Die Angst zahnloser Tiger vor brüllenden Mäusen

Die bulgarischen Krankenschwestern und der Arzt (sowie ein weiterer Arzt, der das Land nicht verlassen konnte) sind wieder in Bulgarien. Wir können aufatmen, was diese fünf Geiseln des libyschen Despoten und seines Unrechtssystems angeht. Die europäischen Charaden gehen allerdings weiter.

Heute fliegt der französische Präsident Sarkozy nach Tripoli. Er will daran arbeiten Libyen weiter (und besser) in „die internationale Gemeinschaft zu integrieren“. Mit anderen Worten: Ghaddafi bekommt Honig ums Maul geschmiert und den Hintern gewischt, weil er ja so wunderbar dafür gesorgt hat, dass die Todesurteile gegen das medizinische Personal hat umwandeln lassen. All seine Lügen und Erpressungen müssen nicht nur mit dem erpressten Mitteln honoriert werden, jetzt ist es an der Reihe, dass „Europa“ ihn auch politisch möglichst weit aufwertet.

Was lernen wir daraus?

Nun, es gab da mal einen Film, der dürfte aus den 1960-ern stammen und heißt „Die Maus, die brüllte“. Darin gab es einen bankrotten Ministaat, der erklärte den USA den Krieg. Grund: Wer den Amerikanern den Krieg erklärt, wird von ihnen besiegt, besetzt – und saniert. Beispiel: Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Absicht der Kriegserklärung war also nicht Krieg zu führen, sondern sich von den Amerikanern besetzen zu lassen, damit das Land wieder auf die Beine kommt. (Der Plan lief dann ein wenig schief und der Ministaat konnte sogar die Friedensbedingungen diktieren.)

Anders, wenn Europa ins Spiel kommt. Hier holt man sich nicht Hilfe, indem man den Krieg erklärt und sich dann besetzen lässt. Libyen hat den Despoten und Tyrannen – wie auch den Terroristen – gezeigt, wie man sich Geld, Prestige und sonstige Hilfen von Europa holt, ohne besetzt zu werden: Man inszeniert eine Scharade, die für ein paar unschuldige Europäer tödlich verlaufen dürfte. Dann sorgt man dafür, dass es in Europa genügend Entsetzen gibt und alles aufgeregt nach „Lösungen“ sucht. Die bestehen darin, dem Tyrannen, der für die unsägliche Sache verantwortlich ist, den Hintern zu küssen, ihn politisch zu hofieren, aufzuwerten und jede Menge Geld ins Land zu blasen. Wirtschaftliche Großinvestitionen gehören ohnehin dazu und verschaffen der Diktatur weiteres Geld (und Ansehen).

Libyen ist fein heraus. Statt – wie es angesichts der verlogenen, mehrjährigen Schauspiels mit dem Leben von sechs Menschen angemessen wäre – dem libyschen Staatschef zumindest den Hintern zu versohlen und ihm klarzumachen, was für ein Drecksack er ist und dass er nicht damit rechnen kann irgendwelche Vorteile aus seinem teuflischen Tun zu ziehen, wird er nicht nur mit den Erpressten Gütern und Geldern belohnt, sondern auch noch aufgewertet.

Welche Schlussfolgerungen werden wohl andere daraus ziehen? „Kommt, wir erklären den Europäern den Krieg, damit sie uns besetzen und das Land in Ordnung bringen“? Oder nicht eher: „Kommt, wir nehmen uns einen Trupp Geiseln, drohen mit deren Tod und dann kommen die Idioten und wir können wieder Gelder in die eigenen Taschen stecken, mit denen wir uns an der Macht halten – ist nicht nötig, dass wir irgendetwas unternehmen, dass es den Leuten und dem Land besser geht.“

Wir dürfen darauf warten, dass andere dem Beispiel von Ghaddafi folgen. Der Iran hat in dieser Hinsicht schon agiert. Dort sitzen mehrere iranischstämmige Amerikaner wegen angeblicher Spionagetätigkeit ein. Das soll offensichtlich Verhandlungsmasse sein. Die Mullahs haben ja auch recht ermutigende Erfahrungen mit britischen Soldaten gemacht. Die Kunst besteht lediglich darin den richtigen Hebel zu finden, auf den die Westler anspringen. Das Leben von Geiseln ist dabei die wirkungsvollste Methode. Und weil die Idioten sich an alle Absprachen halten und auch noch freiwillig immer was drauflegen, kann man als terroristischer Staat nur gewinnen.

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