Überlebender des Palästinensischen Holocaust von 1948:

Ich werde niemals das furchtbare Bild tausender Juden vergessen, wie sie um ihr Leben kämpfen – und damit Erfolg haben

Israeli Satire Laboratory, 21. Mai 2007

Um den palästinensischen Holocausttag zu begehen, wird ISL eine Reihe Interviews mit den Überlebenden einer der tragischsten Episoden der Geschichte führen – dem Versagen der palästinensischen Araber die Überbleibsel des jüdischen Volkes auszulöschen, die in ihre angestammte Heimat zurückkehrten, um dort ein überlebensfähiges Land für ihr Volk zu gründen. Heute interviewen wir Salah Abu-Hitler aus dem pittoresken Dörfen Beit-Shimush auf einem Hügel bei Jerusalem.

ISL: Wie geht es Ihnen heute?

Abu-Hitler: Mir geht es gut. Das Leben geht weiter, wissen sie, auch ohne Juden zu töten.

ISL: Es schmerzt immer noch? Fühlen Sie den Schmerz immer noch?

Abu-Hitler: Natürlich. Er geht nie weg und ich glaube nicht, dass er das je tun wird. Manchmal wache ich nachts durch Albträume auf – ich träume, dass ich durch Jerusalem gehe und um mich herum sind überall Juden – reden, essen, kaufen ein – und ich bin hilflos! Ich habe ein Maschinengewehr, aber aus irgendeinem Grund funktioniert es nicht – ich drücke ab und nichts passiert, keine Juden fallen in Blutpfützen, niemand schreit, keine Sirenen sind zu hören, die Juden schwärmen weiter um mich herum, ihre Lebendigkeit verhöhnt mich, beschämt mich, foltert mich – und dann wache ich auf und schreie vor Schreck.

ISL: Mein Gott. Das klingt furchtbar. Träumen Sie oft von der Vergangenheit?

Abu-Hitler: Fast jede Nacht. Unsere Psychologen haben sogar einen Namen dafür. Sie nennen es „Der Traum, dass ein Jude davon kommt“. Fast jeder von uns Überlebenden träumt davon. Es ist Teil des Traumas, das wir für alle Zeit tragen werden.

ISL: Ich habe erfahren, dass Sie Teil einer Selbsthilfegruppe Überlebender sind.

Abu-Hitler: Ja, sie wurde vor gerade mal sieben Jahren gegründet. Seit Jahrzehnten waren viele von uns so beschämt, dass wir uns unwohl fühlten über das zu reden, was uns zugestoßen war. Das ist ein bekanntes Phänomen – als Opfer machen wir uns selbst Vorwürfe und sind voller Schuld und Scham. Aber mit der Zeit wurde das Bedürfnis alles mitzuteilen überwältigend. Heute treffen wir uns regelmäßig.

ISL: Das ist doch großartig. Hilft es? Worüber sprechen Sie?

Abu-Hitler: Natürlich hilft es. Einfach zu wissen, dass da andere Leute wie du selbst sind, die dasselbe Träume erlitten, dieselbe Frustration, nicht in der Lage zu sein genügend Juden zu töten – es ist ein großer Trost nicht allein zu sein.

ISL: Sie reden also nur über die alten Zeiten?

Abu-Hitler: Nun, wir reden darüber, was passiert ist. Wir waren alle Teil derselbe Tragödie, aber jeder hat seine eigene, einzigartige Geschichte.

ISL: Können Sie uns Ihre Geschichte erzählen?

Abu-Hitler: Ja. Es ist einfach die ganz gewöhnliche Geschichte – Ich habe hier in Frieden in unserem Dorf bei Jerusalem gelebt, habe mich um meinen Kram gekümmert und auf einmal fangen Juden an herzukommen. Sie kauften Ödland und kultivierten es und vor unseren Augen hatten sie Erfolg, wo wir vorher nicht einmal daran dachten es zu versuchen! Unseren Frust können Sie sich vorstellen.

ISL: Natürlich.

Abu-Hitler: Sie kamen und bauten Straßen und Fabriken und Häuser – es war furchtbar. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, den Schmerz und die Erniedrigung zu beschreiben. Sie schafften Arbeit, die besser bezahlt wurde als jemals zuvor; sie brachten uns elektrischen Strom und moderne Maschinen und Medizin – kurz gesagt, sie ruinierten alles, was wir nie hatten. Das Grauen ist einfach zu grausam, als dass man es beschreiben könnte.

ISL: Das kann ich mir vorstellen. Wenn es zu schmerzhaft ist, dann sagen Sie das bitte, dann hören wir auf.

Abu-Hitler: Nein, ich kann nicht aufhören – diese tragische Geschichte, die entschiedene Modernisierung unseres Volkes muss immer und immer wieder erzählt werden – wir dürfen das niemals, niemals vergessen.

ISL: Natürlich.

Abu-Hitler: Wir taten alles, was wir konnten, um die Verbesserungen unserer Gesellschaft zu verhindern. Wir griffen ihre Konvois und ihre Siedlungen an, töteten und verstümmelten und vergewaltigten und ruinierten so viel wir nur konnten – aber es nutzte nichts. Für jeden Juden, den wir töteten, schien immer ein neuer da zu sein, der eine noch bessere Waffe hatte und seinen Platz einnahm. Wir wussten, dass das nicht stimmte – immerhin waren wir ihnen zehn zu eins überlegen. Aber es schien auf jeden Fall so zu sein.

ISL: Es klingt, als hätten Sie alles unmenschlich mögliche getan.

Abu-Hitler: Ich weiß, ich weiß. Aber dennoch – bis heute werde ich das Gefühl nicht los, dass wir mehr hätten tun können, um diese Nakba, diese Katastrophe abzuwenden – vielleicht hätten wir einfach mehr Juden töten müssen, mehr Felder abbrennen, mehr Dörfer plündern müssen – ich weiß nicht. Wenn man in diesem Maß versagt, wenn so viele Juden ungetötet, unbelästigt, unverstümmelt davon kommen, dann kann man nicht aufhören, sich dafür die Verantwortung zu geben. Andererseits – der Tag hat nur 24 Stunden und selbst die hingebungsvollsten Mörder müssen einmal ausruhen.

ISL: Sie haben unter den Umständen Ihr Bestes gegeben.

Abu-Hitler: Danke für Ihr Verständnis. Das haben wir gemacht. Das haben wir wirklich gemacht. Es ist erstaunlich, wie viele junge Leute uns Überlebenden kein Mitgefühl entgegen bringen.

ISL: Sie haben das Gefühl, dass die Überlebenden vernachlässigt werden?

Abu-Hitler: Absolut. Es ist offensichtlich, dass niemand zugeben will, was uns zustieß. Die Leute wollen nicht über die Tragödie, den Schmerz, den Verlust reden. Viele Überlebende leben in Armut, überleben nur mit den lumpigen Schecks der israelischen Wohlfahrt.

ISL: Es reicht nie aus, nicht wahr?
Abu-Hitler: Nie – sie foltern uns immer noch, selbst mit den kleinen Dingen! Wir haben versucht, das öffentliche Interesse auf unsere Notlage aufmerksam zu machen, aber niemand will uns zuhören. Die Jungen von heute interessieren sich nur dafür Selbstmordbomber zu werden und ein paar Dutzend Juden zu töten, aus ihren eigenen, selbstsüchtigen Gründen. Niemand kümmert sich mehr um unsere Gesellschaft – sie fressen sich gegenseitig auf.

ISL: Denken Sie, dieser Generation fehlt die Weisheit Ihrer Generation?

Abu-Hitler: Ja. Sie müssen viel von uns lernen. Viele Lektionen von uns lernen, Fehler, die sie vermeiden müssen. Ich fürchte, dass sich die Geschichte, wenn sie nicht aus der Vergangenheit lernen, wiederholen wird und wie wir werden sie eine furchtbare Tragödie erleiden und werden es nicht schaffen den jüdischen Staat zu vernichten.

ISL: Als Schlussfolgerung, wenn Sie der jüngeren Generation eine Lektion mitgeben können, die Sie aus ihrer Erfahrung im palästinensischen Holocaust von 1948 gelernt haben, welche wäre das?

Abu-Hitler: Wenn ich etwas aus dem Holocaust gelernt habe, dann ist es dies: gewöhnliche, traditionelle Gewalt wird nichts erreichen. Was wir brauchen ist außergewöhnliche, kranke, teuflische Gewalt. Wir brauchen unerbittliche, nicht endende, nicht zu stillende Brutalität. Das ist der einzige Weg sicherzustellen, dass all die Juden getötet werden. Und vielleicht dann, anchdem wir das Blut des letzten Juden in Palästina getrunken haben, werden wir Überlebenden endlich in der Lage sein ruhig zu schlafen.

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