Das Internet-Galileo

EU Referendum, 20. Juli 2007

Die USA haben eins, also müssen wir auch eins haben! Das scheint die treibende Motivation hinter dem Eitelkeits-Projekt der EU zu sein, dem Galileo-Satellitennavigationssystem. Und so ist es auch mit dem Internet. Diese verdammten Yankies haben Google, also müssen wir unsere eigene Suchmaschine haben, nur um zu beweisen, dass wir genauso gut sind wie sie.

Aber nichts symbolisiert die Trennung zwischen dem alten Europa und der Neuen Welt besser. Während Google Zeugnis der Mach des freien Unternehmertums ist, weil es von den damaligen Studenten der Standfort University Larry Page und Sergey Brin aufgebaut wurde, ist die europäische Version ein Multimillionen-Dollar-Projekt, das von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs kräftig subventioniert und von einigen der größten Firmengiganten Europas entwickelt wird.

Die Subventions-Junkies sind Empolis, eine Abteilung von Bertelsmann, der größten europäischen Medienfirma; eine bei Paris liegende deutsche Tochter von Thomson, dem größten Fernseher-Hersteller der Welt; SAP, der weltgrößter Hersteller von Wirtschaftsmanagement-Software; und Siemens aus München, die größte europäische Maschinenhersteller.

Das Projekt wurde ursprünglich im letzten August von Chirac gestartet, um der „Bedrohung durch den angelsächsischen Kultur-Imperialismus“ entgegenzuwirken; der damalige französische Präsident erklärte: „Wir befinden uns in einem globalen Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft. In Frankreich, in Europa, steht unsere Macht auf dem Spiel.“

Weil es sich aber um die EU handelt, konnte nichts ohne die Erlaubnis der Kommission angefangen werden (so viel also zur französischen Macht) und gestern bekam die deutsche Regierung das Okay 120 Millionen Euro in die Entwicklung des Systems zu pumpen.

Interessanterweise meinte die Kommission, dass der Nutzen der Schaffung neuer Technologien für die Öffentlichkeit und mehr kulturelles Material ins Web zu stellen das Risiko aufwog ausgewählten Firmen durch Subventionen einen unfairen Vorteil zu geben.

Doch nicht einmal damit ist es ein Symbol der europäischen Einheit. Da man nicht einmal in der Lage war sich über die fundamentalen Rolle dieser magischen Maschine zu einigen, die „eine fortschrittliche Multimedia-Suchmaschine, die einen Satz Werkzeuge für Übersetzungen, zur Identifizierung und Indizierung von Bildern, Klang und Text“ haben soll, nennen die Deutschen ihren Teil Theseus, während die Franzosen ihren Quaero tauften (wird das am Ende Quaerseus genannt werden?).

Trotz der Großzügigkeit der Regierung sind die Zuweisungen nur ein Bruchteil dessen, was Google derzeit in die Produktentwicklung zu stecken in der Lage ist. Das Projekt ist von Experten der Financial Times bereits ein „eklatanter Fall fehl geleiteten und unnötigen Nationalismus“ bezeichnet worden, der, wenn er dann in Produktion geht, eine Generation hinter den dann den Betrieb aufnehmenden Produkten hinterher hinken wird.

Insgesamt scheint es die Machart eines klassischen europäischen Projekts zu haben.

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