Interessant? Ja, aber nur, weil die Juden es haben

Der WDR definierte heute Morgen Har Homa so: „eine Siedlung nördlich von Bethlehem“. Dass es sich um ein Stadtviertel von Jerusalem handelt – uninteressant. Dass es sich um ein Gebiet handelt, wo sich nie Araber niedergelassen haben – aber den Juden gefälligst abgesprochen wird. Eine Stelle, keinen interessiert hat – bis die Juden anfingen dort zu bauen.

Es handel sich um ein typisches Muster im Nahen Osten. Jeder Fleck Land wird völlig ignoriert, egal, wie „heilig“ oder sonstwie er eigentlich vielleicht unter Umständen interessant sein könnte. Das fing schon bei den ersten Juden an, die im 19. Jahrhundert aus Russland ankamen. Die kauften Land – zu völlig überhöhten Preisen. Land, das niemand wollte, das von allen Arabern als völlig unbrauchbar angesehen wurde. Sie machten das unbrauchbare Land urbar, verwandelten z.B. Sümpfe in Äcker. Heute heißt es, die Juden hätten den Arabern das Land genommen.

So ging es Jahrzehnte weiter. Juden kauften Land von Arabern – und mussten es unter Lebensgefahr in Besitz nehmen oder später, wenn es nicht mehr „unbrauchbar“ war, verteidigen. Es war interessant geworden, weil es auf einmal Wert bekam. Werte konnte man den Juden nicht genehmigen.

Die Juden haben niemandem Land weggenommen. Sie haben es rechtmäßig erworben. Sie haben sich dort niedergelassen, wo freies Land war. Land, das keinem Araber wert schien es zu besitzen, oder zu besiedeln. Öde.

Das war in der Mandatszeit so. Das war auch nach 1967 so. Und es war mit Har Homa so. Eine Müllkippe, bestenfalls. Nichts, das irgendjemandem irgendwie der Rede wert gewesen wäre. Bis die Stadt Jerusalem dort Häuser bauen wollte. Seitdem gibt es ein Geheule und Gezetere. Aber erst seitdem.

Wie üblich, selbst mit den „heiligen“ Orten der Araber. Wie war es mit dem Felsendom, bis Juden nach „Palästina“ einwanderten? Er verfiel, sah abgewrackt aus und eine Moschee irgendwo, wo niemand hin wollte (die Juden stellten zwei Drittel der Bevölkerung Jerusalems, die arabische Christen gab es immer noch doppelt so viele wie Muslime). Erst in den 1920-er Jahren wurde die Kuppel des Felsendoms renoviert – nachdem Juden im Mandatsgebiet für steigenden Wohlstand in der Normalbevölkerung sorgten und der Mufti von Jerusalem Stimmung gegen die Juden schürte, islamisch-antisemitische Hetze betrieb und Geld sammelte, um alte Herrlichkeit wieder herzustellen.

Der saudische König klagte nach dem Sechs-Tage-Krieg, er könne nicht mehr in der Al Aksa-Moschee beten – ohne das bis dahin jemals getan zu haben. Jerusalem war uninteressant, der Tempelberg mit den Moscheen war völlig uninteressant, so lange die Juden nicht die Hand drauf hatten. Auf einmal aber wird der Ort interessant und fehlender Zugang beklagt; das allerdings ohne je ausprobiert zu haben, ob die Israelis ihn wirklich nicht dort hin lassen würden.

Das Muster lässt ich beliebig fortsetzen. So lange die Juden nichts damit zu tun hatten, war jeder leere Platz im Land Israel (Mandatsgebiet Palästina) uninteressant, keiner kümmerte sich darum. Bis Juden sich darum kümmerten. Auf einmal ist dieses Fleckchen Land das wichtigste des Universums. Die Juden haben es „gestohlen“, Araber vertrieben, ihnen Rechte genommen. Und so kam ein US-Präsident mit Vorliebe für weibliche Lippen in seinen unteren Körperregionen dazu zu behaupten, die Israelis hätten geglaubt in ein leeres Land zu kommen, dann aber eine einheimische Bevölkerung vorgefunden, der sie nichts hätten wegnehmen dürfen. Und weil Billy Boy das sagte, gilt es heute als unverrückbar wahr. Die Lüge hat ihren offiziellen Segen der Welt erhalten. Und vor diesem Hintergrund wird dann auch ein Stadtteil von Jerusalem zu einer „Siedlung nördlich von Bethlehem“, statt einer ehemaligen „Müllhalde“, die von niemandem benutzt wurde.