Dänische Muslime fordern Fatwa gegen Jyllands-Posten

Flemming Rose in seinem Blog „Northern Lights“, 13. Juli 2007
Die Islamische Gesellschaft in Kopenhagen kann die säkularen Gesetze Dänemarks nicht akzeptieren und daher plant man sich im Nahen Osten Unterstützung für eine Fatwa gegen Jyllands-Posten zu suchen, wenn die Zeitung in einem Zivilprozess frei gesprochen wird, den eine Reihe muslimischer Organisationen gegen sie angestrengt hat, und wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Entscheidung trifft, die gegen die rechtlichen Forderungen der Muslime fällt.

Der folgende Text ist die morgige Top-Story in Jyllands-Posten:

„Bisher ist niemand wegen der Beleidigung unseres Propheten zur Verantwortung gezogen worden. Wir haben keine andere Wahl als eine Fatwa zu fordern“, sagt Kasem Ahmad, Sprecher der Islamischen Gesellschaft unter Bezugnahme auf die Veröffentlichung der zwölf Karikaturen von Mohammed am 30. September 2005 in Jyllands-posten.

Im November und Dezember 2005 schickte die Islamische Gesellschaft Delegationen in den Nahen Osten, die bewusst falsche Informationen über die Lage der Muslime in Dänemark verbreiteten und dafür beleidigende Karikaturen mitnahmen, die niemals in irgendeiner Zeitung veröffentlicht wurden. Wütende und gewalttätige Demonstrationen waren die Folge, 140 bis 200 Personen wurden getötet, hauptsächlich in Nigeria; dänische Botschaften wurden angegriffen und in Brand gesetzt und ein Boykott dänischer Produkte wurde in der gesamten Region initiiert.

Jyllands-Posten wurde vom Amtsgericht in Aarhus letztes Jahr frei gesprochen, aber die Muslime haben gegen die Entscheidung vor einem höheren Gericht Berufung eingelegt.

Die Muslime haben den Chefredakteur der Zeitung, Carsten Juste, und mich [Flemming Rose] wegen verleumderischer Beleidigung verklagt. Alles andere als ein Freispruch wird eine Sensation sein; dasselbe gilt für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der in den letzten Jahren die Grenzen der akzeptablen Meinungsäußerung erweitert hat. Die Islamische Gesellschaft hat gesagt, dass sie außerdem eine Entschuldigung der Zeitung haben will. In einem ähnlichen Fall in Frankreich wurde das Satiremagazin Charlie Hebdo im März frei gesprochen, nachdem es zwei der Karikaturen aus Jyllands-Posten und eine eigene veröffentlichte.

Offenbar will die Islamische Gesellschaft nicht akzeptieren, dass die Karikaturen-Krise eine Sache der Vergangenheit ist.

„Kein Muslim wird je vergessen, dass der Prophet beleidigt wurde“, sagt Kasem Ahmad.

Er fügt hinzu, dass die Islamische Gesellschaft gut etablierte Kontakte mit Klerikern im Nahen Osten hat und das die arabischen Medien kontaktiert werden, um sich auf die Sache zu konzentrieren. Zur Zeit der Karikaturen-Krise wurde die Islamische Gesellschaft von dem radikalen Imam Abu Laban geführt, der ein großer Unterstützer von Osama bin Laden war und ein talibanartiges Kalifat in der muslimischen Welt einführen wollte. Er wurde von den Behörden lange Zeit als moderat wahrgenommen. Abu Laban starb dieses Jahr; sein Platz wurde von Mostafa Chendid übernommen.

Im März wurde der neue Imam von der dänischen Wochenzeitung Weekendavisen interviewt. Zur gleichen Zeit fand ein Kampf zwischen dem Stadtrat von Kopenhagen und einer Gruppe junger Menschen statt, die illegal ein Gebäude besetzt hielten, das von einer christlichen Gruppe gekauft worden war. Mostafa Chendid rief die jungen Leute auf das Gesetz zu respektieren und das Gebäude zu verlassen. Diese Antwort veranlasste den Reporter den Imam zu fragen, ob er und seine Mitmuslime dann nicht das Urteil im Fall gegen Jyllands-Posten akzeptieren sollten, nach dem es legal war die zwölf Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen.

„Nächste Frage. Ich will das nicht mehr diskutieren. Ich sage nur, dass es keine Regel ohne Ausnahmen gibt. Und wenn diese Karikaturen 1,4 Millionen Muslime beleidigt haben, dann….“

Was soll ich sagen?

Im Grund genommen verkündet die Islamische Gesellschaft der Öffentlichkeit: Wir akzeptieren das säkulare Gesetz nicht, wir wollen die Scharia eingeführt sehen und wenn ihr nicht gehorcht, dann werden wir unsere Sache zu den Klerikern in der muslimischen Welt tragen, damit sie ein legitimes Urteil gegen die Gotteslästerer fällen.

Eine unverhüllte Drohung. Werden die Unterstützer des säkularen Gesetzes sich der Herausforderung stellen?

Freitag wird das Amtsgericht in Lyngby sein Urteil zu einer Verleumdungsklage entscheiden, die die Islamische Gesellschaft gegen Pia Kjærsgaard angestrengt hat, die Vorsitzende der Volkspartei, die auf dem Höhepunkt der Karikaturen-Krise im Januer 2006 die Mitglieder der Islamischen Gesellschaft „Verräter“ genannt hatte.

Zusatz: Reuters berichtet, dass die muslimische Gruppe diesen Prozess verloren hat. Sie muss 40.000 dänische Kronen (ca. 5.500 Euro) an die Beklagte zahlen.

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