Das Maß ist gut gefüllt

In Paris waren sie wieder mächtig beschäftigt Frieden zu schaffen, indem sie den Terrorristen für die nächsten Jahre ihr Auskommen sichern. Dabei machte meine Lieblings-US-Außenministerin wieder mal Dampf – gegen Israel. Natürlich nicht alleine, denn sie schloss sich einfach den Mitgliedern des Nahost-Quartetts an, um Israel einen förmlichen Tadel zu verabreichen. Gibt’s also was Neues unter’m Nahost-Konflikthimmel? Nö, eigentlich nicht. Aber vielleicht fällt jemandem etwas auf?

„Das Quartett forderte beide Seiten auf Fortschritte bei ihren Verpflichtungen in Phase 1 der Roadmap zu machen, einschließlich eines israelischen Einfrierens der Siedlungen, Entfernung nicht genehmigter Außenposten und Öffnung von Institutionen in Ostjerusalem“, sagte die Gruppe in einer gemeinsamen Erklärung.

Was die palästinensische Seite angeht, so drängte sie auch „Schritte zu unternehmen, die Gewalt, den Terrorismus und die Hetze zu beenden“, für die der Westen die militante Gruppe Hamas verantwortlich macht und nicht die Regierung von PA-Präsident Mahmud Abbas, der sich in Paris aufhielt.

Hach, was sind wir wieder schön ausgewogen! Beide Seiten kriegen ihr Fett weg. Wir sind so unparteiisch! Wir sind Klasse!

Wirklich? Wenn beide Seiten kritisiert und aufgefordert werden, wie setzt sich das in der Praxis um? Wer unparteiisch sein will, muss heutzutage beiden Seiten die Leviten lesen, gleichermaßen, damit keiner den Vorwurf erheben kann man sei einseitig. Richtig? Zumindest nach dem heutigen Selbstverständnis. Und besonders, wenn man bei den Palästinensern etwas erreichen will.

So weit, so falsch. Diese Art von Selbstverständnis gründet auf der Fehlannahme, dass beide Seiten gleich falsch liegen, gleich schlimm sind oder gleich unartig. Dass eine Seite es nicht ehrlich meint, wird nicht in Erwägung gezogen. Dass die andere Seite alle Forderungen von sich aus erfüllen würde, wenn die eine ihre völkermörderischen Ziele aufgeben würde, kommt auch niemandem in den Sinn. Es muss auf Teufel komm raus so sein, dass beide Seiten gleich schlimm sind.

Leider bleibt es nicht bei dieser unsäglichen Gleichmacherei. Im Gegenteil, das „Quartett“ geht viel weiter. Denn während einerseits den Israelis sehr konkret gesagt wird, was sie gefälligst zu tun haben, um ihre Bevölkerung stärker in Gefahr zu bringen, bekommen die Herren Abbas et. al. gerade mal sehr allgemein und wenig konkret ausgeführte Forderungen vorgelegt. Hier sehr genaues „Einfrieren, Entfernen, Aufheben“, dort pauschale „Schritte“, die nicht weiter ausgeführt werden. Kein Festnehmen von bestimmten Personen, keine konkreten Aktionen zur Beendigung von pal-arabischem Terror. Und vor allem: Keine Kritik an Mahmud Abbas und seinen Fatah-Terroristen. Nach neuem westlichen Grundsatzglauben ist lediglich die Hamas für Terror zuständig; die übrigen Truppen (Palästinensischer Islamischer Jihad, PFLP, DFLP usw.) werden gar nicht erst ins Kalkül gezogen. Und schon gar nicht in Forderungen zur „Beendigung der Gewalt, des Terrorismus und der Hetze“ konkretisiert. Das könnte ja dazu führen, dass man demnächst nicht mehr behaupten könnte die Fatah-Terroristen täten alles, um die Hamas-Terroristen in die Schranken zu weisen und Frieden zu schaffen.

Muss man sich darüber wundern? Wohl kaum. Wer eine Fatah als (einzigen) Friedenspartner propagiert und gebetsmühlenartig wiederholt, der verschließt auch die Augen davor, dass die Fatah seit längerem die meisten Terroranschläge gegen Israelis durchführt, dass die Fatah seit 1993/94 die Hetze gegen Israel bestimmt und es die Fatah ist, die nicht weniger als die Hamas Gewalt gegen die eigenen Leute ausübt.

Schlimmer als dieses erbärmliche Bild des Westens – Dank Frau Rice inzwischen inklusive der USA – ist nur noch die Vorstellung, die Ehud Olmert samt seinem Mauschelkabinett abliefert. Muss es da wundern, dass sich in Washington Rice und ihre Außenministeriums-Gehässigkeiten durchsetzen, wenn nicht einmal die Repräsentanten Israels sich dem entgegen stellen?

Das Maß ist voll. Es quillt über. Und stinkt. Weil es sich wieder ausschließlich gegen Israel richtet und den Terroristen freie Hand lässt.