Links nur Opfer, selbst die Täter

Universitäten in den USA sind ein Hort der Freiheit. Dort kämpft man für alle Unterdrückten, man kämpft gegen Unterdrücker, man ist gegen Diskriminierung und vor allem: man ist divers – also vielfältig, alle „Rassen/Ethnien“ gehören überall hin, auch in nicht proportionalen Verhältnissen, beschäftigt sich mit anderen Kulturen und Religionen und schützt sie. Und vor allem ist man für die freie Meinungsäußerung.

Das ist Toleranz. Vor allem die äußerlich, ethnisch und religiös Andersartigen müssen geschützt werden, sie sind Minderheit und werden deshalb leicht diskriminiert. Wenn die etwas tun, was dem weißen Normalbürger nicht zugestanden wird, dann ist das erklärbar und man muss sensibel damit umgehen, auf diese Person eingehen und ihr Verständnis entgegen bringen.

Nicht so unbedingt anders als bei uns allgemein auch, würde ich sagen.

Ebenso üblich ist das Ende der Toleranz, wenn als weiter „rechts“ stehend wahrgenommene Personen oder Organisationen eine andere Meinung vertreten. Diese gehören dann ausgesperrt, es werden massive Demonstrationen gegen sie organisiert und selbst physische Gewalt darf als legitimes Mittel angesehen werden, um den aus dem Reich des Bösen stammenden Meinungsdiktatoren und Gesinnungsschnüffler mit dem Ansinnen der Unterdrückung der freien Welt vom Zugang zur Öffentlichkeit, insbesondere der akademischen, zu verweigern. Die Öffnung der Diskussion durch das Vorhandensein mehrerer Standpunkt ist dem politisch anders Denkenden, wenn er weiter „rechts“ steht, dem konservativen Lager oder gar den Neocons zugeordnet werden kann (unabhängig davon, ob das stimmt), nicht zuzugestehen, weil diese furchtbaren Leute nur die Freiheit abschaffen wollen.

Mit dieser toleranten Haltung sieht man natürlich auch gerne, wenn Hass gegen die geliebten Minderheiten zu finden ist. Es gibt keine größere Empörungsmöglichkeit, als wenn diese Minderheiten oder ihre Verteidiger und Fans angegriffen werden, wie auch immer. Nun gibt es trotz aller Beschwörung der dramatischen Lage nicht gerade viele dieser Hassverbrechen, mit denen man dann die Öffentlichkeit gegen die bösen Rechten aufheizen kann. Mit dem Aufsehen kann die Öffentlichkeit aufrütteln, auf die Machenschaften der Unmenschen aufmerksam machen, deren Hass demonstrieren und verurteilen und die Gesellschaft in die richtige Richtung erziehen. Klasse!

Was aber, wenn die Macht des Bösen nicht den Stoff liefert, der für das Ansinnen des Guten gebraucht wird?

Nun, dann hat man zwei Möglichkeiten. Erstens kann man das Verständnis von Hassverbrechen so weiter entwickeln, dass bestimmte Ansichten schon so definiert werden können, dass diese per se schon verbrecherisch sind. Gedanken-Verbrechen, sozusagen.

Die zweite Möglichkeit – und auch die, die mehr Öffentlichkeit und Empörungspotenzial verspricht – ist die, tatsächliche Hassverbrechen zu machen. Gegen sich selbst, natürlich. So war eine Uni ziemlich in Aufruhr, dass auf die Zimmertür einer Studentin vom linken Fach immer wieder Hakenkreuze gemalt wurden. Die Polizei ermittelte sich einen Wolf und dann stellte sich irgendwann heraus, dass es die saubere Dame selbst war, die das Verbrechen an sich verübte – was natürlich nicht mit derselben Effektivität berichtet wurde (wenn überhaupt).

Darüber hinaus gibt es natürlich noch eine Möglichkeit, echte Hassverbrechen auszunutzen. Wir kennen das von Schröders „Aufstand der Anständigen“ (natürlich gegen „Rechts“, was dafür sorgte, dass auch CDU-Vertreter auf Anstands-Demos nieder gemacht und ausgepfiffen wurden, wenn sie denn überhaupt dort auftauchen durften), der sich an einem Mordversuch an Juden in Düsseldorf aufhängte – der nicht von Neonazis verübt wurde, sondern von zwei arabisch-muslimischen Migranten! Das war dann – natürlich? – nicht mehr Thema, schon gar nicht an der großen Glocke. Reflexhaft wird jede Tat, die nach Hassverbrechen aussieht, nach „Rechts“ geschoben. Und so sind inzwischen mehrfach „Autonome“ dabei erwischt worden, wie sie in „rechten“ Demonstrationen die Nazis gaben, damit die Gutmenschen-Szene sich auch anständig gegen die Gegner des Multikulturalismus empören kann.

Aber was, ist, wenn ein Hassverbrechen statt findet und das nun überhaupt nichts mit Rassismus, Neocons und bösen Rechten zu tun hat – und man das auch herausfindet? Wo liegen die Ursachen für die Tat? Bei den „Rechten“ ist klar, dass Ideologie und Boshaftigkeit zu ihrem bösen Tun führen. Für Angehörige der geliebten Minderheiten kann und darf das nicht gelten. Die sind immer Opfer. Opfer der Gesellschaft. Auch und gerade als Täter. Denn sie können nur aus Verzweiflung und Benachteiligung so handeln.

Und so ist auch der schwarze Feuerwehrmann, der in Baltimore eine Henkerschlinge und eine rassistische Notiz an seine Feuerwache hängte, lediglich Opfer seiner Umgebung (also der Gesellschaft) – so jedenfalls ein Vertreter der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People): „Es macht uns wirklich traurig zu hören, dass die Dinge offenbar eine Ebene erreicht haben, dass selbst ein Afroamerikaner ein Ungerechtigkeit gegen sich selbst und sein Volk verübt, als Ergebnis einer negativen Kultur in diesem Amt.“

Man kann alles drehen und wenden, bis es passt. Hauptsache, das Ergebnis stimmt und der Täter von der falschen Gruppe wird zum Opfer.

Kennen wir auch hier, oder? Herr Ermyas beispielsweise wird gerne immer noch als Opfer dargestellt, auch wenn die Justiz das inzwischen anders sieht und die fulminante Rechtsradikalität der Provozierten nicht weiter kolportiert wird. Die Denkrichtung muss stimmen. Der Rest kommt von alleine. Die dumme Herde namens Volk wird sich gerne leiten lassen.