Kinderparadies Gazastreifen

Meine Großeltern stammen von der Elbe, aus dem heutigen Brandenburg, also vom Ostufer, sozusagen. Großmutters Eltern hatten dort eine Gaststätte mit Pensionsbetrieb, den sie und Großvater nach dem zweiten Weltkrieg übernahmen. Den hatten sie weder von den Sowjets noch von der SED abgenommen bekommen. Sie hatten sich vorher schon einmal mit den Nazis arrangiert und jetzt hätten sie es auch mit den Kommunisten getan. Wären da nicht ihre Kinder gewesen. Die Kommunisten wussten, dass meine Großeltern sie nicht ausstehen konnten. Das machte ihnen aber nichts. Und das ließen sie sie auch wissen – samt Grund: „Wir wissen, dass wir euch nicht kriegen können. Aber eure Kinder, die haben wir.“

Das war für meine Großeltern der Auslöser den „Arbeiter- und Bauernstaat“ gen Westen zu verlassen. Getrennt und mit einem Besuch bei Verwandten in Berlin ließen sie alles hinter sich, was ihnen wert und teuer war. Damit ihre Kinder nicht den Extremisten in die Hände fielen.

Meine Großeltern hatten Glück. Sie hatten die Möglichkeit zu gehen – die Mauer stand noch nicht und die Kommunisten konnten ihnen den Sektorenübertritt nicht verweigern, weil die Verwandten in Westberlin tatsächlich existierten. Andernfalls hätten ihre Kinder doch im „real existierenden Sozialismus“ aufwachsen müssen.

Nicht nur in der „DDR“ hat es jede Menge Menschen gegeben, die selbst für die Kommunisten nicht erreichbar und lenkbar waren. Aber oft, sehr oft, haben nicht nur die Gewaltherrscher, sondern auch die jeder anderen Farbgebung die Kinder ihrer Nicht-Anhänger prägen und verheizen können. Das war bei den Nazis so, die in Schule und HJ bzw. BdM die Kinder gegen ihre Eltern aufhetzten oder sie zumindest den Eltern entfremdeten; das ist in jedem anderen totalitären System so. Und es erstreckt sich nicht nur darauf die Kinder ideologisch zu prägen. Es gibt auch unter diesen solche, die das nicht mitmachen mögen. Dann bedient man sich eben anderer Mittel.

So auch die Hamas im Gazastreifen. Dort ist es anscheinend üblich geworden, dass die „Executive Force“, die von den Terrorchefs eingeführten „Sicherheitskräfte“ sich derer annehmen, auch der Kinder, die nicht auf Linie zu sein scheinen. So berichtet der Guardian:

Die bewaffneten Männer, die den achtjährigen Schahab al-Akhras an einer Straßenecke in Rafah angriffen, bedeckten ihre Gesichter mit Balaclavas. Der für sein Alter kleine Schahab trug die Hata, das schwarz-weiß gemusterte Tuch, das man mit der Fatah verbindet – der Partei, die einst vom verstorbenen Yassir Arafat geführt wurde.

Die vier Männer drückten ihn am Neujahrstag in eine Ecke und prügelten auf seine Hände ein; sie trugen die Uniformen der Executive Force der Hamas, die heute der tödliche Rivale der Fatah ist. „Sie zogen mir die Schuhe aus und stellten sie auf das Tuch und dann trampelten sie darauf herum“, sagte er. „Dann sagen sie mir, ich solle meine Arme nach vorne strecken und schlugen mich mit einem Stock. Sie sagten, wenn sie mich noch einmal das Tuch tragen sehen, dann würden sie mir in die Beine schießen. Ich hasse sie!“

Der interne Kampf zwischen der islamistischen Hamas und der Fatah-Bewegung im Gazastreifen, den die Hamas nach drei Tagen der Kämpfe im letzten Juni gewonnen glaubte, ist wieder hochgekommen. Während Gewalttaten weiterhin von Erwachsenen beider Seiten begangen werden, geht der Kampf nun um die Kinder von Gaza…

Schahab al-Akhras ist bei weitem kein Einzelfall. Berichte deuten darauf hin, dass Teenager verhaftet und bedroht oder ihre Familie bedroht werden. Ahmed Arawar (16) spielte Fußball in einer sandigen Gasse. Seine Geschichte ist typisch. „Die Executive Force verhaftete mich letztes Jahr am Arafat-Denkmal und schlug mich zusammen.“ Er trug die Hata und versuchte ein Bild an die Wand zu malen. Sein Freund Faris Bakr sagte: „Ich gehöre zur Fatah, weil ich dort herkomme. Ich habe keine Angst vor der Hamas.

Iyad Sarraj macht eine größere Frage als die einfache von konkurrierender Politik – und Parteikämpfen – für das Geschehen verantwortlich. Denn Kinder, die den Zusammenbruch der familiären Beziehungen erlebten oder den Respekt vor Vätern verloren, die vor ihren Augen geschlagen oder bedroht wurden, bieten die Parteien – so glaubt Sarraj – Schutz, Gewissheit und Disziplin. „Die Hamas zum Beispiel dient als Clan“, sagt er. „Sie ist eine neue Familie. Sie bietet den Kindern, die ihr folgen, Schutz. Sie bietet eine Identität.“

Die Sache mit den Clans ist enorm wichtig; man kann die Geschichte der palästinensischen Araber nicht verstehen, wenn man die Clans – oder historisch gesehen: die Stämme – nicht begreift. Der durchschnittliche palästinensische Araber tendiert dazu sich weit mehr mit seinem Clan zu identifizieren als mit der Nationalbewegung. (Daniel Pipes hat erst Ende Januar eine Kolumne zum Elend der arabischen Stammeskultur geschrieben.) Die Hamas versucht sich einen neuen, größeren Clan oder Stamm aufzubauen. Dazu braucht sie die Kinder auch derer, die ihr nicht angehören. So wird durch Medien, Schulen, Moscheen und Gewalt versucht, diese Kinder für sich zu gewinnen, selbst gegen deren Willen. Damit vergrößert sie ihre personelle Basis und entzieht diese gleichzeitig dem Gegner.

Wie bei den Nazis, wie bei den Kommunisten sind die Kinder die wichtigsten Elemente der Gesellschaft, die aufgebaut werden soll. Selbst wenn die Eltern nicht gewonnen werden, die Kinder müssen sie in die Hände bekommen. Wir können das auch in Afrika sehen. In weiteren totalitären Systemen ist das zu erkennen. Mit aller Gewalt (und das auch im wahrsten Sinne des Wortes!) werden die Kinder in die Reihen der Tyrannen geholt. Das „Paradies“ wird ihnen vorgegaukelt. Manchmal ist es schon „Paradies“, wenn man nicht mehr drangsaliert, geschlagen, gefoltert wird. Ein Beispiel-Paradies gibt es im Gazastreifen. Die MSM sehen aber weg. Ihre Menschenrechts-Berichterstattung übersieht das genauso, wie ihre Frauenbeauftragten vor der Unterdrückung der Frauen in islamistischen Gesellschaften nicht thematisieren (oder nur das gelegentliche Feigenblatt bringen, um auf andere einzudreschen, die man mehr hasst).

(Hat Tip: Elder of Ziyon)

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