Gefangenen-Austausch … nicht ganz

Denn es wurden ja nicht Gefangene ausgetauscht, sondern fünf lebendige und ein Haufen toter Terroristen gegen zwei Leichen. Es ist immer wieder schwer zu begreifen, dass Israel sich zu solch einem Handel hergibt. Schwer zu begreifen, nicht unbegreiflich.

Allerdings dürfte damit jetzt sichergestellt sein, dass Gilad Shalit auch nicht lebendig zurückkommen wird. Die Hamas hat – einmal mehr – gelernt, dass sie keine lebenden Israelis braucht, um Israel zu erpressen. Dass Entführungen ein probates Mittel sind, um den jüdischen Staat erpressen zu können, wissen sie schon länger und haben schon lauthals verkündet, dass weitere folgen sollen.

Jetzt haben sie die volle Bestätigung, dass sie alles unternehmen können, womit sie Israelis in die psychische Hölle stürzen und erpressen können. Dank der Stümper in Jerusalem, die nicht einmal darauf bestanden, dass sie nur Leichen gegen Leichen tauschen – und lebende Gefängnisinsassen gegen lebende Entführte. Mal abgesehen davon, dass die Nasrallah und seine Kumpane schon vor dem Austausch die Vereinbarungen brachen, weil die „Informationen“ über Ron Arad überhaupt nichts brachten.

Eigentlich – und hier neige ich dazu, meine sämtlichen Prinzipien und Grundsätze über Bord zu werfen – wäre es jetzt an der Zeit, dass die Jubelfeiern für Samir Kuntar im Libanon mit ein paar explosiven Grüßen zu versehen werden, zumal alle „Parteien“ des Libanon fröhlich mitfeiern. Das mit dem Knallen werden die Israelis nicht tun, dazu sind sie viel zu anständig. Aber unerfreulich wäre es nicht, wenn die frei gelassenen Terroristen ganz schnell so außer Gefecht gesetzt wären, dass sie ihre „Tätigkeiten“ nicht wieder aufnehmen können.

Was uns diese Episode zeigt, ist eigentlich vor allem eins: Die Hisbollah (und mit ihr die anderen Terroristen) haben keinerlei Ansätze menschlichen Verhaltens; sie verachten alles, was an normalem Umgang üblich sein sollte. Sie morden, erpressen und spielen übelste Spielchen.

Jeder, wirklich jeder, der noch weiter Versuche unternimmt, die Hisbollah in irgendeiner Weise zu rechtfertigen, verdient nur eines: dass man ihn über’s Knie legt und ihm den Hintern versohlt, dass er eine Woche nicht sitzen kann. Solchen Monster irgendetwas Positives zuzuschreiben, ist ähnlich unmenschlich wie das Verhalten dieser Barbaren.

Ich bewundere Menschen wie Lila von Letters from Rungholt, die bei dieser Thematik so „neutral“ aufzuschreiben in der Lage sind, mit etwas geistiger Distanz, wie die Stimmung in Israel ist, wie die unterschiedlichen Probleme aussehen und in welcher Zwickmühle man dort steckt. Andererseits frage ich mich, ob es wirklich immer so richtig ist, sich diese Distanz aufzuerlegen. Ich weiß aber eins: Im Westen wird gezielt Schindluder getrieben, es wird gezielt die Umkehr von Opfer und Täter betrieben und die Unmenschen werden als gerechtfertigt dargestellt. Und darauf sollte Israel keine Rücksicht mehr nehmen. Denn es wird den gutmenschlichen Terror-Apologeten nie genug dafür tun, um in ihren Augen „richtig“ zu handeln. Versucht es weiter sich dem Westen anzubiedern, hat es keine Chance seine Sicherheit zu gewährleisten.

Im Fernsehen schwadronierte heute ein noch nicht einmal bei seinem Sender weltberühmter Korrespondent von Annäherungen zwischen Israel und der Hisbollah, sah einen Durchbruch in Sachen Frieden zwischen Syrien und Israel und damit die gute Chance, dass die Achse Iran-Syrien (und weiter zur Hisbollah) durchbrochen wird. Herzlichen Glückwunsch, Dumpfbacke, was müssen die Terroristen eigentlich noch machen, damit du sie als die bezeichnest, die sie sind und entsprechend einordnest?

Hier ein paar lesenswertere Beiträge zum Leichenaustausch:
Glückwünsche (Letters from Rungholt)
Noch kein Ende (Letters from Rungholt)
Ein verheerender Deal (Spirit of Entebbe)
Eine Mords-Fete (Gil Yaron als Gastautor auf der Achse des Guten – das ist m.E. die stärkste Überschrift für einen Kommentar in dieser Sache)
Zwei Leichen gegen fünf Verbrecher (Malte Lehming)

Nachtrag: Begriffsverwirrung in den 22-Uhr-Nachrichten von n-tv: Einmal werden die Terroristen zwar als Terroristen bezeichnet, aber dann werden sie als „Kämpfer“ eingestuft und die Leichen als „libanesische und palästinensische Soldaten“. Anders N24: „libanesische und palästinensische Kämpfer“ – über diese verharmlosende Bezeichnung kann man angesichts der n-tv-Formulierungen schon fast froh sein…

Die ARD-tagesthemen verzeichnen nur einen der Freigelassenen als Terroristen – die anderen vier sind offenbar ganz harmlose Normalbürger? Zumindest bringt der Bericht in vollem Umfang zum Ausdruck, welche grausame Unmenschen die Hamas-Leute sind.

Und sollte sich irgendjemand im Unklaren sein, wes Geistes Kind da heute in den Libanon frei gelassen wurde, hier ein Bild des Mörders bei seinem Empfang:

Dazu muss man nichts mehr sagen. Vielleicht die kleine Anmerkung von David Harnasch auf der Achse des Guten. Aber das reicht dann auch.

2 Gedanken zu “Gefangenen-Austausch … nicht ganz

  1. Ha, ich klau Dir die Links. Meine Selbstverleugnung ging nicht so weit, die deutschen Medien mit dem Lausekamm zu durchsuchen… Danke!

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