’Islamophobie’ – nix da!

Emanuele Ottolenghi, Commentary Magazine, contentions, 24.08.2007

Seit Jahren haben uns nun Experten, Journalisten und Gemeindeleiter vor dem Aufstieg der so genannten “Islamophobie” in Großbritannien gewarnt. Angesichts der Präsenz und der zunehmenden Sichtbarkeit des im Land selbst „gezüchteten“ radikalen Islam wäre es nicht überraschend, würde man entdecken, dass die britische Öffentlichkeit zunehmend vor der muslimischen Minderheit in ihrer Mitte Angst hat. Immerhin wurde berichtet, dass die Übergriffe gegen Asiaten – die britischen Muslime stammen überwiegend vom Subkontinent – nach den Bombenanschlägen in der Londoner Mitte vom Juli 2005 exponentiell zunahmen.

Es hat vielfältige Auslöser für heftige antimuslimische Reaktionen in Großbritannien gegeben. Das Königreich beherbergt einige der radikalsten islamistischen Organisationen der Welt, solche wie die Hizb-ut-Tahrir. Das Land gab radikalen selbsternannten Imamen wie Omar Bakri Muhammad Zuflucht; Muhammad ist der Führer der inzwischen aufgelösten Muhajiroun. Und Großbritannien war der Schauplatz des ersten „homegrown“ Massenmord-Terrorismus von Islamisten. Seitdem war es Zeuge weiterer Verbrechen, so des fehl geschlagenen Komplotts Linienflugzeuge auf dem Weg in die USA zu sprengen und die kürzlich gescheiterten Anschläge in Glasgow und London. Als die Zensur-Kampagne wegen der Mohammed-Karikaturen begann, konnten die Londoner wütende Mobs sich in den Straßen ihrer Hauptstadt aufregen sehen, die die Enthauptung eines jeden forderten, der den Islam beleidigt. Was die Außenpolitik angeht, so zog Großbritannien in den letzten fünf Jahren gegen zwei muslimische Regime in den Krieg – die Taliban in Afghanistan und Saddam Husseins Regierung im Irak – und wurde beschuldigt es unterlassen zu haben Muslime Anfang der 1990-er Jahre vor ethnischen Säuberungen zu retten.

Es ist einleuchtend, dass vor diesem Hintergrund ein bedeutender Anteil der Briten das Gefühl haben mag – sicherlich unentschuldbar – dass Muslime geteilter Loyalitäten verdächtigt werden können und dass ihre Identität nicht damit in Einklang zu bringen ist, dass sie Briten sind. Und es mag genauso einleuchtend sein, dass einige Muslime aufrichtig wegen ihrer Loyalität Konflikte empfinden – besonders, wenn Teile der britisch-muslimischen Eliten diese Verbindung in ihrem Reden ermutigen und den Vorwurf erheben, dass die Außenpolitik die Grundursache des Extremismus ist.

Eine jüngst erfolgtre Umfrage bietet eine neue Sicht auf die Frage. Die gute Nachricht ist: Nach Erkenntnis der Harris Interactive/Financial Times-Umfrage denkt die Mehrheit der Briten – 59 Prozent – dass es „möglich ist Muslime und Brite zu sein“. Die schlechte Nachricht: 29 Prozent stimmen nicht zu. Doch immer noch kann man – angesichts der Umstände – diese Daten so interpretieren, sie heißen, dass die Briten im Großen und Ganzen tolerant bleiben. Das heißt, gegenüber Muslimen. In einer kürzlich von der Anti-Defamation League gesponserten Umfrage wurde ihnen eine ähnliche Frage zu Juden gestellt („Juden sind Israel gegenüber loyaler als gegenüber Großbritannien“) und 50 Prozent der Briten antworteten mit Ja.

Vorsichtig gesagt, ist das seltsam. Juden haben kein Problem gehabt sich im Königreich zu integrieren. Was Israel angeht, so entstammt seine verlässliche und solide Beziehung zu Großbritannien einer Übereinstimmung der Interessen und Werte. Jüdische Extremisten haben sich nicht in der Londoner U-Bahn in die Luft gejagt. Sie werben nicht die Errichtung einer globalen jüdischen Theokratie, die die Welt beherrscht – wie es Hizb-ut-Tahrir tut – und wenn Darstellungen ihres Glaubens und ihrer Bräuche sie wütend machen oder beleidigen, schreiben die Juden höchstens verärgert E-Mails und Leserbriefe, rufen aber nicht nach der Enthauptung derer, die das Judentum beleidigen. Trotzdem bezweifelt halb England ihre Loyalität.

Die britische Haltung gegenüber Muslimen könnte und sollte besser sein. Aber es ist die britische Haltung gegenüber den Juden, die wirkliche Intoleranz aufdeckt.

Werbeanzeigen