‚Land ohne Volk für ein Volk ohne Land‘

ElderofZiyon, 30. November 2007

Einer der frühesten Wahlsprüche des Zionismus, der sich in der Vorstellung der Befürworter eines jüdischen Staates festsetzte, war: „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land.“ Geprägt von Israel Zangwill,* beschwor er eine unwirtliche, leere Wüste, in der die fleißigen Juden einen modernen Staat aufbauen konnten.

Die auf Israel eindreschen benutzen dieses Zitat sehr gerne als Beweis für frühzionistische Verlogenheit, die die 400.000 Araber ignorierte, die am Beginn des modernen Zionismus in Palästina lebten. Zu einem gewissen Grad haben sie recht – gewiss gab es solche Leute – aber der Slogan war genauer, als sie behaupten.

Erstens gab es zwar Menschen dort, aber sie waren nicht „ein Volk“ – die damaligen Araber identifizierten sich mit dem arabischen Volk als Ganzem oder oft als Teil von Südsyrien – aber palästinensisch-arabischer Nationalismus kam erst auf, nachdem der Satz geprägt worden war und zu einem nicht allzu kleinen Teil als direkte Reaktion auf den Zionismus selbst.

Zweitens kann man kaum behaupten, dass das Land etwas anderes als dünn besiedelt war, wenn man bedenkt, dass heute rund zehn Millionen Menschen es schaffen in dasselbe Gebiet zu passen. Mit anderen Worten: Die Behauptung, dass der vorstaatliche Zionismus die bestehende arabische Bevölkerung verdrängte, ist schlicht eine Lüge, da das Ziel des Zionismus war dort zu bauen und Landwirtschaft zu betreiben, wo niemand lebte.

Und drittens ist es offensichtlich, dass die Juden ein Volk ohne Land waren, außer für die Eiferer, die den Juden verwehren überhaupt ein Volk zu sein.

Bei all der Empörung, die der Wahlspruch in arabischen Kreisen auslöst, weil er unmoralisch und aufhetzend ist, wurde er doch gestern vom Delegierten der Arabischen Liga bei den Vereinten Nationen benutzt, um ihm eine pal-arabischen Drehung zu geben:

Yahyah A. Mahmassani, ständiger Beobachter für die Liga der arabischen Staaten , verlas eine Botschaft des Generalsekretärs der Liga, Amre Moussa, in der er die äußerst wichtige Rolle des Komitees betonte. Der Internationale Tag der Solidarität [mit dem palästinensischen Volk] fiel mit dem neunzigsten Jahrestag der Balfour-Erklärugn zusammen, die den Weg für die expansionistische zionistische Politik ebnete, die dadurch ein Land ohne Volk und Volk ohne ein Land schuf – die Quelle des Konflikts, der bis zum heutigen Tag andauert.

Die Bigotterie und Heuchelei der arabischen Staaten ist hier wunderhübsch zur Schau gestellt:

  • Er geht über Millionen Juden hinweg, die heute in Israel leben und bezeichnet sie praktisch als nicht existent, unsichtbar, in einem „Land ohne Volk“ lebend. Gleichermaßen leugnet er die Tatsache, dass die Juden ein Volk sind.
  • Er datiert die Anfänge des palästinensisch-arabischen Flüchtlingsproblems auf 1917, nicht 1948; damit zeigt er die Meinung der Arabischen Liga, dass die bloße Existenz des jüdischen nationalen Strebens das Problem ist, nicht die Gründung des Staates und auch nicht die Flucht der ursprünglichen Flüchtlinge.
  • Er definiert die „Quelle“ des Konflikts auf 1917 und ignoriert, dass die arabische Gewalt gegen die Juden auf die Zeit vor Balfour zurückgeht und praktisch alle Angriffe danach Jahrzehnte lang nur in eine Richtung gingen. Mit anderen Worten: Nach seiner Ansicht war die Existenz der Juden in Palästina inhärent provokativ bis dahin, dass die armen Araber, die ohne freien Willen zu existieren scheinen, keine andere Wahl hatten als anzufangen die Juden zu massakrieren.

Und unabsichtlich:

  • Er gibt unterbewusst zu, dass es vor 1917 kein palästinensisch-arabisches Volk gab.

In diesem Fall des Versuchs von Arabern den Zionisten gegenüber Spieß umzudrehen, indem sie deren Sprache benutzen, beweist das nur ihre eigene Heuchelei und Bigotterie.

 

* Anmerkung heplev: Dieser Wahlspruch wurde zwar aufgebracht, aber er wurde nie in dieser Form übernommen. Schon Herzl bestand darauf, dass die indigene Bevölkerung Rechte hat und das wurde von der zionistischen Bewegung immer so gesehen.