Friede, Friedensstadt – Despotenfans

Ah, jetzt weiß ich, warum das Osnabrücker Symphonie-Orchester unbedingt im Iran spielen musste (und die Musikerinnen dabei mehr Tuch als nötig trugen): Osnabrück schimpft sich „Friedensstadt“! Dann ist alles klar: Wer Frieden will, muss Kriegstreiber, Terroristen und Völkermord-Anstreber beschwichtigen, ihnen die Füße küssen und demonstrieren, wie toll man sie findet!

Osnabrück sieht „Frieden als Aufgabe“, gegründet in der durch den Westfälischen Frieden von 1648 entwickelten Idee des „europäischen Gedankens“. Der Westfälische Friede war ein „erstes Völkerrecht“, mit dem ein „übergeordnetes Recht geschaffen“ wurde, „dem sich alle bestehenden Gesetze, Privilegien, Beschlüsse und päpstlichen Verfügungen unterzuordnen hatten“. Das kann man auch anders sehen, aber irgendwoher muss man schließlich die Größe seiner eigene Bedeutung definieren.

Dem hehren Ziel widmet sich in der Stadt ein eigenes Büro für Friedenskultur, das sich der Koordination von friedenspolitischen Maßnahmen in Kultur und Leben der Stadt annimmt. Das Image und die Grundlage als Friedensstadt wird auf viele Ereignisse gestützt, die nach in vielen Fällen eher nach Gerechtigkeit als Frieden schreien wie anhand dreier örtlicher Prominenter (aus der Vergangenheit) deutlich wird, die für die Friedensthematik herangezogen wird: dem Künstler Felix Nussbaum, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde und die Judenverfolgung in Nazi-Deutschland eindrucksvoll in seinen Bildern festhielt; Erich-Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“ – anderes von ihm ist leider praktisch unbekannt, aber dafür wird auf dem Anti-Kriegsroman herumgeritten ohne Ende; der Mann war mehr als dieses Buch); und dem Rechtsanwalt Hans Calmeyer, den Israel 1992 (posthum) in die Gerechten der Völker aufnahm (und der bezeichnenderweise völlig in Vergessenheit geraten war).

„An die Opfer von Verfolgung, Entrechtung, Rassismus und Mord erinnern in Osnabrück wichtige Mahnmale.“ Da würde ich doch sagen, dass das vor allem Beispiele dafür sind, dass Gerechtigkeit geschaffen werden muss. Mit Frieden hat das eher am Rande zu tun. Aber sind Ansichtssachen. Tatsache ist, dass diese Themen (Verfolgung, Entrechtung, Rassismus und Mord) offensichtlich recht einseitig ausgelegt werden, nämlich im Sinn der „Friedensbewegung“, die jegliches Eingreifen für Menschen mit militärischen Mitteln verdammt, während mörderische Regime und Terroristen gerade einmal einen erhobenen Zeigefinger zu sehen bekommen, weil ihr Tun ja eigentlich vom Westen verursacht ist. Osnabrück vergibt in diesem Sinne den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (mit 15.000 Euro dotiert), was manchmal Bände spricht.

Demonstrative Beispiele für das Friedensverständnis von Osnabrück sind die Auszeichnung von Uri Avnery 1995 und der diesjährige Preisträger Tony Judt. Beiden wird attestiert, dass sie viel für den Frieden tun, indem sie gegen „Amerika“ und Israel Stellung beziehen. „Tony Judt hat sich als Vermittler zwischen der europäischen und der US-amerikanischen Politik und Kultur hervorgetan, indem er den Lernprozess der Europäer aus dem kriegsbestimmten 20. Jahrhundert und die Politik des zwischenstaatlichen Ausgleichs und der Sozialorientierung in seiner umfassenden historischen Darstellung ´Postwar´ (deutsch: ´Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart´) überzeugend herausgearbeitet hat.“

Der Lernprozess der Europäer war allerdings, dass Chamberlain in der zweiten Hälfte der 1930-er Jahre mit seiner Appeasement-Politik alles falsch machte, aber diese Politik unbedingt weiter betrieben werden muss – oder so. Jedenfalls gilt in Europa, dass nicht die Bekämpfung des Bösen (gibt es das überhaupt? Ach ja, am westlichen Ufer des Atlantik und an einem Küstenstreifen des östlichen Mittelmeers! Also bekämpfen wir es: Terroristen sind Freiheitskämpfer!) in der Welt richtig ist, sondern das Kämpfen selbst böse ist. Das Loblied auf Judt geht so weiter:

“Zugleich ist Tony Judt in seiner politisch-publizistischen Arbeit in US-amerikanischen Medien und mittels Vorträgen und Kongressen als Kritiker einer kriegsorientierten amerikanischen Außenpolitik und einer zunehmenden Illiberalität der inneramerikanischen Öffentlichkeit bekannt geworden. Als pragmatischer Liberaler betont er die Rolle der UNO bei globalen Konflikten, lehnt unilaterale politische Aktionen ab und strebt eine diskursive Verständigung auf allen Ebenen politischen und kulturellen Handelns an.“

Nun, was die Rolle der UNO angeht, so ist sie klar: Nix tun, was irgendwie wirklich anstrengen könnte; ungehemmt Geld ausgeben ist prima; ansonsten darf den Verbrechern kein Haar gekrümmt werden: weder den Darfur-Milizen, noch bewaffneten Leuten mit Völkermord-Plänen in den palästinensischen „Flüchtlingslagern“ oder gar terroristischen Regimen mit menschenverachtenden Lebenskonzeptionen in Afghanistan, im Irak oder sonst wo. Dafür lässt man dann seine eigenen Programme für die Bereicherung der Despoten und Terroristen missbrauchen und versucht das zu vertuschen; die seit Jahren bekannten Vergewaltigungen und Kindesmissbräuche durch UNO-Blauhelme in den verschiedensten Regionen der Welt werden nicht nach Den Haag gebracht, aber es wäre durchaus gewünscht, würden israelische und amerikanische Offiziere und Soldaten dort (vor-)verurteilt, weil sie den Job der UNO tun: den Versuch Frieden zu schaffen und den Menschen im betroffenen Land und in denen darum herum ein menschenwürdiges, selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. Avnery wie Judt sind Parade-Exemplare der Verleumdung Israels und der USA. Das passt allerdings hervorragend in das Bild der Sorte „Friedensarbeit“, die wir hier in Deutschland und Europa (und zunehmend im linken politischen Spektrum der USA) sehen und erleben dürfen; nur: „Frieden schaffen ohne Waffen“ (und ohne den Willen Waffen notfalls auch einzusetzen) funktioniert nicht, wenn sich auf der anderen Seite einer befindet, der nicht mit sich reden lässt, sondern die Waffen einsetzt. (Siehe „1938“.)

Gerade „Tony Judts engagiertes Eintreten für Meinungsfreiheit, Multilateralismus und friedliche Konfliktlösung“ sind eigentlich ein Witz. Er tritt für die Meinung ein, die er vertritt; andere sähe er lieber zum Schweigen gebracht. Klar, die sind nicht seiner Meinung, damit undemokratisch, gegen Meinungsfreiheit usw. Das ist die Definition von Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt der Politisch Korrekten der heutigen Zeit. Damit passt er bestens in das von Europa bevorzugte Bild. Er ist ein würdiger Preisträger des Osnabrücker Preises, wie auch Uri Avnery, der von manchen völlig zurecht als jüdischer Antisemit eingestuft wird und von genervten klarer Denkenden den Unehrentitel „Arafats Pudel“ verliehen bekommen hat.

Soll man sich vor diesem politisch-strategischen Hintergrund der Stadt Osnabrück darüber wundern, dass das Dhimmi-Orchester den Iran beglückt? Dass sich ein Musiker brüstet, mit dem Konzert in Teheran habe sich ein persönlicher Traum erfüllt? Wie sehr er darauf achtet, dass die „kulturellen Vertreter des Landes“ in der ersten Reihe „ein Lächeln im Gesicht“ haben? Dass er aber andererseits nichts dabei findet zu sagen, dass man „bloß keinen Ärger mit diesen Leuten“ haben will, die nur für den einen Zweck die Musiker überwachen: dass die Frauen (und Männer) die Bekleidungsvorschriften einhalten? Sch… auf die Unterdrückung, die Hunderte vollstreckter Todesurteile für Nichtigkeiten, die Steinigungen von „Straftätern“, die unrechtmäßig eingekerkerten US-Staatsbürger iranischer Herkunft, die lediglich Verwandte besuchten, die massiven Hilfen für Terroristen, die gezielte Untergrabung der Stabilität des Nahen/Mittleren Ostens (wo bleibt da die Reaktion der „Friedensstadt Osnabrück“????) und die Hetze gegen Juden und Amerikaner (ach ja, DAS ist ja Friedenspolitik).

Nein, die „Friedensstadt“ gibt sich mit solchen Kleinigkeiten nicht ab. Hauptsache, die Terror-Mullahs lächeln ihr zu. Dann wird alles gut. Die Mullahs haben ein positives Bild von Osnabrück, also ist Osnabrück auf der sicheren Seite.

Erinnert sich noch jemand daran, wie viel Charme ein kleiner Gefreiter des Ersten Weltkriegs einsetzen konnte? Wie sich Prominente in seiner Huld sonnten?

Die Toten der deutschen Vernichtungslager quer durch Europa würden sich im Grabe umdrehen, wären sie nicht verbrannt worden. Statt dessen müssen sie als Rechtfertigung für die selbstherrliche Demonstration von falschem Friedensverständnis herhalten. Hoch die Vernichter! Hoch die Lüge! Hoch die Selbstverliebtheit kriecherischer Vogel Strauße!

Nachtrag, 2.9.07: Über den Sinn und (viel mehr) Unsinn der Orchester-Reise in den Iran hat Henryk M. Broder ausführlich geschrieben. Dabei erläutert er, weshalb ein Vergleich mit den Olympischen Spielen 1936 nicht nur angemessen, sondern heutzutage ein solches Unternehmen mit Katzbuckelei vor den Terror-Mullahs eigentlich noch weniger entschuldbar ist als die Reise von Sportlern in Hitlers Nazi-Olympiastadion.

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