Die Prostitution des Friedens

Sultan Knish, 18.06.2008

Wenn man dem derzeitigen Regime der Diplomaten und Experten glaubt, dann ist Frieden etwas, das für den richtigen Preis zu bekommen ist. Wo Frieden einst die gegenseitige Einstellung des Krieges bedeutete, ist Frieden inzwischen etwas geworden, das gekauft und verkauft werden kann. Legt die richtige Summe auf den Tisch und der Frieden kann euer sein, die Luden des Friedens schreien an jeder Straßenecke. Hinter ihnen stehen ihre schaurigen Erzeugnisse, die Terroristen und Massenmörder, die Frieden mit dir haben werden, vielleicht eine Nacht lang oder zwei, wenn der richtige Preis gezahlt wird. Die Trickser mögen glauben, dass Frieden eine langfristige Ehe ist, aber sie wissen, dass es sich nur um einen One-Night-Stand handelt. Hudna. Waffenruhe. Genug Zeit für sie, um sie wieder zu bewaffnen und zu töten.

Wie leben jetzt in einer Zeit der Prostitution des Friedens. Liebe tritt da nicht ein. Brüderlichkeit tritt nicht ein. Wir haben nicht länger Frieden, weil wir beide des Krieges müde sind und ihn beenden wollen. Nein, Frieden ist etwas geworden, das das Scheusal, der Halsabschneider und das Monster der zivilisierten Welt im Tausch für Waffen, Macht und internationale Anerkennung anbieten. Und so haben wir nicht länger Frieden; statt dessen ist schon die Vorstellung von Frieden eine verlorene Hoffnung geworden, die Glückssträhne eines zwanghaften Spielers, das letzte Bier eines Alkoholikers, ein aussichtsloses Unterfangen in den dunklen Straßen der modernen diplomatischen Fehllagerung der Zivilisation.

Frieden war einmal das Ende der Gewalt, aber jetzt ist Frieden ein Prozess geworden, ein langes Ritual von Treffen und Akten verschieben, das niemals tatsächlich Frieden schafft, aber die quietschenden Räder der Diplomatie am Laufen hält. Und so kommen und gehen die Anzugträger und Fotos werden gemacht und es wird unterzeichnet und die Schlagezeilen der Zeitungen brüllen „Frieden, Frieden“, aber da ist kein Friede. Die Diplomaten, die den Frieden vom Oslo bis Camp David und von Tabe bis Ankara prostituieren, wissen ganz genau, dass sie eine von Seuchen geplagte Lüge verkaufen. In Wahrheit verkaufen sie die Illusion einer rationalen Welt an die letzten Reste einer sterbenden Zivilisation, die sich der Brutalität eines Dar al-Harb entgegen stellt, die der Vernunft ins Gesicht lacht und in Grausamkeit frohlockt.

Der Regen fällt im Dunkeln, der Wind bläst zerfetzte Zeitungen eine menschenleere Straße hinab. München. Camp David. Brüssel. Oslo. Es spielt keine Rolle mehr, nur die Hotelzimmer und der teure Alkohol, der auf Steuerzahlers Kosten in Weingläser gegossen wird. Die Luden werben, die Prostituierten posieren mit ihren Waffen und Bomben und die Trickser stellen alles auf, was sie haben, sicher, dass diesmal alles anders sein wird. Ein Toast wird ausgebracht. „Auf den Frieden!“ Frieden in unserer Zeit. Frieden in niemandes Zeit.

Die Prostitution des Friedens ist ei gespenstisch zynischer Akt, weit grausamer als die Art Verbrechen, für die Männer und Frauen jede Nacht an den Straßenecken der Zivilisation verhaftet werden. Denn die Prostitution des Friedens ist nicht nur ein falsches Versprechen von Liebe, sie ist ein falsches Versprechen des Endes des Tötens, das nur dazu dient dieses immerwährend fortzusetzen.

Linke Agitation und linker Aktivismus haben den Frieden in ein Mem verwandelt, eine Lüge, die jeder haben kann, wenn er nur laut genug singt und sei von seiner Regierung einfordert. Und so sterben sie. Und die Führer ihrer Regierung gehen in die Hotelzimmer in weit entfernten Städten und Kontinenten, um sie dort zu kaufen. Die Gläser klingen, alle jubeln und am Morgen gibt es weitere Leichen, die von den Straßen geholt werden müssen.

Die Unaufrichtigkeit des Friedens liegt im Kern der Prostitution des Friedens. Sie ist von allen Seiten ein Akt der Unverantwortlichkeit. Die Luden des Friedens in den Außenministerien blasen ihr eigenes Prestige auf, sicher, dass die richtige Transaktion endlich die Scheichs des Ostens auf ihre Seite bringen wird. Die Prostituierten des Friedens grinsen zynisch, wissend, dass sie ncihts verkaufen, das sie sich nicht morgen zurücknehmen können. Die Trickser kommen mit einer Mixtur aus Korruption und Verzweiflung, getrieben vom selbstzerstörerischen Impuls des Verfalls, um etwas zu kaufen, das sie nicht zu einem Preis haben können, den sie nicht zahlen können.

Niemand in dieser Dreifaltigkeit der Verdammten wünscht sich etwas vom moralischen Bankrott ihres Berufs oder seinem verheerenden Preis zu hören. Wieder und wieder wird der Preis gezahlt und Blut strömt in die Gosse und in den Hotelzimmern klingen die Gläser.

„Auf den Frieden.“