess wieder in Gang zu bringen – obwohl man weiß, was für ein machtloser Hampelmann er ist, mit dem nichts erreicht werden kann. Aber wenn der dann was unterschreibt, so bilden sich der Westen und Ehud Olmert ein, könnte man dann darauf aufbauen und die anderen machen auch mit. Wolkenkuckucksheime der Weltpolitik!

Wenn Gelegenheiten ausgelassen wurden, dann nicht von den „Palästinensern“. Sie und ihre arabischen Brüder haben nie „ausgelassen“, nur immer verweigert.

Ausgelassene Gelegenheiten gibt es seitens des Westens und Israels – zuhauf. 1956 hätte man den Ägyptern für den israelischen Abzug aus dem Sinai Bedingungen stellen können. In den 1980-er Jahren hätte man an der PLO vorbei lokale, dann regionale und schließlich „nationale“ Strukturen mit unbelasteten Leuten in den Palästinensergebieten aufbauen können. Die Israelis hätten während „Oslo“ (1993-2006) und danach die Terrorführer auch der PLO (und der zahllosen anderen Terrorgruppen) beseitigen können, nicht nur die der Hamas. Selbst jetzt wäre ein konsequentes Vorgehen möglich. Die Hamas führt Krieg (die Fatah auch) – gegen Israel. Warum also nicht selbst auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln diesen Krieg führen und gewinnen? Wenn eine Rakete aus dem Gazastreifen kommt, dann wird eben eine in der umgekehrten Richtung geschossen – aber mit ganz klar definierten Zielen: den Köpfen und Chefs der Terroristen und ihrer „Regierung“. Und wenn ein Israeli entführt wird, dann wird einer aus der obersten Charge der Terroristen ebenfalls festgenommen. Feinde sollte man als Feinde behandeln, bis der Krieg gewonnen ist.

Ausgelassene Gelegenheiten? Nicht seitens der Araber und ihrer Terroristen, sondern seitens Israels. Und das sollte sich ändern.

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