Die Franzosen, mal wieder…

Michael Freund, 4. September 2008

So viel die französische Politik sich verändert hat, seit Nicolas Sarkozy die Präsidentschaft übernahm, so sehr scheinen alte Gewohnheiten sich in Paris stärker zu halten als erwartet.

Seit der Ermordung des ehemaligen libanesischen Premierministers Rafik Hariri 2005 in Beirut (eine Tat, von der praktisch jeder glaubt, dass sie vom Regime in Syrien verübt wurde), haben sich die führenden Politiker im Westen den syrischen Diktator Bashar al-Assad weit gehend fern gehalten.

Das heißt: bis gestern.

Sarkozy kam zu viel Getöse in Damaskus an, wo er lächelnd Seite an Seite mit Assad fotografiert wurde. Und da Frankreich die rotierende Präsidentschaft der Europäischen Union inne hat, bekommt die Reise zusätzliches diplomatisches Gewicht und Bedeutung.

Privat müssen Assad und seine Berater angesichts dieser Entwicklung vor Lachen am Boden liegen. Syrien unterstützt weiterhin Terrorgruppen wie die Hisbollah, behält seine Allianz mit dem iranischen Renegaten bei und unterstützte auch noch das gerade erfolgte russische Blutbad in Georgien.

Doch statt für diese Possen einen Preis zahlen zu müssen, findet sich das syrische Regime in der Situation wieder, dass Frankreich und der Westen es hofieren, weil sie so naiv sind zu glauben durch „Engagement“ und „Dialog“ einen Wandel in Assads gewiefter Haltung herbeiführen zu können.

In der besten Tradition fehl geleiteter französischer Politik macht Mr. Sarkozy genau das Gegenteil dessen, was getan werden muss. Statt Assad für sein mieses Verhalten mit Fototerminen und Lob zu belohnen, sollte Frankreich den Vorstoß anführen, das gefährliche Regime in Damaskus zu isolieren und zu untergraben, das nicht zögert Gewalt und Terror anzuwenden, um seine Interessen zu verfolgen.

Andererseits, glaube ich, sollten wir wegen der erbärmlichen Politik von Paris nicht allzu überrascht sein. Wie die Franzosen gerne selbst sagen: „Plus ça change, plus c’est la même chose.“ (Je mehr die Dinge sich ändern, desto mehr bleiben sie, wie sie sind.)

Ein Gedanke zu “Die Franzosen, mal wieder…

  1. Tja, Israel hat das Tor geoeffnet. Es war voellig klar, dass Syrien nicht weiter isoliert bleiben wuerde, wenn Israel selbst „Friedens“-Verhandlungen fuehrt.

    Irgendwie scheinen unsere Hampelmaenner das verdraengt zu haben:

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1220526711735&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

    Israeli diplomatic officials viewed the four-way summit in Damascus among the leaders of Syria, France, Turkey and Qatar on Thursday with some frustration, saying Syrian President Bashar Assad had effectively broken out of his international isolation without having given anything in return.

    Assad hosted a meeting with French President Nicolas Sarkozy, Turkish Prime Minister Recep Tayyip Erdogan and Qatari Emir Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani following his one-on-one meeting with Sarkozy on Wednesday.

    „He no longer needs to negotiate with us,“ one senior Israeli diplomatic official said Thursday, following a statement Assad made Thursday morning that indirect negotiations with Israel had been postponed because of the resignation of Yoram Turbowicz, the head of the Israeli negotiating team, as Prime Minister Ehud Olmert’s chief of staff.

    (…)

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