La farce continue

(Na, hoffentlich stimmt das da oben – meinen letzten Französischunterricht habe ich 1980 genossen…)

Letztes Jahr reichte ein Empfehlungsschreiben des damaligen französischen Präsidenten, um Charles Enderlin vom Sender France 2 einen Prozess gewinnen zu lassen, den dieser gegen einen anderen Franzosen wegen Verleumdung angezeigt hatte. Philippe Karsenty hatte – stark verkürzt formuliert – die Stirn zu behaupten, dass Enderlin und sein palästinensischer Stringer die Berichterstattung zum berühmtesten Kindersmord des Nahen Ostens „bearbeitet“ habe und eine Falschmeldung produziert hatte. Das Gericht hörte die Ausführungen der Anwälte des Beklagten, weiterhin die Aussagen von vier Experten und sah weder Enderlin, noch die veröffentlichten Bilder oder gar das Rohmaterial von France 2. Die Rechtsvertreter Enderlins bemühten sich gar nicht erst die Argumente Karsentys zu widerlegen (oder sich überhaupt damit zu beschäftigen). Dafür hatten sie zwei, drei Empfehlungsschreiben aus hohen politischen Ämtern der Fünften Republik (u.a. des Präsidenten Chiraq) dabei. Das genügte dem Gericht. Es sprach Karsenty der Verleumdung schuldig; Karsenty hätte seine Behauptung auf die Aussage einer einzelnen, dubiosen israelischen Medieneinrichtung gestützt, hatte der Richter wahrheitswidrig ins Urteil geschrieben. Was von diesem Urteil zu halten war, zeigte das Gericht selbst, indem es eine Strafe von 1 Euro verhängte.

Karsenty legte Berufung ein. Derzeit läuft dieses Verfahren. Die Richterin machte etwas Erstaunliches: Sie forderte das Rohmaterial an, das seit sieben Jahren bei France 2 lagern und zwischenzeitlich einmal wenigen ausgesuchten Personen gezeigt worden war. Zum Termin diese Woche erschien der König der französischen Nahost-Berichterstattung doch tatsächlich höchstpersönlich. Die vorzulegenden 27 Minuten Filmmaterial erschienen – gekürzt auf 18 Minuten. Monsieur hatte „nicht relevante Teile“ herausgeschnitten, was die Richterin nicht weiter kommentierte (vor einem US-Gericht wäre er damit auf der Stelle wegen Missachtung der Justiz verknackt worden). Prof. Richard Landes, einer derjenigen, die das gesamte Material zu sehen bekommen hatten, schreibt, dass wichtige Teile fehlen, die beweisen, dass von palästinensischer Seite Vorfälle gestellt werden – auch und gerade an diesem Tag an dieser Kreuzung.

Enderlin trickst also weiter und ist sicher keine Folgen befürchten zu müssen. Ob er damit durchkommt, steht noch in den Sternen. Es kann durchaus wieder so ausgehen wie im letzten Jahr. Es kann auch so sein, dass das Skandalurteil des letzten Jahres aufgehoben wird.

Nett auch, was so um den Prozess abläuft. Das französische Medien-Establishment läuft zu Partei ergreifender Höchstform auf und stilisiert Enderlin zum „neuen Dreyfus“ (Karsenty ist dessen Gegenspieler, der ihn zu Unrecht vernichten will). „Herrlich.“

Was sich insgesamt in Sachen Enderlin und France 2 gegen Karsenty derzeit tut, wie der Prozess abläuft und welche arroganten Hochnäsigkeiten die Fraktion Enderlin/France2 so drauf hat, kann man auf Richard Landes’ Blog The Augean Stables in allen Details nachlesen. Alles, was zur Affäre Mohammed al-Dura selbst an Fakten gibt, ist auf The Second Draft in Videos, Präsentationen und Texten (in Englisch) zu finden.

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