Au-bama

Es gibt Politiker, die werden von Kabarettisten (“Comedians” heißt das heute oft) “geliebt”. Das ist keine wirkliche Liebe, sondern diese Leute eignen sich einfach ganz herrlich als Objekt zum Witze reißen. Als 1982/83 die von Helmut Schmidt geführte Koalition von der CDU-FDP-Regierung abgelöst wurde, meinte mein Vater, dass die Kabarettisten jetzt wieder mehr tun könnten, weil eine konservative Regierung an die Macht kam; da gäbe es viel mehr, über das man Witze machen kann als bei den Linken.

Nun, das spricht für sich. Über „Birne“ Helmut Kohl wurde gelästert ohne Ende. Für ihn wurden die ganzen alten Kamellen wieder aufgewärmt, die man Bundespräsident Lübke schon angehängt hatte. Einen Kohl-Witz kann heute noch so ziemlich jeder erzählen. Aber einen über Helmut Schmidt oder Willi Brandt?

Ähnlich im Ausland. George W. Bush ist eine Parade-Zielscheibe dafür durch den Kakao gezogen zu werden – mal völlig unabhängig davon, wie viel oder wenig dabei berechtigt und was an den Haaren herbeigezogen ist. (In Deutschland allerdings reicht es schon zu sagen „George Bush hat gesagt“, damit das erlauchte Publikum in Lachen ausbricht.)

Über Linke werden öffentlich aber so gut wie keine Witze gemacht. Das scheint unanständig und moralisch verwerflich zu sein. Oder haben die einfach keinen echten Humor? Vielleicht liegt es auch daran, dass diese Witze zu nahe an der Realität sind. Schwächen und Peinlichkeiten liefern viele von ihnen jedenfalls genug. Barack Obama ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Der hat schon so viel Unsinn von sich gegeben, dass George W. Bush daneben als Genie aussieht. Er hat nicht nur seinen Großvater Auschwitz befreien lassen (der war weder Russe noch jemals in der Roten Armee); seine Tochter muss ihn am Nominierungs-Parteitag fragen, wo er ist, damit er seinen Fehler vom Anfang der Einblendung ausbügeln kann (er war in Kansas City und grüßte aus St. Louis!). Der Mann hat immer wieder gezeigt, dass er ohne Teleprompter oder vorgefertigten Redetext nicht geradeaus reden, Fakten sauber aufreihen und Allgemeinwissen benutzen kann. Gibt es ein besseres Opfer für Witze? Seltsamerweise muss man mit der Lupe nach solchen suchen. Aber ein paar Leute machen sich die Mühe den Kakao zu brauen, der zum Durchziehen von The One geeignet ist. Einer davon ist Radiotalker Rush Limbaugh; der hat sich einen Obama-Lapsus vorgenommen, der mit Geographie zu tun hat – nämlich seine Aussage, dass er seinen Wahlkampf in allen 57 Staaten führen würde (für alle eventuell vorhandenen weniger Versierten: Die USA haben 50 Bundesstaaten.):

Ihr seid euch vielleicht bewusst, dass Barack Obama neulich die Orientierung verlor und sagte, er würde für seinen Wahlkampf in alle 57 Staaten gehen?
Habt ihr gehört? Und alle kreideten es dem hier zu: „Nun, er ist müde.“

Wisst ihr, das ist ein Dan Qayle-Moment. Ich meine, Dan Quayle läuft da herum und Buchstabiert „Kartoffel“ falsch und wir hören immer noch Witze darüber.
Barack Obmaa sagt, er will losziehen und in 57 Staaten Wahlkampf machen – er war nur müde, wisst ihr, der Wahlkampf dauert schon so lange, er war an so vielen Orten, er glaubt wahrscheinlich, dass es 57 Staaten gibt.
Nun, ich habe hier den Ausdruck einer Internetseite namens International Humanist and Ethical Union. Und der zweite Absatz eines Artikels auf dieser Site beginnt so:
“Jedes Jahr von 1999 bis 2005, legte die Islamische Konferenz, die die 57 islamischen Staaten repräsentiert, der UN-Kommission, die als für Menschenrechte kämpfend benannt ist, eine Resolution vor.“
Obama sagt, er würde Wahlkampf in 57 Staaten machen und es stellt sich heraus, dass es 57 islamische Staaten gibt. Es gibt 57 islamische Staaten.
Hat Obama also nur die Orientierung verloren oder war das eher ein viel sagender Ausrutscher?

Dieses Geografie-Problem lässt sich noch weiter ausschlachten. Von einem Freund wurde mir der folgende Text zugeschickt (Übertragung ins Deutsche folgt unten):

Headline News….OBAMA TO MEET WITH RUSSIANS

In a remarkable announcement today by the Democratic National Committee, Barack Obama is going to demonstrate his foreign policy prowess by flying to the warzone of the conflict between Russia and Georgia. Obama has directed that a team of his key advisers accompany him into dangerous territory, in hope of brokering a peace settlement between the two sides.

His aircraft is expected to touch down in Atlanta at 0430Z, and it will be accompanied by seven other aircraft containing reporters from CBS, NBC, ABC, CNN, and Pravda. In a brief interview before boarding his airplane, Obama said that he will set up operations in Atlanta and will invite Colonel General Anatoly Nagovitsyn of the Russian General Staff to meet him there for talks.

Obama went on to say that, in a spirit of inclusiveness, he would agree that Russia could have part of Georgia — Savannah, Brunswick, and perhaps as far inland as Macon and Valdosta — however, with his chin firmly set, Obama strongly declared that he would never give up Georgia west of I-75.

Um das ins Deutsche zu bringen, muss man wissen, dass Georgien im Kaukasus und der US-Bundesstaat Georgia im Englischen beide „Georgia“ heißen:

Headline News … OBAMA TRIFFT RUSSEN

Mit einer bemerkenswerten Ankündigung des Demokratischen Nominierungs-Parteitags von heute wird Barack Obama sein überragendes außenpolitisches Können demonstrieren, indem er in das Kriegsgebiet des Konflikts zwischen Russland und Georgia fliegt. Obama hat angewiesen, dass ein Team seiner Schlüsselberater ihn in das gefährliche Territorium begleitet; er hofft eine Friedensregelung zwischen den beiden Seiten zu vermitteln.

Es wird erwartet, dass sein Flugzeug wird um 4.30 Uhr Zulu-Zeit landet; es wird von sieben weiteren Flugzeugen begleitet, die Reporter von CBS, NBC, ABC, CNN und Prawda mitbringen. In einem kurzen Interview sagte Obama, bevor er in sein Flugzeug stieg, dass er in Atlanta Quartier nehmen wird und Generaloberst Anatoli Nagowitsin vom russischen Generalstab einladen wird, ihn dort zu Gesprächen zu treffen.

Obama fuhr im Geist des Einschlusses aller fort, dass er zustimmen würde, Russland einen Teil von Georgia zu überlassen – Savannah, Brunswick und Land vielleicht so weit ins Inland wie Macon und Valdosta. Aber mit dem Kinn fest vorgeschoben erklärte Obama energisch, dass er niemals etwas von Georgia westlich der Autobahn Interstate 75 aufgeben würde.

George W. Bush sagte auf dem Parteitag vor der letzten Präsidentschaftswahl in etwa: „Mir wurde ja schon verschiedentlich gesagt, dass meine Aussprache nicht die beste ist. Aber seit Arnold Schwarzenegger angefangen hat mich zu verbessern, mache ich mir wirklich Sorgen.“

Man kann Obama nur wünschen, dass er lernt mit solchen Dingen auch so umzugehen – und erst recht seinen Parteigängern und Wahlhelfern.

2 Gedanken zu “Au-bama

  1. Das ist der Hammer, das mit den 57 islamischen Staaten. Wie kann man das verwechseln? Wenn es nun zweiundfünfzig geben würde, und er hätte dreiundfünfzig gesagt, ok, dann wäre es ein Versprecher, in Deutsch noch leichter möglich, als die entsprechenden englischen Worte.

    Aber fifty und fiftyseven. Das kann doch kein Versprecher sein.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.