Unterdrückungsspiele mit Scharaden-Charakter

Erst wurden die (sieben) irakischen Olympia-Sportler ausgeladen. Als Grund gab das IOC an, dass der Staat sich unzulässig eingemischt hätte, als er das NOK auflöste, dessen Mitglieder zum Teil vermisst sind (vor zwei Jahren entführt und niemand weiß wo sie sind und ob sie noch leben), während die übrigen sogar für nahöstliche Verhältnisse einfach zu korrupt waren. Das neue NOK wird vom IOC nicht anerkannt.

Jetzt gibt es einen „Kompromiss“: Zwei Athleten dürfen zu den Spielen, nachdem die irakische Regierung versprach nicht politisch in die olympische Bewegung des Landes einzugreifen. Im November soll es transparente Wahlen zum NOK geben. Natürlich begrüßen die IOC-Offiziellen, dass die irakische Flagge in Peking wehen wird. (Wieso nur zwei der ursprünglich sieben Athleten nach Peking dürfen, wird nicht klar.)

Nebenbemerkung: Als Saddam Hussein seinen Sohn Uday zum Leiter des NOK (und des irakischen Fußballverbandes) ernannte, sah das IOC nie einen Grund sich über „unzulässige politische Einmischung in die olympische Bewegung des Landes“ zu beklagen, geschweige denn Sanktionen zu erteilen.

Aber gegenüber Tyrannen und Diktaturen haben es die IOC-Offiziellen ja eh nicht mit Standhaftigkeit oder gar Widerstand. Das haben sie gerade erst wieder bewiesen, also sie die Internet-Zensur für alle Journalisten durch die Volksrepublik China für in Ordnung befanden (Nachrichten im Radio von 14 Uhr). Die Regierung in Peking hat damit ein weiteres der früher abgegebenen Versprechen gebrochen. Bereits vor ein paar Tagen hatte ein Fernsehbericht südamerikanische Journalisten gezeigt, die nur sehr eingeschränkten Internetzugriff hatten – und die offiziellen Ansprechpartner Chinas zeigten sich verwundert und behaupteten glatt, das stimme nicht. So geht’s auch, aber nur sehr kurz.

Um sich mit der Lüge nicht weiter lächerlich machen zu müssen, wurde anscheinend mit dem IOC gekungelt. Offizielle Darstellung jetzt: Der freie und ungehinderte Internetzugang sei nur für den Sport zugesagt worden. Das IOC bestätigte die Darstellung und schon ist der olympische Friede wieder hergestellt und der Freiheit Genüge getan. (Im April hieß es seitens des IOC noch, das Hauptpressezentrum würde nicht zensiert.) Die Journalisten hätten „für ihre Arbeit notwendigen Internetzugang“. (Der Sport ist bekanntlich von der Politik völlig losgelöst.)

Wenn alles mit rechten Dingen zugehen würde, dann müsste das IOC die Spiele absagen.

Wenn alles mir rechten Dingen zugehen würde, dann müssten die Reporter und Sendeanstalten jetzt die Spiele ignorieren. (Aber dazu haben sie zu viel Geld bezahlt.)

Da sie das nicht tun werden, müssten sie bei jedem Bericht, bei jedem Gespräch, jedes Mal, wenn ein Journalist sich äußert oder jemanden befragt, die Zensuraktivitäten der Chinesen erwähnt werden.

Aber dazu wird sich unsere Journaille auch nicht durchringen können. Das Getöse von heute wird für Olympia unter den Teppich gekehrt werden, damit die Spiele „schön“ werden.

Ich für mein Teil werde die Olympischen Spiele ignorieren. Mich wird keine Werbung der Olympia-Berichterstattung erreichen.