Die BBC enthüllt

Zwar sind gute Englisch-Kenntnisse nötig, aber wer die hat, wird an Biased BBC seine helle Freude haben – vorausgesetzt, er (oder sie) hat den Nerv sich nicht zu sehr über die Einseitigkeiten und Verdrehungen und Falschdarstellungen (oder über die Offenlegung derselben) aufzuregen, die der vom britischen Steuerzahler finanzierte Sender so verbreitet. Der Hort des objektiven Journalismus hat nämlich so ein paar Themen, bei dem entweder der Verstand abgeschaltet oder dazu genutzt wird gezielt ungenau bis verfälschend zu „berichten“.

Ein Beispiel: Eine fette Schlagzeile verkündete, dass die Selbstmordrate im US-Militär die höchste seit 26 Jahren sei. Wow, denkt man, weiß aber nicht, dass Rate von 17,8 pro 100.000 Männern in der Armee zwischen 17 und 45 Jahren deutlich unter der aller Männer von 17 bis 45 Jahren in den USA liegt – diese ist mit 21,1 um mehr als 3 Punkte höher, was heißt, dass Männer im Militärdienst deutlich weniger selbstmordgefährdet sind.

Die „Story“ war also keine. Aber die BBC konnte der Versuchung einmal mehr nicht widerstehen die Amerikaner in ein schlechtes Licht zu setzen.

Gleiches gilt für die die theatralische „Enthüllung“, dass die CIA Einträge bei Wikipedia bearbeitet hat. Dabei wird der Eintrag zum derzeitigen iranischen Präsidenten genannt, in dem ein harmloses, aber nicht korrektes und reichlich kindisches „wahhhhhh! eingefügt wurde. Darüber hinaus behandelt der Artikel hauptsächlich andere Institutionen und Firmen, die an Wikipedia gearbeitet haben – die Demokratische Partei in den USA, US-Firmen, die den Republikanern nahe stehen, der Vatikan; und (bis auf die der Demokraten, s.u.) alle ohne einen Hinweis darauf, ob die Änderungen berechtigt waren oder nicht.

Warum also diese Überschrift? Die CIA ist im Artikel nur eine von vielen, die Änderungen vorgenommen hat; verfälschende Änderungen werden ihr nicht nachgewiesen. Dafür kann die BBC bösartige Einfügungen anführen, die von Computern aus dem Hauptquartier der Demokratischen Partei vorgenommen wurden – wieso sind die nicht in die Überschrift gekommen? Immerhin wird da auf einmal ein Radio-Talker als „idiotisch“, „rassistisch“ und „bigott“ bezeichnet und seine Hörerschaft als „zurückgeblieben“ verunglimpft. Solche Entgleisungen schaffen es in der BBC nicht in die Schlagzeile – schließlich sind die Demokraten noch eher die „Guten“ auf der anderen Seite des großen Teichs.

Und nachdem man dann über die US-Regierung, US-Firmen, den Vatikan und andere hergezogen hat, die Wikipedia-Einträge vorgenommen oder „bereinigt“ haben (ohne Beispiele zu nennen), kommt ein kleiner, nachträglich eingefügter Absatz, der ganz vorsichtig nicht andeutet, dass das Hyperventilieren der Leute aus London etwas Entscheidendes auslässt:

BBC News website users contacted the corporation to point out that the tool also revealed that people inside the BBC had made edits to Wikipedia pages.
heißt:
Besucher der BBC-Website nahmen Kontakt zur Corporation [=BBC] auf, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Werkzeug [zur Identifizierung der Autoren der Einträge bei Wikipedia] ebenfalls aufzeigte, dass Personen innerhalb der BBC Änderungen auf den Seiten von Wikipedia vorgenommen haben.

Weil das so unschuldig daher kommt, muss man sich schon andernorts umsehen, was es damit auf sich hat – und hier liefert Biased BBC eben die nötigen Fakten. Dort ist nachzulesen, was BBC-Leute gerne in Wikipedia-Einträge einbauen. Darunter solche Highlights wie die Verunglimpfung von Präsident Bush über seinen zweiten Vornamen, der von „Walker“ zu „Wanker“ (= Wichser) „umgestaltet“ wurde; die Ersetzung von „Terroristen“ durch „Freiheitskämpfer“ (hier der Screenshot) in einem Eintrag zum Einsatz von Caterpillar-Fahrzeugen durch die Israelis (Screenshot); oder die Veränderung kurzfristiger medizinischer Probleme von Tony Blair im Jahr 2003 (Screenshot), der auf einmal nicht mehr „viel starken Kaffee“, sondern „viel starken Wodka“ getrunken und bei einem EU-Gipfel nicht mehr in einem Sportstudio, sondern im Bett heftig trainiert haben soll. (Alle genannten Einträge sind von Wikipedia bereinigt worden.)

Es dürfte schon etwas grenzdebil sein, wenn eine Institution wie die BBC sich daran macht, Änderungen an Einträgen in Wikipedia zu „enthüllen“, ohne deren Berechtigung auch nur ansatzweise zu recherchieren, dazu ein paar kleine Beispiele von beleidigenden und verunglimpfenden Änderungen seitens einer amerikanischen Partei anzuführen und völlig außen vor zu lassen, welche bösartigen und boshaft verlogenen und verunglimpfenden „Verbesserungen“ von eigenen Leuten – in größerer Zahl – vorgenommen wurden. Eigenes Fehlverhalten ist bei der BBC nie Thema, außer in geheim gehaltenen Berichten.

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