Flamme der Schande

Als richtige Diktatur muss die Volksrepublik China unbedingt neue Superlative setzen, um die Welt in Staunen zu versetzen ob der Leistungsfähigkeit des voll überlegenen Systems. Der „Fackellauf“ mit dem olympischen Feuer ist eine tolle Gelegenheit dazu – so weit um die Welt ist das Teil noch nie getragen worden. Bisher war es in erster Linie der nicht ganz direkte Weg von Griechenland ins Ausrichterland. Dieses Jahr werden Umwege genommen, die jeder Logik widersprechen und dem Geist Olympias mindestens so Hohn sprechen wie 1936 – oder wie die Friedenstauben in Moskau 1980.

Olympia-SorgeAnders als 1936 oder 1980 gibt es allerdings richtig Zoff. Noch nie musste ein Olympia-Fackel derart geschützt werden wie dieses Jahr gegen die Tibeter. Es waren zwar keine Wasserpistolen-Terroristen hinter irgendwelchen Büschen zu verzeichnen, aber am Montag in Paris verlöschte das Teil – gleich viermal. Das erste Mal löschten es die Organisatoren selbst, weil zu viele Demonstranten vorhanden waren; dann wurde sie ausgemacht, weil mit Wasser gesprüht wurde; dann waren wieder Demonstranten im Weg (sie hatten eine Brücke besetzt); und schließlich drohten vor dem Louvre Leute mit einem Feuerlöscher. Die Fackel wird jetzt besser geschützt als der Papst im Papamobil.

In London gab es Sonntag schon reichlich Zoff. Tibetische Demonstranten und ihre Sympathisanten machten den Fackel- zum Spießrutenlauf. Die britischen Sicherheitskräfte hatten alle Hände voll zu tun, der Fackel den Weg freizuräumen. Um die Fackel selbst kümmerten sich anscheinend andere – was bei uns nicht weiter vermerkt wurde. Auch bei den Briten scheinen es nicht allzu viele gemerkt zu haben; allerdings hat die Daily Mail recht heftige Reaktionen auf eine Gruppe Chinesen, über deren Aktivitäten auch Melanie Phillips sich aufregt:

Von mehreren Seiten wurde inzwischen aufgezeigt, dass der schockierendste Aspekt dieser Farce des Vorankommens der olympischen Fackel durch London und Paris die Anwesenheit und das Verhalten eines Trupps chinesischer Schläger in blauen Trainingsanzügen war, die eine bedrohliche Phalanx zwischen der Fackel und der nebenhertrottenden britischen Polizei bildeten. Lord Coe nannge sie „Schläger“ und Konnie Huq, die die Fackel trug, lieferte einige lebhafte und alarmierende Details:

Huq, eine von 80 Fackelträgern, sagte: „Die Männer in Blau verblüfften alle. Niemand schien zu wissen, wer sie offiziell waren oder welche Funktion sie hatten. Sie waren sehr roboterhaft, sehr konzentriert und ich bemerkte, dass sie Zusammenstöße mit unserer Polizei und den olympischen Autoritäten vor unserem Teil des Laufs, was etwas verwirrend war. Sie schnauzten mich an, Sachen wie ‚Lauf! Stop!’ und ich dachte Sachen wie: ‚Meine Güte, wer sind diese Leute?’ Sie drückten meine Hand weiter nach oben, als ich die Fackel hielt. Also waren sie… interessant.“

Die große Frage ist: Wer waren sie und wer hat ihnen eine solche Rolle für den Umzug zuerkannt? Die Times berichtet:

Die Metropolitan Police bestätigte gestern Abend, dass die Teilnehmer keine exekutive Gewalt in Großbritannien hatten, was bedeutet, dass sie keine Befugnis haben die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Außen- und Commonwealth-Ministerium und die chinesische Botschaft lehnten es ab die Rolle und Verantwortung der 14-köpfigen Gruppe zu kommentieren. Pro-tibetische Demonstranten behaupten, dass die Leute hoch ausgebildete chinesische Sicherheitsbeamte waren.

Andernorts sagt der Rat von Greater London, dass die Sicherheit auf den Straßen vom britischen Olympischen Komitee (BOC) organisiert wurde, währen das BOC sagt, dass die GLA (Verwaltung von Greater London) sie organisierte.

Fakt ist, dass dies eine perfekt legale Demonstration der Art war, die Großbritanniens offene Gesellschaft charakterisiert. Die Frage bleibt: Wer hat den staatlichen chinesischen Schlägern die Befugnis gegeben, eine Rolle bei der Kontrolle der Demonstration auf Londons Straßen gegeben?

Werbeanzeigen