Lügen dominieren alles

Wie sehr Lügen, Mythen und Unwissen samt eingeimpftem Feindbild die Sicht auf den Nahost-Konflikt bestimmen, kann man sehr schön anhand einer Karikatur aufzeigen, die ein Jonathan Shapiro alias Zapiro aus Südafrika für den Mail & Guardian erstellte:

Shapiro in Mai&Guardian

Hier wird alles auf den Kopf gestellt, was an Fakten vorhanden ist. Das obere Bild wird betitelt mit „1967: der Mythos von 40 Jahren.“ Der kleine Steinschleuderer-David ist „das heldenhafte Israel“, der vom Stein getroffene Goliath die „arabische Aggression“. Laut Shapiro alles Lüge, denn in Wirklichkeit war es so, wie auf dem unteren Bild zu sehen: „1967: Was wirklich geschah“ – „von den USA finanzierte israelische Macht“ lässt einen riesigen Stein auf den kleinen, harmlosen Schwertschwinger fallen. Auf dem Stein steht: „geplanter Landraub“.

Schauen wir mal nach. Die Israelis haben also alles lange geplant und sind die Aggressoren? Hm, warum hatten denn Ägypten und Syrien ein Militärbündnis geschmiedet, das sich nur ein Ziel gesetzt hatte: die Juden ins Meer zu treiben? Warum hatte Nasser die Straße von Tiran gesperrt – ein klarer Kriegsakt gegen Israel? Warum hatte Nasser die UNO-Friedensschützer aus dem Sinai wegbefohlen? Warum wurden die ägyptischen Truppen an der Grenze zu Israel massiert, die der Syrer auf dem Golan (von dem sie ohnehin seit 19 Jahren eifrig auf Juden schossen)? Warum ließ die israelische Regierung dem kleinen König im Osten immer wieder vermitteln, er solle sich aus dem Krieg heraushalten?

So weit nur das, was den Vorlauf und den Kriegsbeginn angeht. Mal abgesehen von der Zahl der Panzer, Flugzeuge, Geschütze und Soldaten, die Israel einerseits, seine arabischen Feinde andererseits aufbieten konnten. Hinterher bot Israel „Land für Frieden“ an. Wieso? Weil es sich alles einverleiben wollte? Warum hat es dann den Sinai 1979-81 an Ägypten zurückgegeben? Und wenn die Araber die Opfer waren, warum haben sie dann in Karthoum die berühmten „drei Nein“ formuliert: Keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels und kein Frieden mit Israel. Wie lässt sich das mit den Behauptungen dieser Karikatur vereinbaren?

Nun zu etwas weniger „emotionalen“ Fakten, die heute keiner mehr kennen will: den USA als Finanzier des „jüdischen Gebildes“. Die Amerikaner haben sich schon bei der Resolution zur Staatsgründung sehr zurückhaltend verhalten. Lediglich die Standhaftigkeit von Präsident Truman hat dafür gesorgt, dass die USA für den Teilungsplan stimmten. Die professionellen Diplomaten im US-Außenministerium waren vehement dagegen. Diese bestimmten auch weiterhin weit gehend das Verhalten der USA gegenüber Israel – das eher ablehnend war. So waren es die USA (zusammen mit der Sowjetunion), die dafür sorgten, dass Israel den Sinai-Feldzug mit einem propagandistischen Sieg Nassers beendete und sich ohne jegliche Zugeständnisse der Verlierer zurückzog. Israel fragte Ende der 1950-er Jahre in den USA an, ob sie den Militärtransporter Lockheed C-130 Hercules kaufen könnten. Die USA lehnten ab und überließen den Israelis völlig veraltete und in ruinösem Zustand befindliche Boeing C-97, die mit den modernen Flugzeugen der anderen Nahost-Mächte überhaupt nicht Schritt halten konnten und von der US Air Force längst ausgemustert waren. Israel musste sie erst aufwändig in Stand setzen und modifizieren, damit sie in der gedachten Rolle überhaupt einsetzbar waren. Die Flugzeuge wurden von der IAF ab 1962 übernommen und bis 1978 eingesetzt. Von amerikanischer Stütze für Israel kann keine Rede sein.

Statt dessen war Frankreich Haupt-Ausrüster – bis 1967, als es wegen des (drohenden und dann auch noch unverschämt erfolgreichen) Krieges ein Embargo gegen Israel verhängte. Die israelische Luftwaffe war ausschließlich mit französischen Kampfflugzeugen ausgerüstet, von denen sie allerdings einen ganzen Haufen trotz Bezahlung gar nicht mehr erhielt – die Franzosen boykottierten Israel, damit die Araber ihnen nicht böse wurden.

Am Boden wurden von der IDF noch amerikanische Sherman-Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Ha, jetzt haben wir sie erwischt, die Amis! Klar, die WK II-Fuhrwerke waren ja auch völlig up-to-date, oder? Nun, die Israelis hatten sie modifiziert, aber die Amerikaner hatten sie ihnen in der Sicherheit verkauft, keinerlei modernes Gerät abgegeben zu haben. Da waren die Araber mit ihren russischen T-Panzern weit besser ausgerüstet. Ohne die erfolgreich eroberte Lufthoheit und effektiven Luft-Boden-Angriffen auf die arabischen Panzerkolonnen hätten die Israelis keine Chance gegen die Völkermord-Ambitionen der Syrer, Ägypter und Jordanier gehabt.

Amerikanische Hilfe für Israels Aggression? Nicht haltbar. Die dumme Ignoranz des Herrn aus Südafrika – oder seine völlig stumpfsinnige Unwissenheit – sind deutliche Hinweise darauf, dass „Israelkritik“ heutzutage nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern sich deutlich nur aus Vorurteilen, Hass und einer Mischung aus Lüge und Unkenntnis nährt.

Die Amerikaner sind erst nach 1967 zum Lieferanten Israels geworden. Und selbst da haben sie noch lange nicht aktuelles Material verkauft, sondern beispielsweise Flugzeuge, die sie selbst schon ersetzten. Erst durch den nächsten versuchten Vernichtungskrieg vom Oktober 1973 gingen einigen Verantwortlichen in den USA die Augen auf und Israel bekam „state-of-the-art“-Waffen aus Amerika geliefert. Aber nicht ohne Fußfessel. Der von Israel in den 1980-er Jahren entwickelte Kampfflieger „Lavi“ wurde „aus Kostengründen“ nicht gebaut – in Wirklichkeit aber auf Druck der USA ins Museum geschickt, die die zu große Konkurrenz für ihre F-16 sahen, der die Lavi weit überlegen gewesen wäre. Der Verkauf von israelischem Radargerät für AWACS-Zwecke wurde durch massiven Druck der USA unterbunden – Israel durfte den Amerikanern keine Konkurrenz machen. El Al hatte – nach einer Umfrage unter ihren Passagieren – bei Airbus praktisch so schon bestellt, es fehlte nur der Kaufvertrag für Passagier-Flugzeuge der A320-Klasse – und dann kam Präsident Clinton nach Israel und El Al bestellte doch wieder Boeings. Den neuen Super-Kampfflieger F-35 werden die Israelis zwar wohl auch bekommen – aber sie werden keine eigene Avionik und sonstiges Gerät einbauen, wie sie es bei ihre F-16 und F-15 gemacht haben, mit denen sie bei gemeinsamen Übungen sämtliche NATO-Flugzeuge „vom Himmel holten“. Die USA mögen der Hauptlieferant der israelischen Streitkräfte sein; sie mögen Israel mehr Finanzhilfe geben als den Ägyptern. Aber sie tun nichts ohne Gegenleistung. Sie tun nichts davon, ohne Israel Fesseln anzulegen und Druck auszuüben, der den jüdischen Staat gefährdet.

Die Karikatur am Anfang ist eine unverschämte Lüge. Und selbst heute wäre sie so weit weg von der Wahrheit wie der Süd- vom Nordpol.

2 Gedanken zu “Lügen dominieren alles

  1. So was Läppisches. Keine einzige eigene gedankliche Leistung. Nur ausgekotzte Sprüche und Phrasen..

  2. Ach ja, die antiisraelische Propaganda-Maschine kann mal wieder nicht mit Fakten umgehen. Und wer mit Fakten nicht kommen kann, der behauptet von seinen Gegnern das, was er selbst veranstaltet – wo sind denn ihre Argumente statt der „Sprüche und Phrasen“, Herr Schneeberg?

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