Schweigen zu Nahr al-Bared

Khaled Abu Toameh, commentarymagazine.com, contentions – July 31, 2007

In den letzten drei Monaten ist ein palästinensisches Flüchtlingslager im Nahen Osten angegriffen worden, was den Tod von Hunderten Menschen und die Flucht von fast der Hälfte der 40.000 Einwohner des Lagers zur Folge hatte. Aber der UNO-Sicherheitsrat hat keine Dringlichkeitssitzung abgehalten, um den Angriff zu verurteilen. Auch haben die Regierungen von Frankreich und Großbritannien keine Erklärungen abgegeben, die die „Gräuel“ gegen die palästinensischen Flüchtlinge im Lager Nahr al-Bared im Norden des Libanon verurteilen. Denen, die sich fragen mögen, warum es keinen öffentlichen Aufschrei gibt, kann eine einfache Antwort gegeben werden. Die Armee, die das Lager mit schwerer Artillerie und Kampfhubschraubern angreift, ist nicht die IDF. Es ist eine arabische Armee – die libanesische Armee.

Palästinensische Flüchtlingslager in den palästinensischen Gebieten und im Libanon haben lange verschiedenen Terrorgruppen als Basis gedient. In der Westbank und dem Gazastreifen ist die IDF in den letzten Jahren gezwungen gewesen gezielte Operationen gegen die Terroristen der Hamas, der Fatah und des Islamischen Jihad durchzuführen, die unter Zivilisten Schutz finden. Die meisten israelischen Militäroperationen haben scharfe Kritik der internationalen Gemeinschaft und der arabischen Welt nach sich gezogen, selbst wenn die Angriffe mit der Tötung oder Gefangenname nur der Terroristen endeten.

Ich war einer der Journalisten, die über die Schlacht im Flüchtlingslager Jenin in der Westbank im Jahr 2002 berichtete. Damals verloren die Israelis 23 Soldaten, weil sie keine Artillerie und Panzer einsetzen wollten, aus Angst, dass Zivilisten verletzt werden könnten. Ich erinnere mich noch immer daran, wie IDF-Offiziere vor dem Einsatz ihre Soldaten instruierten und sie aufforderten ihr Äußerstes zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden. Obwohl mehr als 80 Prozent der Opfer der folgenden Schlacht Mitglieder bewaffneter Gruppen waren, die frei im Lager operierten, bezeichnen viele Menschenrechts-Organisationen (und einige Regierungen) weiterhin die Ereignisse dort als „Massaker von Jenin“.

Im Fall von Nahr al-Bared liegt die Sache völlig anders. Niemand scheint sich um die Tatsache zu kümmern, dass Dutzende Zivilisten in den Kämpfen zwischen libanesischen Truppen und Terroristen der zur mit Al-Qaida verbundenen Fatah al-Islam getötet worden. Ein Palästinenser, der vor zwei Wochen aus dem Lager floh, erzählte mir, dass in den Kämpfen mehr als 200 Häuser komplett zerstört wurden und dass Leichen Wochen lang auf den Straßen lagen.

„Wir selbst haben diese Tragödie über uns gebracht“, gab er zu. „Wir haben dieser Gruppe Terroristen erlaubt im Lager ihre Basis zu schaffen und jetzt zahlen wir den Preis dafür. Die Welt kümmert sich nicht mehr um uns, weil sie sagt, wir haben Terroristen beherbergt und ihnen Lebensmittel und Medikamente besorgt.“ Haben palästinensische Flüchtlinge in anderen Lagern des Nahen Ostens denselben Schluss gezogen? Die Antwort ist ein großes Nein. Milizionäre und bewaffnete Gangs operieren weiterhin in den meisten dieser Lager, besonders in den Palästinensergebieten und im Libanon. Die libanesische Armee und die IDF haben immer noch eine Menge schwieriger Arbeit vor sich. Leider werden viele Zivilisten weiterhin den Preis dafür bezahlen – außer sie wachen eines Morgens auf und entscheiden sich die Terroristen aus ihren Straßen zu jagen.

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