Warum den Heuchlern Futter geben?

Innerhalb der letzten Woche ist mir aufgefallen, dass der eine oder andere (Blog, Kommentator) sich etwas missverständlich äußert, wenn es um antisemitische Übergriffe geht. Das problematische Phänomen lässt dazu neigen, könnte man meinen. Dumm aber, wenn die Schreiber selbst dafür sorgen, dass sie falsch interpretiert werden können, also denen, die ihnen übel wollen, die Munition besorgen.

„Nicht die Neonazis sind das Problem“, hatte ein „offizieller Jude“ (also: Vertreter eines jüdischen Vereins) gesagt. Daraus sind einige Stilblüten entstanden, die jetzt in einer Überschrift bei protect-israel.ch ihren Höhepunkt fanden: „Nicht die Nazis sind Schuld“ titelte Iceman am gestrigen Nikolaustag.

Unglücklicher kann man sich wohl kaum verformulieren. Wer den Text liest, merkt natürlich schon, wo der Autor steht und worum es geht: dass heutzutage der gelebte und manifestierte Antisemitismus in erster Linie von Jüngern des Propheten vom grünen Halbmond zu vermelden ist, weit mehr als von Neonazis. Das ist eine Tatsache und hat nichts mit Feindseligkeit gegenüber dem Islam zu tun. Was aus dieser Erkenntnis folgt, ist die zweite Frage.

Und hier setzen die „Kritker“ der islamkritischen Seiten und Autoren an. Sie haben selten den Nerv sich wirklich mit den Argumenten der Islamkritiker auseinanderzusetzen, sondern versuchen auf der emotionalen Schiene, auch und gerade mit unvollständigen Informationen, Stimmung zu machen. Eine Überschrift wie die bei protect-israel.ch spielt ihnen voll in die Hände.

Die Aussage, dass „die Nazis nicht Schuld“ sind, kann so eigentlich nicht stehen bleiben. Sie führt jeden Leser erst einmal in die Irre. Sie steht viel zu komplex im Netz, um eine vernünftige Aussage zu sein. Und selbst in Bezug auf das begrenzte Thema des heutigen Antisemitismus wäre sie in dieser Weise falsch. Denn die heutigen muslimischen Antisemiten haben bei den Nazis viel gelernt, ihren eigenen Judenhass „kultiviert“, ideologisch untermauert und bedienen sich der Bilder, Stereotypen und Methoden, die sie von den Nazis nicht nur in den 1930/40-er Jahren, sondern auch in den Jahrzehnten danach noch gelernt hatten (als Nazi-Ideologen in der arabischen Welt Zuflucht fanden und ihre Gastgeber mit allem versorgten, was die zu ideologisiertem Judenhass noch brauchten). Insofern sind die Nazis auch hier mit schuldig an dem, was sich beispielsweise auf Fußballplätzen abspielt.

Richtig ist, dass die (Neo-)Nazis hier nicht das Problem sind. Sie sind zum Glück eine Minderheit, die man in den Griff bekommen kann, wenn man sich des Problems ernsthaft annimmt. Das Problem sind die zunehmenden Zahlen judenfeindlicher Muslime, die diesem Judenhass zu jeder „passenden“ und unpassenden Gelegenheit freien Lauf lassen. Dieses Problem muss dargestellt, in den richtigen Rahmen gebracht und ihm gegengesteuert werden. Ohne falsche Rücksichtnahmen auf „kulturelle Hintergründe“ und Herunterspielen des Problems. Nennt das Problem beim Namen, aber bitte beim richtigen und ohne missverständliche Formulierungen.

Hierbei geht es nicht darum, auf Teufel komm raus zu vermeiden, was die Halal-Hippies und politisch korrekten Multikultis argumentativ ver- oder gar umdrehen könnten – das kann keiner vernünftig formulieren und es würde nicht gelesen. Es geht um so offensichtliche Fehlgriffe wie die oben angeführte Überschrift. Die Emotionalisierer entblößen ihr schräg-idiotisches Denken, wenn sie aus einer Aussage das Gegenteil ihres Inhaltes machen. Bei Munition wie „Nicht die Nazis sind Schuld“ brauchen sie nichts zu verdrehen, um ihr Schlachtfest erfolgreich zu gestalten.

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3 Gedanken zu “Warum den Heuchlern Futter geben?

  1. Du hast – wie so oft – absolut recht, aber wenn wir schon das Stilistische betrachten: Der Gebrauch von Wörtern wie bspw. „Halal-Hippies“ und „Musels“ ist m.E. auch nicht verständnisfördernd.

  2. Richtig ist, dass die (Neo-)Nazis hier nicht das Problem sind. Sie sind zum Glück eine Minderheit, die man in den Griff bekommen kann, wenn man sich des Problems ernsthaft annimmt.

    …ja, wenn man sich des Problems annehmen würde, wären sie keines. Macht man aber nicht – sowohl was die Strafverfolgung als auch den Polizeieinsatz betrifft. Man ist also genauso wenig engagiert wie in der Auseinandersetzung mit dem politischen Islam.

    Hier von der schieren Zahl auszugehen und ein „Weniger“ oder „Mehr“ in den Raum zu stellen, halte ich für höchst gefährlich. Es geht nicht alleine um Quantität der Bedrohung, sondern um die Qualität. Und die ist an den politischen Rändern genauso stark wie beim Islam.

    Man kann das Eine tun ohne das Andere zu lassen – Also die politischen Ränder und den radikalen Islam gleichzeitig bekämpfen. Wenn hier ein Ungleichgewicht in der gesellschaftspolitischen Beurteilung entsteht, führt das zum Erstarken der Kräfte, die wir alle hoffentlich nicht wollen.

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