Bitte hier so messen – und dort anders

Mit Datum vom 5. August meldet JTA, dass das britische Außenministerium Isarel ein Ultimatum gestellt hat. Israel soll einen Offizier an Großbritannien ausliefern, der nach britischer Darstellung für den Tod eines britischen Journalisten in Rafah im Jahr 2003 verantwortlich sein soll, wenn es ihn nicht selbst vor Gericht stellt.

Theoretisch kann eine solche Auslieferung stattfinden, weil Israel und Großbritannien ein Auslieferungsabkommen haben. Praktisch findet eine solche Auslieferung nicht statt, weil die Israelis den Fall untersucht haben und nicht einmal feststellen konnten, ob der Journalist von den Palästinensern oder der IDF getötet wurde. Aber damit geben sich die Briten natürlich nicht zufrieden. Aus britischer Sicht war es eine absichtliche Tötung – Mord.

Ich kann mich recht gut an Foren-Diskussionen dieses Falles erinnern (das Forum gibt es leider nicht mehr) und daran, dass dieser Journalist sich mit einer Schulterkamera in einer Kampfzone aufhielt. In dem Forum stellte jemand dann einen Beitrag ein, in dem mit Fotos ein Vergleich zwischen einem Mann mit einer Kamera auf der Schulter und einem Mann mit einem Abschussgerät für Panzerabwehr-Raketen gezeigt wurde – die Ähnlichkeit war verblüffend. Sollte also tatsächlich einer der Soldaten den tödlichen Schuss abgegeben haben, dann gibt es plausible Gründe dafür, dass die Soldaten ihn für einen Terroristen gehalten haben, der sie beschießen wollte.

Seitens der britischen Regierung wird wohl keine Bereitschaft geben die israelischen Erkenntnisse anzuerkennen oder auch eine Fehleinschätzung durch die Soldaten in Folge der Umstände zu akzeptieren. Sie wollen mit aller Macht den von ihnen behaupteten Täter hinter ihre Gitter bringen. Das ist um so seltsamer, als es zeitlich mit der Reaktion auf ein anderes Verbrechen korreliert, die genau das Gegenteil des Verhaltens gegenüber Israel darstellt: Seit der BBC-Journalist Alan Johnston entführt, Monate lang gefangen gehalten und dann frei gekauft worden ist, erfreut sich die mitverantwortliche Hamas des Wohlwollens britischer Politiker und der zunehmenden Forderung sie wieder mit Geld zu versorgen und als liebe, friedliche, harmlose politische Partei zu betrachten, die sich nur ein bisschen gegen Apartheid wehrt.

Halten wir fest: Briten zu entführen ist ein Grund, die an der Entführung beteiligten Parteien zu hofieren (vorausgesetzt, die Entführer sind muslimische Araber, die Israel vernichten wollen). Im Kampf einen Briten zu töten (wenn er denn von den Israelis getötet wurde), der auf verdächtige Weise in einer Kampfzone herumstapft, darf nicht ungeahndet bleiben.

Ob London jetzt auch israelische Diplomaten wegen „Spionage“ ausweisen wird, wie es in Sachen Russland der Fall war? Mit Aufgabe einer objektiven Vermittlerposition können sie schlecht drohen – die können sie nicht mehr aufgeben, weil sie sie nie eingenommen hatten.

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