Gaza ist besetzt! Aber von wem?

DryBones vom 11. Februar 2008Am 30. Januar 2007 entspann sich bei der UNO ein bizarrer Trialog. Das geschah bei einem Briefing eines Sprechers des UNO-Generalsekretärs (Ban Ki-Moon, gerade in Amt und Würden) und einer Person aus dem Journalisten-Pool. Das betreffende Frage-und Antwortspiel ist keine Satire, sondern findet sich auch auf der Internetpräsenz der UNO und ist tatsächlich so passiert:

Frage: Sie verlasen vorhin eine Erklärung zur Situation im Gazastreifen. Ich weiß, es ist schwierig die Terminologie zu ändern, aber wir haben jetzt einen neuen Generalsekretär, also lassen Sie mich das noch einmal versuchen. Eineinhalb Jahre, nachdem der letzte Israeli aus dem Gazastreifen abzog, bezeichnet das UNO-System den Gazastreifen immer noch als Besetztes palästinensisches Gebiet. Die einzigen Leute, die derzeit im Gazastreifen nicht Palästinenser sind, sind UNO-Leute. Wollen Sie damit sagen, dass der Gazastreifen von der UNO besetzt ist?

Sprecher: Definitiv nicht.

Frage: Von wem ist er denn jetzt besetzt?

Sprecher: Nun…

Korrespondent: Ich denke, es gibt einige israelische Soldaten an der Grenze…

Frage: Nicht Grenzen, von wem ist der Gazastreifen besetzt?

Sprecher: Traditionell ist das die Terminologie, die wir benutzt haben. Ja?

Frage: Aber die Situation vor Ort hat sich geändert, seit Israel aus dem Gazastreifen abzog.

Sprecher: Ich werde das nachsehen.

Korrespondent: Danke.

Wie beschrieben: Das war im Januar 2007. Vielleicht, spottet Ami Isseroff, sieht der gute Mann immer noch nach, denn die UNO hat nie eine Erklärung abgegeben, dass der Gazastreifen nicht besetzt ist oder die eine auf dem internationalen Recht fußende Benutzung des Begriffs rechtfertigt.

Eine Rechtfertigung gibt es dafür nicht. Denn dem Beispiel der UNO folgend (oder es bestimmend?) schwadronieren andere Organisation, vor allem die selbst erklärten Menschenrechts-Organisationen wie Human Rights Watch, auch vom „besetzten Gazastreifen“, wider alle Fakten z.B. aus der Definition besetzter Gebiete in der Haager Landkriegsordnung von 1907 (s. Link oben).

Die UNO wird immer gerne als Vorbild genommen. Wenn von ihr Blödsinn kommt, dann hat das Vorbildfunktion und jeder Idiot übernimmt es. Da sollte man erwarten können, dass dort wenigstens korrekte Begriffe verwendet werden und man nicht solch einen Unsinn verbreitet. Und nach inzwischen fast drei Jahren sollten die Herrschaften sich doch wohl endlich zumindest mal wissen, was sie nun wirklich meinen und ihren Versprechen nachkommen. Aber das schafft ein bürokratischer Wasserkopf wohl nie. Diese „Weltgemeinschaft“ taugt nichts!