Das Leugnen breitet sich aus

Eric Trager, Commentary Magazine.contentions, 16. November 2007

In der gesamten muslimischen Welt wird Geschichte neu erzählt. Das berüchtigste Beispiel ist natürlich die Behauptung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der Holocaust sei ein „Mythos“, was einer Verschwörungstheorie neue Glaubwürdigkeit verlieh, die schon lange in der muslimischen Öffentlichkeit zirkuliert. Dank der ständigen Aufmerksamkeit jedoch, die die westliche Presse auf Ahmadinedschads Lügen verschwendet hat, ist das ein alter Hut. Und doch haben die westlichen Medien es versäumt eine weitere Verdrehung der Geschichte zu berichten, die plötzlich selbst in den liberalsten, dem Westen am freundlichsten gesinnten muslimischen Staaten Fuß fasst: dass die historischen Wurzen der Juden zu Jerusalem keine Grundlage in der Wirklichkeit haben, da sie als Teil einer weit gefassten zionistischen Verschwörung fabriziert wurden.

Diese Lüge fand gestern in Istanbul einen neuen Veranstaltungsort; dort wurde das dreitägige Al-Quds International Forum eröffnet. In der arabischen Presse war das eine Top Nachricht und die Leugnung der jüdischen Geschichte Jerusalems ein herausragendes Thema. Al-Jazeeras Schlagzeile verkündete: „Internationales Al-Quds Forum eröffnet mit Forderung nach Widerstand gegen die Judaisierung“, während die staatlich kontrollierte syrische Arab News Agency (SANA) gleichermaßen ankündigte: „Das Al-Quds Forum fordert die Notwendigkeit der Befreiung Jerusalems und stellt sich gegen Pläne seiner Judaisierung.“ Um der westlichen Presse gegenüber fair zu sein: Diese Story war leicht zu verpassen – die englischsprachigen Schlagzeilen zum Al-Quds Forum waren milder, während Al-Jazeera English es in typischer Manier ablehnte das Forum auch nur zu erwähnen.

Ob es in der New York Times erscheint oder nicht, einen Fehler sollte man nicht machen: Diese Konferenz ist zutiefst von Bedeutung. Der Vorwurf Israel „judaisiere“ Jerusalem über die Archäologie oder die Instandhaltung religiöser Stätten, ist im palästinensischen politischen Diskurs tief verwurzelt. Yassir Arafat und Hanan Aschrawi setzten die Terminologie der „Judaisierung“ 1996 ein, nachdem Israel den Hasmonäer-Tunnel in der Altstadt geöffnet hatte, der die Grundmauern des Zweiten Tempels offen legte. [heplev: Das ist so nicht richtig. Die östliche Begrenzungsmauer des Plateaus aus der Zeit Herodes ist zugänglich.] Im vergangenen Februar benutzten die Palästinenser „Judaisierung“s-Vorwürfe, um gegen die von Israel versuchte Reparatur der Zugangsrampe zum Mughrabitor zu protestieren, die zum Felsendom führt; ein Fatah-Sprecher beschuldigte Israel, es versuche die Moschee durch einen „jüdischen Tempel“ zu ersetzen. Damals fanden die Vorwürfe genügend Widerhall unter den muslimischen Öffentlichkeiten, dass Israel Webcams installierte, um zu beweisen, dass man die muslimischen heiligen Stätten nicht beschädigt. Die Aufregung schien sich danach abzukühlen.

Aber Verschwörungstheorien sterben im Nahen Osten nicht leicht. Der Vorwurf der „Judaisierung“ Jerusalems ist daher offiziell über die Palästinensergebiete hinaus geschoben worden. Das Al-Quds Forum in Istanbul – und die überwiegend positive presse, die es in der gesamten muslimischen Welt bekommt – zeigt, dass die Leugnung der historischen Verbindungen des Judentums zu Jerusalem eine Besorgnis erregende Legitimität gewonnen hat.